Wird sich der radikale Islam in Europa in Zukunft noch verstärken?

Nach Donald Trump wird alles noch schlechter, ein Islamismus-Experte versucht sich an einer pessimistischen Vorhersage der weiteren Entwicklung in Europa

Kürzlich teilte der künftige US-Präsident Donald Trump der geneigten Öffentlichkeit über seinen Twitter-Account seine Einschätzung über die Lage der Dinge nach den Anschlägen in Istanbul und Berlin mit. Weil er sich Twitter bedingt kurz halten muss, sind große Erklärungen auch nicht notwendig. Trump konstatierte, dass alles schlechter werde und die "zivilisierte Welt ihr Denken verändern" müsse.

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In welche Richtung dies geschehen soll, ließ er im Dunklen, greift man auf Äußerungen während des Wahlkampfs zurück, dann dürfte dies bedeuten: strikte Abriegelung des Landes, so dass keine unerwünschten Menschen mehr hereinkommen können, wobei möglichst keine Muslime mehr eingelassen werden sollen, zumal wenn sie aus Konfliktgebieten stammen. Zur Terrorbekämpfung und für das wieder große Amerika soll das Militär verstärkt werden, um die Interessen und die Sicherheit der USA zu schützen. Von Nation Building und Regime Chance hält Trump nichts, ist aber für "harte militärische Operationen", die den Islamischen Staat zerstören bzw. den "radikalen Islam" beseitigen.

Dass es schlechter wird, ist die Meinung auf der rechten Seite sowieso, wo der Antisemitismus zum Antiislamismus verkehrt wurde, sofern ersterer nicht auch noch vorhanden ist. Die Verteidiger der identitären Kultur, wie man die neue völkische oder nationalistische Bewegung auch nennen könnte, benötigen schließlich auch das Schreckbild der wieder einmal untergehenden Kultur oder der Bedrohung des Abendlandes, zuvor war das mal der Kommunismus, die Russen oder die Chinesen. Jetzt glauben Teile, dass Politik und Industrie die Bevölkerung austauschen wollen oder dass auch vor Gewalt fliehende Muslime den Kolonisateuren entsprechen, die einst von Europa mit roher Gewalt Länder unterjocht haben.

Schaut man auf die Regierungspolitik, so scheint hier auch unter dem Druck der Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus, den man allerdings durch militärische Interventionen, Regime Change und Unterstützung autoritärer Systeme mit genährt hat und dies weiterhin macht, und dem Druck der Straße geneigt zu sein, präventiv gegenüber einer wachsenden Terrorgefahr aufzutreten, die Überwachung und Kontrolle durch immer neue Sicherheitspakete zu stärken und Europa sowie das eigene Land zu einer Festung ausbauen zu wollen.

Und dann gibt es noch die mit der terroristischen Bedrohung wachsende Schar an Terrorismus- und Islamismus-Experten, zu deren Geschäftsgrundlage es eigentlich gehört, vor dem Terrorismus zu warnen. Gerade hat ein norwegischer Experte, Thomas Hegghammer, der Direktor für Terrorismusforschung am Norwegian Defence Research Establishment (FFI) und Politikwissenschaftler an der Universität Oslo es gewagt, eine Zehnjahresvorhersage über den Dschihadismus in Europa zu liefern. Und er geht davon aus, dass es vermutlich noch schlimmer werden könnte, wenn sich nichts grundsätzlich verändert, womit er in gewisser Weise mit Trump übereinstimmt.

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