Wird der Mann mit der Geburt seiner Tochter zu einer Pussy?

Tom Wilt über Geschlechterdifferenzen, Körperhygiene, Erziehung und christliche Weltanschauung

Wie erzieht man kleine Jungs? Tom Wilt hat ein Erziehungsbuch geschrieben, das von Charlie Harper stammen könnte: "Charlies kleiner Erziehungsratgeber - Wie man sein Kind zum gepflegten Umgang mit Drogen, Nutten und Sex erzieht". Wer die Ratschläge beherzigt, kann aus einem süßen Sohn einen egoistischen kleinen Macho machen. Der aber glücklich sein - und angeblich auch Frauen glücklich machen - soll.

Kriegen Sie Fanpost von Frauen? Schließlich sagen Sie den Männern, dass sie sich waschen sollen, was ja nun bei manchen Männern echt ein Problem ist. 1
Tom Wilt: Ich hoffe natürlich, dass die Frauen dieses Buch auch schätzen: Das Problem ist ja, dass heutzutage nur noch diese weichgespülten Supersofties durch die Gegend laufen, die weder wissen, was sie wollen, noch sich entscheiden können, und die völlig hilflos sind, auch im Umgang mit Frauen. Und wenn man weiß, wie es geht - Frauen verlangen ja auch ein bisschen Führung ...
Hahaha!
Tom Wilt: Ich sagte: ein bisschen. In den entscheidenden Momenten sollte man präsent sein ...
... Was sind die entscheidenden Momente?
Tom Wilt: ... Äh ... das muss man spüren ...
… Jetzt will ich aber schon eine entschiedene Antwort!
Tom Wilt: Also, da gibt´s viele Momente ...
Zählen Sie drei auf!
Tom Wilt: Der Urzustand der Frau ist ja die Unzufriedenheit. Weil Frauen ja das Problem haben, dass sie sich immer stärker vergleichen. Mit allem, was sie umgibt. Und dieses Besser-Sein-Wollen, das führt natürlich auch zum Scheitern, weil dann doch wieder eine zehn Jahre Jüngere im kurzen Minirock vorbeistakst und sozusagen besser ist, und in dem Moment muss die Frau natürlich geführt werden, getröstet werden und da muss man da sein.
Ok, also der erste entscheidende Moment ist, wenn da eine Konkurrentin im Minirock vorbeistakst. Und der zweite?
Tom Wilt: George Clooney hat mal den schönen Satz gesagt: Wenn eine Frau weint, dann hat ein Mann zu ihr zu gehen und sie zu trösten, egal, wer oder was daran schuld ist. Und genau das ist richtig. Frauen haben getröstet zu werden! Und das ist unser Job. Frau zu sein, ist wahnsinnig anstrengend ...
… wem sagen Sie das ...
Tom Wilt: Wir Männer können einen Bierbauch haben, wir sitzen da, sind hässlich wie die Nacht und halten uns für die tollsten Typen ...
… ja, aber dann kriegen die ja gar keinen Sex mehr, diese Typen ...
Tom Wilt: Wer zahlt, kriegt alles ... Wenn die alten Jungs in ihren dicken Autos durch die Gegend fahren und daneben sitzen ihre jungen Frauen: Als Mann haben Sie mit den entsprechenden Finanzen immer Möglichkeiten
Immer?
Tom Wilt: Nicht so, dass das gleich unbedingt Frauen sind, bei denen man sagt: "Hurra!". Aber das geht schon ...
Also nicht gerade eine Christine Lagarde, die würde auf sowas nicht reinfallen ...
Tom Wilt: Wahrscheinlich nicht. Trotzdem: Ein Mann hat immer Möglichkeiten. Und, Gott, zur Not muss er sich eben unter die Dusche stellen.
OK, dann ist er für den nächsten entscheidenden Moment gewappnet, den ganz entscheidenden Moment ...
Tom Wilt: Ja, die Dusche ist überhaupt der beste Freund des Mannes! Da hat man Zeit für sich, ist hinterher sauber und wieder attraktiv für die Frauen.
Sie wissen ja, der Feminismus ... Haben Sie keine Angst, dass Frauen Ihr Buch lesen und in Zukunft für Ihresgleichen gewappnet sind? Dass Sie also niemand mehr ins Bett kriegen?
Tom Wilt: Natürlich nicht! Das Schöne ist ja, Frauen wollen das ja so.
Hmmmmmmmmmmm ...
Tom Wilt: Frauen wollen keine langweiligen Männer, sondern Männer, mit denen sie Spaß haben können und mit denen etwas Aufregendes passiert. Ich glaub, das ist da Ur-Übel unserer Zeit, dass keiner mehr Spaß haben darf, dass alle sich irgendwie gegenseitig verstehen, dass man auch keine Konflikte mehr austragen kann: Aber Beziehungen zwischen Männern und Frauen leben meiner Meinung nach auch von der Spannung. Das ist ja das, was es heutzutage einfach so langweilig macht. Alles muss immer so harmonisch sein.
Aber Sie schreiben ja auch über Töchter und ihre Väter. Und dass Väter ihre Töchter gegen andere Männer verteidigen. Wird der Mann mit der Geburt seiner Tochter zu einer Pussy?
Tom Wilt: Wenn ich eine Tochter hätte: sofort! Ich weiß ja auch, was Jungs wollen. Ich würde sie beschützen und dafür sorgen, dass sie nicht Gefahr läuft, an den Falschen zu geraten. Aber im Grunde genommen ist natürlich jeder Mann der Falsche.
Da sollte der Vater einer Tochter aber aufpassen, dass sie ihn nicht dafür bestraft, dass er sie zu sehr behütet!
Tom Wilt: Ich glaube daran, dass Kinder - egal, ob Junge oder Mädchen - ihre Eltern generell bestrafen. Irgendwann, als Erwachsene, werden sie sich über ihre eigenen Träume klar und merken: Meine Eltern haben mich dabei überhaupt nicht unterstützt. Aber vielleicht war den Eltern gar nicht klar, in welche Richtung das Kind wollte. Dafür wird man immer bestraft und das muss man aussitzen. Und hoffentlich eine andere Basis für ihre Beziehung haben, die dann haltbar und stabil ist. Liebe ist da nicht schlecht. Und sich entschuldigen können, hilft im Leben auch sehr oft weiter.
Und fürchten Sie nicht die Rache anderer Männer, wenn Sie die Tricks ausplaudern? Ich denke da zum Beispiel an Regel 109 in Ihrem Buch, mit Tipps für den Mann mit mehreren Geliebten. Tipp Nummer fünf lautet: "Den Namen der Frau, die dich besuchen kommt, auf die Handfläche schreiben." Und jetzt lesen das Buch alle Frauen und fangen erst mal an, die Handinnenfläche ihrer Lover zu checken, ob da ihr Name drin steht. Und wenn sie ihn finden, setzt es Prügel. Die Männer sind dann natürlich beleidigt … haben Sie keine Angst vor Rache?
Tom Wilt: Rache... ist ja dann auch wieder zusätzliche Spannung, die ja dann auch wieder mehr Spaß ins Leben bringt, und dann muss man sich halt was Neues einfallen lassen ...
… was machen Sie dann?
Tom Wilt: Was mach ich dann ... Das ist natürlich eine sehr gute Frage ...
Schon mal Kampfsport probiert?
Tom Wilt: Nee, Kampfsport nicht ... Ich sag's mal so: Als Mann kann man sich immer freikaufen: Einen Diamantring in der Tasche haben - das hilft aus sehr vielen gefährlichen Lebenssituationen! Vor allem aus solchen, in die Frauen mit verwickelt sind.
Das ist klar, aber da geht es Ihnen um die Frauen. Ich frage mich nur: Wenn alle Frauen wissen, was die Männer machen und dann vielleicht doch ein bisschen beleidigt sind: Haben Sie keine Angst, dass die Männer wütend sind, weil Sie die Tricks öffentlich gemacht haben, so dass auch die Frauen diese Tricks lernen können und sich zu wehren wissen und nur noch einen Brillantring wollen, ohne Sex zu geben ... kann ja auch passieren!
Tom Wilt: Das wäre fatal! Auch die Frauen müssen sich natürlich ein Stück weit an die Regeln halten. Diamantring schenken und keinen Sex mehr bekommen - das wäre eine wirkliche Eskalation im Geschlechterkampf. Deswegen handelt diese Buch ja auch von Prostituierten: Da haben Sie all diese Probleme nicht. Und in dem Moment, in dem das mit den Frauen vielleicht zu anstrengend wird, muss man sich da vielleicht hin und wieder eine "Pause" mit dem Escort-Service seines Vertrauens gönnen.
Haben Sie das in der Realität mal gemacht?
Tom Wilt: Nee ...
Na! Sind Sie etwa auch ein weich gespülter Mann?
Tom Wilt: Also ich gehöre natürlich zu den Löwen, die bisher noch immer in der Lage waren, sich ihre Antilopen ...
... ach so ...
Tom Wilt: … in der Regel selbst zu schlagen ... Ich hab drei Jungs gezeugt, ich bitte Sie!
Und alle mit derselben Frau?
Tom Wilt: Ja! Privat bin ich natürlich leidenschaftlich monogam!
Hmmmmm ...
Tom Wilt: Aber auch das ist harte Arbeit.
Warum?
Tom Wilt: Monogamie bedeutet Verzicht. Verzicht ist anstrengend. Aber ich hab auch nichts gegen Leute, die wirklich offene Beziehungen leben und sich da austoben. Ich finde, da sollte man den Leuten ihr Glück immer selber überlassen. Heutzutage werden aber so viele Dinge verboten. Das Rauchen zum Beispiel. Und ich würde schon gerne mal wissen, was sie früher mit einem Brauereimeister gemacht hätten, der auf die Idee gekommen wäre, Bier ohne Alkohol zu produzieren. Wegen der Gesundheit.
Diese ganzen Verbote sind ja auch der Grund, warum jemand wie Charlie Harper so zum Vorbild werden konnte: Weil der sich eben nicht fragt: "Ist das erlaubt?", sondern er macht's erst mal. Und wenn es ein Fehler war, muss man sich dafür entschuldigen. Aber man muss den Mut haben, auch zu scheitern. Das ist ganz wichtig! Wenn man eine Frau anspricht, dann kann es passieren, dass sie "Nein" sagt. Diesen Mut muss man haben und nicht denken, dass man jetzt zu doof oder zu schlecht ist ... Aber dieses Selbstvertrauen bringen immer mehr Männer ja nicht mehr mit.
Die Männer werden zu Frauen?
Tom Wilt: Das ist eine gute Frage, zu was die Männer werden. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, aber ich höre Gott sei Dank nur die Klage meiner Frau, die immer wieder sagt, dass da draußen so wahnsinnig wenig wirkliche Männer herumlaufen. Das freut mich privat natürlich, weil ich mich dann nicht immer so anstrengen muss. Aber für die Jungs da draußen tut es mir natürlich auch ein bisschen leid. Das ist traurig zu sehen: Die werden dick, die werden schlaff, die werden so: "ähhh", "hm", die haben keinen Spaß mehr. Vielleicht hilft das Buch ja ein bisschen, dass da mehr Jungs in die Freiheit entlassen werden. Zumindest, bis sie sich für die Sklaverei der Ehe entscheiden, weil sie vor der jüngeren Konkurrenz das Feld räumen müssen ...
Es sei denn, der Mann wird reich, dann kann er weiter viele junge Frauen haben - oder habe ich Sie da falsch verstanden?
Tom Wilt: Ja, reich werden hilft im Leben extrem weiter. Man kann ohne Geld glücklich sein, aber man kann mit Geld noch glücklicher sein. Das ist definitiv so.
Sind Sie reich?
Tom Wilt: Ich habe genug.
Sind Sie glücklich?
Tom Wilt: Sehr. Es ist alles dufte. Ich gehöre, glaub ich, zu den wenigen ... Und selbst, wenn es nicht so wäre. Ich würde nicht jammern, sondern wieder ein bisschen mehr Gas geben, um das zu ändern. Daher: Ich bin extrem glücklich: Ich lebe in einer tollen Stadt, die Kinder sind gesund, meine Frau ist noch da ...
… wer weiß ... vielleicht merken Sie es bloß nicht ...
Tom Wilt: Äh, ja, nee, also ...
Trägt sie plötzlich Diamantringe unbekannter Herkunft?
Tom Wilt: Das Schlimme ist: Ich habe ihr Schmuck geschenkt, dafür obszön viel Geld ausgegeben, und der liegt da jetzt immer in so einem Kästchen rum und verstaubt. Darum habe ich das aufgegeben.
Och!
Tom Wilt: Es gibt anscheinend auch Frauen, bei denen das nicht so funktioniert.
Und ausgerechnet so eine haben Sie erwischt! Das ist natürlich gut für Ihr Portemonnaie ...
Tom Wilt: Ja. Aber ich hätte ja kein Problem damit gehabt … Außerdem: Statt Schmuck sind es dann halt Schuhe. Oder Handtaschen. Irgendein teures Hobby hat jede Frau. Da kommt man nicht davon. Aber das ist ok.
OK?
Tom Wilt: Ich finde, das muss man akzeptieren. Wer rumjammert: "Meine Freundin gibt zu viel Geld für Schuhe aus", der sollte nachdenken, wie er mehr Geld verdienen kann! Es ist Verschwendung von Ressourcen, sich darüber aufzuregen, dass Frauen zu viel Geld ausgeben.
Eine Abschlussfrage noch: Wenn man beim Buchversender Weltbild.de in die Suchmaske "Erziehungsratgeber" eingibt, listet er 17 Titel. Ihrer steht an erster Stelle. Weltbild ist eine katholische Verlagsgruppe, Grundpfeiler der Unternehmenskultur ist nach eigenen Angaben, die "christliche Weltanschauung mit den Erfordernissen des Marktes überzeugend in Einklang zu bringen". Stehen Sie mit Ihrem Buch für die christliche Weltanschauung?
Tom Wilt: Wenn man sich die Katholiken und ihre Geschichte so anschaut: Die lassen es ja immer gern am meisten krachen. Also deswegen: absolute Zielgruppe! Ich freue mich, dass die Katholiken wieder am Schlauesten sind und wissen, welche Bücher gut sind und welche nicht. (Ulrike Heitmüller)
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