Wir behalten uns das Recht vor, klüger zu werden!

Simulation des Allen Telescope Array. Von den gewünschten 350 Schüsseln sind auf dem ATA-Areal bislang nur 42 aufgestellt. Bild: Berkeley/SETI

Ein Gespräch mit Jill Tarter, der Grande Dame der amerikanischen SETI-Wissenschaftler, die bald wieder nach außerirdischen Zivilisationen fahnden

Das 1984 gegründete und in Mountain View (Kalifornien) ansässige SETI Institut ist eine private Non-Profit-Organisation, die sich der wissenschaftlichen Forschung, Ausbildung und der Öffentlichkeitsarbeit widmet. Es beschäftigt zurzeit zirka 130 Wissenschaftler, Lehrer und weiteres Personal und wird von der gegenwärtigen Direktorin des Center for SETI Research, Jill Tarter, geleitet. Im April dieses Jahres fiel das wissenschaftliche US-SETI-Programm in das Haushaltsloch Kaliforniens. Doch dank der effektiven Crowdfunding-Aktion SETIStars werden die SETI-Forscher das abgeschaltete Allen Telescope Array (ATA) in knapp drei Wochen wieder hochfahren können. Trotz dieses kleinen Erfolges reist die mehrfach ausgezeichnete 67-jährige Radioastronomin - sie erhielt u.a. 2009 den TED Prize - weiterhin unermüdlich um den Globus, besucht wissenschaftliche Vorträge, Symposien sowie Kolloquien und hält öffentliche Vorträge, um die Menschen für SETI zu begeistern und zeitgleich auch Spendengelder einzutreiben.

Wie ist der aktuelle Stand im SETI Institut und am Allen Telescope Array?
Jill Tarter: Im April dieses Jahres mussten wir das Allen Telescope Array (ATA) in den Winterschlaf versetzen, weil unsere Partner von der Universität Berkeley nicht mehr länger unsere Operationen subventionieren konnten. Um unser Teleskop zu finanzieren, haben wir uns für einen neuen Weg entschieden: Crowdfunding. Auf diese Weise erhalten viele Menschen die Gelegenheit, unsere Suche gemeinsam zu unterstützen - auch solche, die über wenig Mittel, dafür aber über große Leidenschaft verfügen. SETIStars.org ist dafür angedacht, Geldspenden in jeglicher Höhe aufzufangen, damit das Teleskop endlich seinen Tiefschlaf beenden kann. Wir hoffen, bald wieder online zu sein. Danach werden wir verschiedene Kampagnen starten, um noch mehr finanzielle Mittel einzutreiben. SETI benötigt auch weiterhin kontinuierliche Unterstützung.
Wie viele Menschen in den USA interessieren sich überhaupt für die wissenschaftliche Arbeit von SETI?
Jill Tarter: Jetzt, da Exoplaneten in aller Munde und in den Medien sind, glaube ich, dass das Interesse an SETI möglicherweise größer geworden ist. Wir verstehen, dass da draußen wirklich andere interessante Welten sind.
Das Goldstone Radioteleskop in Südkalifornien ist Teil des NASA Deep Space Network und sammelt die von Kepler eingehenden Daten. Besagte Schüssel stand 1993 für eine SETI-Observation zur Verfügung. Bild: NASA
Derzeit sieht es danach aus, als hätten die Planetenjäger einige erdähnliche Planeten in bewohnbaren Zonen gefunden!
Jill Tarter: Die Experten sagen voraus, dass mindestens 10 bis 20 Prozent der von dem NASA-Weltraumteleskop Kepler entdeckten Exoplaneten sich als falsch-positiv erweisen. Damit ist der vorläufige Katalog der von Kepler aufgespürten potenziellen habitablen Welten überwiegend korrekt. Es ist noch eine Menge Arbeit zu bewältigen, da bewohnbare Welten im Kosmos zahlreich vorhanden sind. Es gibt noch viele Daten, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden. Wir glauben daher, dass es gute Gründe für die Annahme gibt, dass, wenn genügend bodengestützte Nachfolgebeobachtungen durchgeführt wurden, die meisten Kandidaten in der Tat verifiziert und bestätigt werden. Und es werden natürlich noch weitere Observationen folgen. Aber einen erdähnlichen Planeten um einen sonnenähnlichen Stern in einer Distanz von einer Astronomischen Einheit (AU) zu finden erfordert drei Transits und drei Jahre - das lässt sich momentan noch nicht bewerkstelligen.
Ist es nicht ein wenig paradox, dass das amerikanische SETI-Programm ungeachtet der Entdeckung der neuen Welten und erdgroßen Planeten ausgerechnet jetzt größere finanzielle Einschnitte hinnehmen und sein Observationsprogramm einstellen muss? Das ist schon ein wenig widersprüchlich.
Jill Tarter: Es ist außergewöhnlich frustrierend für uns.
Auf der anderen Seite müssten sie doch stark motiviert sein, ihre Arbeit vorzutreiben, weil sie wissen, dass im Universum erdähnliche Planeten in habitablen Zonen existieren …
Jill Tarter: Genau. Anfang dieses Jahres haben wir damit begonnen, einen Zeitplan über die Laufzeit unserer künftigen Beobachtungen zu erstellen. Ich gehöre zum wissenschaftlichen Team von Kepler und habe somit auch Zugang zu allen noch nicht veröffentlichten Daten. Seinerzeit stellten wir ein Zweijahresprogramm auf, um die Kepler-Planeten mit ATA zu studieren, worüber wir wirklich sehr begeistert waren. Im Januar 2011 begannen wir mit den Beobachtungen der Kepler-Planeten, die laut der Berechnungen in den habitablen Zonen ihrer Sonnensysteme liegen. Am 15. April mussten wir das Teleskop abschalten. Dieser Vorgang war für uns wahnsinnig frustrierend, es war genau das Falsche, was man zu diesem Zeitpunkt tun konnte. Derzeit sind wir wirklich sehr darauf erpicht, das ATA aus seinem Winterschlaf zu holen.
Künstlerportrait vom NASA-Planetenjäger Kepler. Bild: NASA
Sie fühlen sich wie in einer Zwickmühle.
Jill Tarter: Ja, das alles ist kein Spaß!
Wie viele Wissenschaftler arbeiten derzeit am SETI Institut?
Jill Tarter: Wir haben ungefähr 130 Mitarbeiter am SETI Institut, aber nur eine Handvoll davon arbeitet mit mir und ist direkt in SETI involviert. Die große Mehrheit meiner Kollegen kommt aus den Bereichen Astrobiologie, Bildung, Erziehung und Öffentlichkeitsarbeit.
Mussten sich alle Institutsangehörigen in den letzten Wochen selbst finanzieren?
Jill Tarter: Nein, nur fünf Wissenschaftler arbeiten direkt mit mir zusammen. Der Rest sind - wie gesagt - Astrobiologen und Experten für Bildung etc., die sich praktisch über Bewilligungsprogramme, Stipendien, Zuschüsse etc. selbst finanzieren. Das SETI Institut ist eine ungewöhnliche Institution. Es ist eine Heimat für Wissenschaftler, die ihre eigenen Forschungsgelder eintreiben und gleichwohl nicht lehren müssen, weil es hier kein Tenure gibt. In Mountain View haben wir viele Wissenschaftler, die leidenschaftlich gern forschen. Ich glaube nicht, dass es viele Institutionen dieser Art in Deutschland gibt.
Jill Tarter wurde 2004 von dem Magazin "Time" zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt erkoren. Bild: H. Zaun
Wo sehen Sie den größten Paradigmenwechsel auf Ihrem Gebiet?
Jill Tarter: Ich sehe zwei Paradigmenwechsel. Zuerst die Entdeckung der neuen Welten, über die ich bereits sprach. Seit 1995 wissen wir, dass sie existieren und nicht nur bloße Theorie sind. Und zweitens: Extremophile. Während meiner Karriere begegnete ich durchweg erstaunlichen neuen exotischen und sehr anpassungsfähigen mikrobiologischen irdischen Lebensformen, die selbst unter extremen Bedingungen zu überleben vermögen. Und zwar unter solchen, die sich keiner zuvor vorstellen konnte. Als ich noch Student war, lernte ich das kanonische Axiom, dass Leben Sonnenlicht braucht. Wenn es friert oder kocht, überlebt nichts. Aber was wir nunmehr alles so finden, übertrifft alle Erwartungen. Der letzte Extremophile, eine imposante Ausgeburt der Hölle, tauchte erst vor einigen Monaten auf. Es ist ein Millimeter groß und lebt tief im Innern der Erde - unter extrem hohen Temperaturen und Drücken.
Aber Extremophile sind gleichwohl nicht in der Lage, Radio- oder Lasersignale zu senden. Dafür ist bekanntlich eine höhere Entwicklungsstufe vonnöten.
Jill Tarter: (lacht) Ja, Mikroben können keine Transmitter bauen, eine Fähigkeit, die wir am Institut gegenwärtig als das entscheidende Merkmal von Intelligenz definieren. Aber es bedeutet zugleich, dass die Grundbedingungen da draußen, die das Vorkommen von bewohnbaren Lebensbereichen begünstigen, nicht so beschränkt sind wie wir dies einst gedacht haben. Der Punkt ist doch, dass im Zuge der Evolution auch aus extraterrestrischen Lebensformen, die in verschiedenen Milieus heranwuchsen, Technologien entstanden sind, die - wie wir - über Teleskope und Transmitter verfügen. Auch wenn wir biologisch verschieden sind, basieren deren Technik und Instrumente ebenso auf Physik.
Irdisches Alien. Ein "Extremophiler" … dank Elektronenmikroskop ganz groß, in Wahrheit aber kleiner als 1mm. Mehr zu diesem außerirdisch-irdischen Geschöpf, das extrem resistent ist, siehe hier. Bild: NASA
In der gegenwärtigen Diskussion über kosmologische Themen findet man immer mehr kreationistische Strömungen - wie etwa das Intelligent-Design-Konzept. Im August 2006 berichtete das angesehene Wissenschaftsmagazin "Science", dass nur 40 Prozent der amerikanischen Bevölkerung an das Konzept der Evolution glauben!
Jill Tarter: Ist das nicht fürchterlich? Die offensichtliche Zunahme an Pseudowissenschaften und der Glaube daran in unserem Land sind sehr beunruhigend. In der vorangegangen Administration hatten wir eine glaubensorientierte Wissenschaft. Es war schlichtweg absurd und alles andere als Wissenschaft. Für ein Land, das sich weiterentwickeln will, ist dieser Prozess sehr beängstigend.
Sie spielen auf Mr. George W. Bush an!
Jill Tarter: Ja, ganz gewiss meine ich ihn und seine ganze Administration. In der nahen und nicht allzu fernen Zukunft sehen wir uns großen Herausforderungen gegenüber und müssen eine Menge technologischer Probleme lösen, um das Überleben der menschlichen Spezies auf der Erde zu sichern. Wenn wir es zulassen, dass Wissenschaft zu Pseudowissenschaft verkommt und Entscheidungen auf der Grundlage von Unsinn getroffen werden, haben wir keine aussichtsreiche Zukunft vor uns. Wenn ich mit Menschen spreche, bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie viele von ihnen bereit sind, an absolut unsinnige Dinge zu glauben, nur weil es irgendjemand verzapft hat. Trotz aller überwältigenden wissenschaftlichen Fakten und überlegenden Methodik haben wir immer noch Leugner des Klimawandels und der Evolutionstheorie.
Und dogmatische Priester und Prediger, die über die Medien in den USA einen starken Einfluss haben …
Jill Tarter: Ja, das ist auch sehr alarmierend. Dies erweist sich als kein guter Weg für ein Land, um sich als intelligente Bevölkerung zu behaupten. Ob man es mag oder nicht - das Universum ist so wie es ist, unabhängig davon, was man für einen Glauben wählt.
Gravitationswellen sind Wellen in der Raumzeit, Erschütterungen der Raumzeit, die den Raum selbst minimal strecken und stauchen. Hochtechnisierte außerirdische Zivilisationen könnten die Wellen manipulieren und zu einer kodierten Botschaft modulieren. Bild: NASA
Was halten Sie von den relativ neuen astronomischen Observationsprogrammen, die nach Gravitationswellen und Neutrinos suchen?
Jill Tarter: Gravitationswellen und Neutrinos in der Astronomie halte ich für außerordentlich aufregend. Der entscheidende Punkt für mich ist jedoch, dass ich allein für SETI-Zwecke keine enorm teuren Gravitationswellen- und Neutrino-Detektoren wie LIGO, LISA und AMANDA bauen würde. Aber wenn diese einmal Gestalt angenommen haben, sollten wir auf jeden Fall die anfallenden Daten prüfen, ob darin irgendetwas versteckt ist, dass tatsächlich auf die Aktivität außerirdischer Astroingenieure oder fremde Radiosender hindeutet. Ja, inzwischen haben wir uns mit den AMANDA-Wissenschaftlern ausgetauscht. In einigen Fachaufsätzen wurden bereits einige konkrete Vorschläge betreffend diverser Neutrinos unterbreitet, die für das Austauschen von Botschaften interessant sein könnten.
Aber würde eine hochentwickelte kontaktfreudige Technologie nicht jede Chance ergreifen, um zu kommunizieren? Würden diese nicht das gesamte elektromagnetische Spektrum und darüber hinaus auch Gravitationswellen und Neutrinos nutzen. Müssen wir nicht ähnlich handeln?
Jill Tarter: Ja, wir müssen auch in dieser Hinsicht erwachsen werden. Wir müssen klüger werden. Wir, die Mitglieder der SETI-Gemeinschaft, sagen immer: ‚Wir behalten uns das Recht vor, klüger zu werden. ‘ Was gemacht werden muss, werden wir angehen und stetig besser machen. Und wenn wir Zugang zu anderen geeigneten technologischen Instrumenten haben, werden wir diese anwenden.
Bild: Harvard-Smithonian Center for Astrophysics
Was halten Sie von den Wissenschaftlern, die in das Active-SETI-Programm involviert sind - wie der russische Radioastronom Alexander Zaitsev?
Jill Tarter: Wir sind noch Kinder. Wir sind eine aufstrebende Technologie in einer sehr alten Galaxie. Wir wissen nicht, ob da draußen noch andere Technologien sind. Ich denke, dass wir uns die Asymmetrie der Lage einfach vor Augen halten sollten. Denn falls extraterrestrische Intelligenzen wirklich existieren, werden sie älter sein als wir. Und wenn diese älter sind, ist es statistisch höchst unwahrscheinlich, dass unser erster Kontakt zugleich auf ihr erster Kontakt ist. Sie haben dies mit Sicherheit zuvor schon mehrfach getan. Sie wissen wie es funktioniert. Als jüngstes Kind im Viertel sollten wir zunächst einmal nur hinhören und lernen. Erst wenn wir zu einer alten Zivilisation gereift sind, wenn wir unsere Bevölkerungsprobleme gelöst und unsere Technologie geschickt genutzt haben, um unsere Umwelt zu stabilisieren und wenn wir fleißig, aber erfolglos nach Anzeichen außerirdischer Intelligenz gesucht haben, sollten wir beginnen, zu senden. Danach können wir eine Diskussion in Gang setzen, die sich der nächsten Frage annimmt: Wer spricht für die Erde?
Senior-Astronom Seth Shostak vom SETI Institut im US-Fernsehen, was ziemlich oft der Fall ist. Bild: NASA
Ihr Team-Kollege Seth Shostak jedoch schrieb in seinem letzten Buch, dass wir den gesamten Inhalt des Word-Wide-Web ins All senden sollten.
Jill Tarter: Ich denke, dass man möglicherweise eine weitaus effektivere Nachricht kreieren könnte, sofern man weiß, was man sagen will. Was den Empfang eines Signals und die Frage angeht, ob wir antworten sollten, haben wir im SETI Institut stets den Standpunkt vertreten, dass wir uns solange nicht rühren sollten, bis ein globaler Konsens über die weitere Vorgehensweise besteht. Als ich hierüber einmal mit Freeman Dyson diskutierte, kicherte er nur und sagte: ‚Jill, das klingt so romantisch und prinzipientreu. Du weißt, dass - wenn Du jemals ankündigst, ein Signal aufgefangen zu haben und seine Herkunft und Natur beschreibst - jeder auf Erde, der einen Transmitter zwischen seine Finger bekommt, seine eigenen Nachrichten ins All funken wird. ‘ Und dann sah er mich an und sagte mit einem Augenzwinkern: ‚Eine große Kakophonie - würde dies im 21. Jahrhundert nicht die beste Beschreibung unseres Planeten sein, die wir senden können? ‘
Aufnahme des weißen Riesenohrs in Effelsberg vom letzten Jahr. Bild: MPIfR
Wussten Sie, dass 1977 zwei europäische Wissenschaftler mit dem deutschen Radioteleskop in Effelsberg eine zweistündige SETI-Observation durchführten?
Jill Tarter: Tatsächlich? Das wusste ich nicht. Ich war dort 1981 und schlug ein Experiment vor, das ich mit dem Mark I-Teleskop in Jodrell Bank in England durchführen wollte. Zu dieser Zeit waren laut Observationsplan einige Stunden frei am Teleskop. Nur einige Wissenschaftler nutzten die Schüssel. Zwischen deren Beobachtungsprogrammen waren mehrere Zeitfenster offen. Ich sagte: ‚Ich habe über den Himmel verteilt mehrere Zielsterne und würde daher gerne das Mark I nutzen, sofern keiner damit arbeitet. ‘ Zuerst wurde mein Vorschlag abgelehnt, aber der damalige Direktor des Max Planck Instituts für Radioastronomie (MPIfR, Peter Mezger, überzeugte das für das Zeitmanagement zuständige Komitee mit dem Statement: ‚Wollen Sie wirklich eine der größten Entdeckungen der Menschheit verpassen? ‘ (lacht) Und so boxte er meinen Antrag durch. Doch trotz seiner Erlaubnis konnte ich damals die Untersuchung nicht durchführen, weil das Mark I-Instrument nicht betriebsbereit war.
Warum sind europäische Radioastronomen mit Blick auf SETI so konservativ und skeptisch?
Jill Tarter: In Europa ist die Haltung zu SETI wirklich konservativer als in den USA. Als Seth Shostak in Groningen in den Niederlanden arbeitete und ich ihn während meines Sabbatjahres dort besuchte und auch eine Zeit lang vor Ort forschte, stellten wir einen Antrag auf Beobachtungszeit mit dem Westerbork Synthesis Radio Telescope (WSRT). Nach heftigem Gezänk gaben sie uns insgesamt vier Stunden. Vier Stunden, um auf das galaktische Zentrum zu schauen. Das ist fürwahr nicht unbedingt der Ort in der Milchstraße, den man als SETI-Forscher gerne belauscht. Ich bin froh, dass das LOFAR-Teleskop, das sich über den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und England erstreckt, gerade ein SETI-Programm gestartet hat, um potentielle Datenströme auf niedrigen Frequenzen zu belauschen, die von anderen technologisch orientierten Zivilisationen stammen könnten.
Das SKA in der Computersimulation. Man achte auf die Schüsselform bzw. Struktur, die der von ATA gleicht. Bild: SKA
Glauben Sie, dass SETI eines Tages das Square Kilometre Array (SKA) nutzen darf?
Jill Tarter: Ich bin in dem SKA-Projekt seit 1996 involviert. Vor einigen Wochen hatten wir ein Treffen mit dem US-SKA Konsortium, bei dem wir entschieden, uns aufzulösen, weil sich abzeichnete, dass die USA langfristig nicht in der Lage sein wird, die Vorplanung und den Bau des SKA in der nächsten Dekade weiterhin zu unterstützen. Ich bin sehr traurig, dass die Vereinigten Staaten aus dem gesamten Projekt ausgestiegen sind. Schließlich haben hieran viele von uns lange Zeit gearbeitet und auch die SKA-Technologie optimiert, die für den Bau der Komponenten für den mittleren und hohen Frequenzbereich nötig war. Schauen Sie sich doch einmal das Design der Schüsseln an! Sie sehen in der Tat ziemlich dem der ATA-Teleskope ähnlich. Wenigstens hier haben wir einen gewissen Einfluss geltend machen können.

Der Autor dieses Interviews dankt der Initiative Wissenschaftsjournalismus für ein themenbezogenes Recherche-Stipendium.

SETI sucht weiterhin nach Sponsoren: https://setistars.org/donations/new

(Harald Zaun)

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