Wikipedia berät über Distanzierung von Fotolizenz-Abzockern

Wikipedia Meinungsbild

Eigentlich hätte man bei einem idealistischen Projekt erwarten können, dass die altruistische Wikipedia-Community solch parasitäre Geschäftemacher längst vor die Tür komplimentiert hätte, denn dieser Missbrauch von vermeintlichem Urheberrecht bringt sowohl Creative Commons als auch die Wikipedia in Verruf. Doch die viel beschworenen Selbstreinigungskräfte der Wikipedia ließen auch die Fotolizenzabzocker bislang ungeschoren.

Nun wurde vorgeschlagen, die Werke solcher Fotografen aus der Wikipedia zu entfernen, die kostenpflichtig abmahnen lassen, ohne zuvor dem Urheberrechtsverbrecher Gelegenheit zur Korrektur zu geben. Der Vorschlag hat allerdings grobe handwerkliche Fehler, denn er verkennt, dass die anwaltliche Abmahnung oder Klage auf Unterlassung in diesen Fällen die absolute Ausnahme ist. Die faktisch wie eine Abmahnung wirkenden Schreiben stammen nämlich ganz überwiegend von den Fotografen selbst und sind nicht auf Unterlassung, sondern auf Ausgleich der Lizenzgebühr gerichtet. Und das wäre der eigentliche Grund, warum man solch parasitären Trittbrettfahrern auf die Finger klopfen sollte, und zwar kräftig.

Beim aktuellen Wikipedia-Meinungsbild steht ein längst überfälliges Hausverbot auf der Kippe. Dessen schwache Erfolgsaussichten dürften aber auch mit dem Interessenkonflikt zusammenhängen, dass etliche der etablierten Wikipedianer längst ihre Machtposition selbst versilbert haben. So bieten manche Wikipedianer ganz offen die Manipulation von Artikeln gegen Bares an, keine PR-Agentur kann es sich heute noch leisten, auf diskrete Kontakte in die Wikipedia-Community zu verzichten. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Daher wird die Abzocke wohl absehbar weitergehen. Wer entsprechende Forderungsschreiben erhält, sollte zur Vermeidung von Anwaltskosten etc. eine selbst veranlasste Unterlassungsverpflichtungserklärung abgeben, aber jegliche Zahlung und weitere Kommunikation verweigern. Lizenzklagen dieser Wikipedia-Fotografen sind selten und gehen nach hinten los.

Disclosure: Der Autor war in seiner Eigenschaft als Fachanwalt für Urheberrecht mit den meisten im Beitrag genannten Fällen befasst.

(Markus Kompa)