Wird an den falschen Orten nach extraterrestrischem Leben gesucht?

Jupitermond Europa. Bild: Nasa

Anlässlich der Eröffnung des UK Centre for Astrobiology weisen Wissenschaftler auf die Eismonde von Jupiter und Saturn hin

Gestern wurde das UK Centre for Astrobiology an der University of Edinburgh eröffnet. Das Center arbeitet mit dem NASA Astrobiology Institute zusammen und soll den Fragen nachgehen, wie das Leben entstanden ist, ob es im Universum noch Leben gibt und ob es die Möglichkeit gibt, dass Menschen außerhalb der Erde eine dauerhaften Ort zum Leben finden können. Es geht aber auch um sehr praktische Fragen, beispielsweise um die Ausbeutung von Ressourcen auf anderen Himmelskörpern oder um "extraterrestrische Freiheit". Man will auf einer Veranstaltung im Juni der Frage nachgehen, wie Demokratie oder Tyrannei im Weltraum beschaffen seien, wobei es wohl eher darum geht, wie unabhängig Weltraumkolonien sein sollen und wie man das mit dem Landbesitz bei der Kolonisierung machen soll.

Ein Highlight dürfte das angeschlossene Boulby International Subsurface Astrobiology Laboratory (BISAL) sein. Das Labor liegt 1,1 km unter dem Erdboden in einer Salzschicht und soll zur Erforschung von Leben unter extremen Bedingungen und zum Testen von Techniken zur Erkundung anderer Welten dienen. Das könnte auch für Marsmissionen interessant sein, da viele Astrobiologen annehmen, dass es auf dem Mars einmal Leben gegeben hat und dass Mikroorganismen weiterhin in Höhlen unter der Oberfläche existieren könnten. Natürlich interessiert díe meisten Menschen wohl aber zunächst, ob es irgendwo da draußen im Universum noch Leben gibt bzw. wo am ehesten und am nächsten nach Aliens gesucht werden könnte.

Jupitermond Ganymeda. Bild: Nasa

Professor Charles Cockrell, der das Zentrum leitet, verweist darauf, dass es bei der Astrobiologie nicht um Aliens geht, sondern vor allem um die Suche nach Mikroorganismen, die außerhalb der Erde leben. Bislang ist man noch nicht fündig geworden, weswegen Astrobiologie grundsätzlich die Frage zu lösen sucht, ob die Erde für biologisches Leben einzigartig ist.

Im Rahmen der Eröffnung wurde von Wissenschaftlern gefordert, die Suche nach Leben nicht nur auf den Mars zu beschränken, sondern auch auf die Eismonde von Jupiter und Saturn auszudehnen. So sagte Robert Pappalardo von der Nasa der BBC, dass die Erkundung der Eismonde des Jupiter im Rahmen der Europa-Mission zugunsten der Erkundung des Mars und anderer Projekte wie dem Einfangen eines Asteroiden verzögert werden könnte. Die Suche nach Leben im Sonnensystem über den Mars habe keine hohe Priorität, kritisierte er.

Die ESA will mit dem Jupiter Icy moons Explorer (JUICE) die drei Jupitermonde Ganymed, Callisto und Europa erkunden. Allerdings startet die Mission erst 2022 und wird 2030 an ihrem Ziel ankommen. Michelle Docherty vom Imperial College, verantwortlich für den Magnetometer im Satelliten, erklärte,es sei das Ziel der Mission zu erkunden, ob die Monde die Voraussetzungen für Leben besitzen.Dazu müsse es flüssiges Wasser, Wärme, Stabilität und organische Verbindungen geben. Das könnte es auf den Monden auch geben, aber man könne es nicht wissen, wenn man nicht hinfährt. (Florian Rötzer)

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