"Wir werden Ressourcen auf dem Mond oder dem Mars entdecken, die unsere Vorstellungskraft übersteigen"

US-Präsident Bush hat seine Vision von der Wiederaufnahme der bemannten Raumfahrt verkündet, verschiebt die wirkliche Finanzierung aber sicherheitshalber auf die Zeit nach seiner möglichen zweiten Präsidentschaft

Vermutlich zwar einige Male bereits verschoben, aber trotzdem gut vorbereitet durch die in den Medien gestreuten Vorinformationen, hat US-Präsident Bush nun seine Vision für ein neues Weltraumprogramm vorgestellt. Vorgesehen ist zunächst eine Rückkehr amerikanischer Astronauten zum Mond, um dann eine bemannte Mission zum Mars vorzubereiten.

Bevor Bush seine Rede am Hauptquartier der Nasa begann, hatte sich ferne auf dem Mars etwas mit dem amerikanischen Roboter Spirit getan. Dieser war - im Unterschied zum europäischen Beagle - gut gelandet, aber hatte Schwierigkeiten, sich in Gang zu setzen, weil Airbags und Seile den Weg behinderten. Spirit wurde gedreht und bewegte sich erstmals auf dem Rover 25 Zentimeter nach hinten. Damit war für die Nasa am 10. Tag auf dem Mars (Sol 10) und am Tag der Bush-Rede der Startschuss für die erste Ausfahrt des Rovers gefallen. Drei Meter soll er zunächst einmal fahren, um alle sechs Räder auf den Marsboden zu bringen. Das weitere Erkundungsprogramm ist schon festgelegt worden.

Wir werden der Nasa ein neuen Schwerpunkt und eine neue Vision für die künftige Erforschung geben. Wir werden neue Raumschiffe bauen, um Menschen in den Weltraum zu bringen, um erneut den Mond zu betreten und um ums auf neue Reise zu Welten jenseits von der unseren vorzubereiten.

Bush hat mit seiner Ankündigung des Projekts und der bislang geglückten Mars-Mission - sicherlich nicht zufällig spielt die "Renewed Spirit of Discovery" genannte "Vision" auch auf den Rover an - auf den Rover anspielt auf jeden Fall die erwünschte Medienaufmerksamkeit erhalten. Begonnen wurde der Auftritt des US-Präsidenten mit einer Direktschaltung zu Michael Foale auf der Internationalen Raumstation. Die geplante Wiederaufnahme der bemannten Raumfahrt, die vor 30 Jahren abgebrochen wurde, lenkt von unerfreulichen Themen wie den Schwierigkeiten im Irak oder den Haushalts- und Wirtschaftsproblemen ab, obgleich zu letzteren der Schritt nicht weit ist, da Bush nicht zuletzt auch damit für die Raumfahrt wirbt, dass sie die technische Innovation und damit auch das Wirtschaftswachstums fördert und sich so "auf das Leben eines jeden Amerikaners" auswirkt. Zwar hätten die Amerikaner Weltraumfahrten unternommen, weil der "Wunsch zu erforschen und zu verstehen Teil unseres Charakters" ist, aber das hätte eben zu vielen direkt nützlichen Folgen von der Kommunikations- und Computertechnologie bis hin zur Robotik und Elektronik geführt.

Konkret weist Bush neben dem Netwzerk von Kommunikationssateliten und dem GPS-System auf "lebensverlängernde Technologien" wie bildgebende Verfahren in der Medizin hin, die alle auf die Raumfahrt zurück geführt werden könnten. Man könne auch sicher sein, dass neue bemannte Missionen auch zu vielen neuen, wenn auch heute noch unbekannten Durchbrüchen führen werden. Zudem schildert Bush schon den Mond als eine Art neues Amerika, als neues El Dorado:

Wir werden Ressourcen auf dem Mond oder dem Mars entdecken, die unsere Vorstellungskraft übersteigen, die die Grenzen unserer Träume austesten werden. Und die Faszination, die durch künftige Weltraumerforschung entstehen wird, wird unsere jungen Menschen dazu anregen, Mathematik, Wissenschaft und Ingenieurswissenschaft zu studieren und eine neue Generation an Erneuerern und Pionieren hervorbringen.

Bush verspricht allerdings, dass seine Vision zumindest in der nächsten Zukunft keine großen Gelder erfordern wird, sondern eine allmähliche, aber langfristige Neurorientierung der Nasa-Programme zum Ziel hat. Die Nasa werde trotz der großen Pläne weiterhin nur ein Budget von einem Prozent des gesamten Haushalts erhalten. Zudem soll sich die Nasa auch bis 2010 wie vorgesehen an der Internationalen Raumstation beteiligen. Dort würden dann auch neue Untersuchungen ausgeführt, um die Auswirkungen des Aufenthalts von Menschen im Weltraum besser zu verstehen und gesundheitliche Probleme zu lösen. Für diese Aufgaben wird das Shuttle wieder einsatzfähig gemacht.

Daneben soll aber bis 2008 ein neuartiges Raumfahrtgefährt entwickelt werden, das spätestens 2014 zur ersten bemannten Mission eingesetzt werden soll. Bis 2008 sollen auch mehrere Roboter den Mond erkunden. Ab 2015, spätestens aber bis 2020, so sieht es der US-Präsident, soll "Amerika" zum Mond zurückkehren, um ihn als Ausgangsbasis für weitere Missionen zu nutzen. Die Menschen sollen auf dem Mond für zunehmend längere Zeit leben und arbeiten, um neue Technologien zu entwickeln und die Bodenschätze des Mondes für weitere Missionen zu erschließen. Der Start vom Mond könne Geld sparen, weil man wegen der geringeren Gravitation andere Raumschiffe einsetzen kann.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 12 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung der Bush-Vision investiert werden, wobei 11 Milliarden von bereits vorgesehenen Geldern an die Nasa stammen würden. Die zusätzliche Milliarde soll ab dem Haushaltsjahr 2005 durch eine jährliche Aufstockung mit 200 Millionen zustande kommen. Zudem wird das Nasa-Budget von jetzt 15,4 Milliarden ab 2005 drei Jahre lang um 5 Prozent (770 Millionen) aufgestockt, die beiden übrigen Jahre nur noch um 1 Prozent oder weniger. Das würde also insgesamt mit der zusätzlichen Milliarde um die 5 Milliarden ergeben, also keine beeindruckende Zahl, wenn man die übrigen Ausgaben, beispielsweise für Rüstung, ansieht.

Um die Menschen erstmals auf den Mond zu bringen, hatte die Nasa 24 Milliarden investieren müssen, was heute etwa einem Wert von 100 Milliarden Dollar entsprechen würde. 1989 hatte die Nasa, als der Vater von Bush ein ähnliches Weltraumprogramm ankündigte, Kosten von 400 Milliarden für eine bemannte Mission zum Mars angeführt. Das hat die Idee gleich zu Fall gebracht, weswegen Bush seine Vision, was das Geld betrifft, lieber auf fünf Jahre beschränkt. Damit überlässt er die wirklichen Kosten sicherheitshalber seinen Nachfolgern, sollte er ein zweites Mal gewählt werden.

Michael Foale, der Kommandeur der Crew auf der Internationalen Raumstation, begrüßt US-Präsident Bush und Nasa-Chef Sean O'Keefe über eine Live-Schaltung

Obwohl Bush die Vision von neuen bemannten Missionen und Weltraumkolonien vornehmlich als nationales Projekt verkauft, bietet er anderen Ländern - wie beim Kriegsgang - eine Art "Koalition der Willigen" unter der Führung der USA an. Wer will, kann sich dem Unternehmen anschließen, das Bush betont als "Reise" und nicht als "Wettlauf" verstanden wissen will. Und Bush beendet seine Rede mit der Anspielung auf die Entdeckung Amerikas und mit der eigentümlichen Verquickung von Sehnsucht, Abenteurertum, Patriotismus und Geschäftssinn, die möglicherweise dem "amerikanischen Traum" eigen ist:

Die Menschheit wird in den Himmel aus denselben Gründen gezogen, wie wir einst in die unbekannten Länder und über das offene Meer gezogen wurden. Wir haben uns entschieden, den Weltraum zu erkunden, weil wir damit unser Leben verbessern und den nationalen Geist verstärken. Lasst uns also die Reise fortsetzen.

Nach einer kürzlich durchgeführten Umfrage scheint die Mehrheit der US-Bürger die notwendigen Mittel für bemannte Weltraumfahrten lieber für irdischere Projekte ausgeben und statt Menschen Roboter losschicken zu wollen: Verhaltene Aufnahme für das geplante Weltraumprogramm von Bush. (Florian Rötzer)

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