Windkraft im Aufwind

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen

Die erneuerbaren Energien sind im Aufwind. Und als der größte Hit erweist sich zurzeit die Windkraft. Weltweit gab es in den vergangenen Jahren einen Zuwachs um satte 40% in dieser Energieerzeugungssparte.

Windkraftanlage, Bild: Universität Bern

Die Industriestaaten sind abhängig vom Erdöl, eine Tatsache, die politisch bedenklich ist und zudem ist das Potenzial aller fossilen Brennstoffe endlich. Bei gleich bleibendem Verbrauch reicht das Öl noch für 30-40 Jahre, das Erdgas noch für 60 und die Kohle für rund 210 Jahre (vgl. Ein Ende der Pyromanie). Die Verbrennung erzeugt Kohlendioxid und heizt damit dem Treibhauseffekt ein (vgl. Die Regenmacher). In den vergangenen Jahrzehnten sind sehr viele öffentliche Gelder in die Förderung der Atomkraft geflossen, teilweise geschieht das immer noch (vgl. Atomkraft ja bitte!), aber in Deutschland ist der systematische Ausstieg inzwischen beschlossene Sache, weil die Risiken zu hoch (vgl. Atomarer Albtraum) und die Problematik der Abfälle letztlich ungelöst sind. Die regenerativen Energien sollen jetzt gefördert und ausgebaut werden, um einen immer größeren Teil des Energiebedarfs zu decken. Das sind vor allem die Wasserkraft (Vgl. Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke), die Sonnenenergie (Vgl. Solarenergie ganz groß), Biomasse) und Geothermie (vgl. Wärme aus der Erde heizt ein). Zukünftig soll auch der Wasserstoff (vgl. Der Planet des Wassers) eine Rolle spielen. Die Europäische Union hat sich das Ziel gesteckt, bis zum Jahr 2010 den Anteil erneuerbarer Energien auf 12 Prozent der gesamten Energieproduktion zu steigern.

Allein in diesem Jahr stellt die Bundesregierung für die Förderung der Anlagen zur Energieerzeugung aus regenerativen Energien 190 Millionen Euro zur Verfügung. Wesentliche Voraussetzung dieser Energiepolitik ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Den größten Boom unter den erneuerbaren Energien erlebt im Moment die Windkraft. Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen." Europa setzt auf die Windmühlen und fördert gezielt die Erzeugung von Strom aus Windenergie.

Die Windkraftanlagentechnik beruht auf der Umwandlung der in den strömenden Luftmassen vorhandenen kinetischen Energie in elektrische Energie. Üblicherweise geschieht das durch riesige Windräder (Vgl. Allgemeines über Windenergie), eine besondere und neue Form sind Aufwindkraftwerke (Vgl. Strom aus der Wüste).

Windkraft, Grafik: BMU, Quelle Bundesverband Windenergie e. V., DEWI

Der neueste Bericht des Dachverbandes European Renewable Energy Council (EREC) zeigt, dass die Windkraft unter den regenerativen Energien den größten Boom erlebt. In den vergangenen fünf Jahren betrug die jährliche Wachstumsrate 40%. Weltweit beschäftigt die Branche heute ca. 70'000 Personen und hat einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Dollars. Besonders wichtige Windenergiemärkte finden sich in Deutschland, Spanien, Dänemark, den USA und Indien. Zwei Drittel der weltweiten Windenergieerzeugung findet in Europa statt.

2001 war ein Rekordjahr für die deutschen Windkraftanlagenhersteller. 2'079 neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.659 Megawatt gingen ans Netz. Das war ein Zuwachs von satten 60% gegenüber dem Vorjahr. Heute werden 28 Millionen Europäer durch Windkraft mit Strom versorgt und die Hälfte davon wird in Deutschland produziert. Insgesamt drehen sich in Deutschland nach der Erhebung des Deutschen Windenergie-Institutes (DEWI) ca. 11 500 Windkonverter und mit einer Gesamtleistung von rund 8'750 Megawatt. Das entspricht einem Anteil von ca. 3,5% am deutschen Stromverbrauch. Dabei gibt es noch viele Kapazitäten, denn die natürliche Energie des Windes ist unerschöpflich.

Als der interessanteste neue Marktsektor gelten die Offshore-Windkraftanlagen, die vor allem in der Nord- und Ostsee geplant sind. Windparks im Meer sind schon seit 30 Jahren in der Diskussion, aber jetzt geht es in die konkrete Umsetzung, denn sie versprechen eine bis zu 40% höhere Energieausbeute als vergleichbare Anlagen an küstennahen Binnenstandorten. Der Wind ist stetiger und bläst auf hoher See stärker. Bisher beträgt die Leistung aus Offshore-Windparks weltweit erst etwa 80 Megawatt.

Die wenigen bisher gebauten Anlagen verteilen sich auf die vier europäischen Länder Dänemark, Schweden, Niederlande und Großbritannien. Die Bundesregierung sieht in dem 2001 genehmigten Offshore-Windkraftwerk vor Borkum den Einstieg in die Zukunft. "Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee sind der Schlüssel für den weiteren Ausbau der Energieerzeugung aus Windkraft", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Im Bundesumweltministerium wurde eine Studie über Internationale Aktivitäten und Erfahrungen im Bereich der Offshore-Windenergienutzung erstellt. Längerfristig, das heißt in den kommenden dreißig Jahren, könnte der Anteil der Offshore-Stromerzeugung bis zu 15% des nationalen Energiebedarfs decken. Zusammen mit den Windrädern an Land würde dann ein Viertel des heutigen Strombedarfs klimaschonend aus Windkraft erzeugt. Allerdings sehen Prognosen für die Zukunft einen stark gesteigerten Energiebedarf voraus.

Die Kraftwerke auf hoher See könnten einen Ausweg bezüglich der Kontroversen um Umweltschutz, Lärmbelästigung und Landschaftverschandlung bieten, wenn sich die Windräder weit draußen über den Wellen drehen. Die Naturschützer diskutieren noch über die Implikationen. Um die Auswirkungen dieser Windkraftanlagen auf die marine Flora und Fauna zu ermitteln, wurde das Forschungsprojekt FINO mit eigener Forschungsplattform im Internet gestartet. (Andrea Naica-Loebell)

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