Wohin mit den systematischen Folterern?

Screenshot Video The Telegraph, YouTube

Ausländische IS-Kämpfer: Zwei britische Peiniger, die zum Quartett um Jihadi John gehörten, sind Gefangene der SDF in Syrien. In der US-Regierung denkt man darüber nach, IS-Milizen nach Guantanamo zu bringen

Die zwei ausländischen IS-Kämpfer Alexanda Kotey und El Shafee Elsheikh gehören nach den Schilderungen des französischen Journalisten Didier François (Libération, Europe 1) zu den schlimmsten Peinigern, denen er in seiner Gefangenschaft bei den Dschihadisten des IS begegnet ist. Sie dauerte 10 Monate lang, von Juni 2013 bis April 2014. In Erinnerung blieb ihm, dass vier britische IS-Fanatiker besonders sadistisch waren:

Das waren unseren brutalsten Bewacher, Gefolgsleute einer systematischen Folter mit einer ausgeprägten Neigung für Techniken, die Ertrinken oder Ersticken simulieren. Sie waren aber auch Anhänger von simulierten Hinrichtungen oder Kreuzigungen. Sobald sie eine Zelle betraten, hagelt es Schläge. Sie schlugen sehr hart zu und da sie dies mochten, konnte das sehr lange dauern.

Didier François

Die Sadisten mit dem britischen Akzent wurden "Beatles" genannt, wie man in den Berichten erfährt, die sich damit beschäftigen, wie es mit Alexanda Kotey und El Shafee Elsheikh weiter gehen soll. Die beiden anderen IS-Beatles heißen Aine Davis und Mohammed Emwazi, der als "Jihadi John" weltweit eine Berühmtheit über Hinrichtungsvideos von ausländischen Geiseln erlangte, deren Gefangennahme wie im Fall James Foley, David Haines, Peter Kassig oder Steven Sotloff durch die internationalen Medien gegangen waren.

Jihadi John wurde laut Berichten im November 2015 von einer US-Drohne getötet, Aine Davis soll sich in türkischer Gefangenschaft befinden.

Die beiden IS-Sadisten, die eingangs genannt wurden, Alexanda Kotey und El Shafee Elsheikh, gehören zu den Hunderten gefangenen IS-Milizen in den Händen der syrischen Kurden, die den Europäern ein paar schwierige Fragen stellen.

Im Fall Kotey und Elsheikh sind anscheinend auch die USA verwickelt. Laut New York Times, die am Donnerstag, den 8. Februar, davon berichtete, dass sich die beiden in Gewahrsam der SDF in Syrien befinden, wäre es auch denkbar, dass die zwei IS-Fanatiker nach Guantanmo kommen.

Kotey und Elsheikh sind keine britischen Staatsbürger mehr, wie die New York Times und französische Medien berichten. 100 Prozent verlässlich sei diese Information aber nicht, sie gehe zurück auf einen Bericht der Londoner Times vom Juli letzten Jahres, wonach 150 Dschihadisten die britische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, darunter auch den beiden genannten. Offiziell bestätigt ist dies aber nicht.

Ist dem aber so, so muss sich Großbritannien in 150 Fällen gar nicht die Fragen stellen, die in Frankreich diskutiert werden. Dort lautet der Kurs der Regierung gegenüber den französischen IS-Kämpfern in Gewahrsam der Kurden in Nordsyrien zwar "nicht einmischen", die Gefangenen dort, weit weg von Frankreich, aburteilen lassen, eingreifen nur, wenn die Todesstrafe ausgesprochen wird.

Aber es gibt auch Gegenstimmen, wie in Le Monde Mitte der Woche nachzulesen war. Dort wurde vom gegenwärtigen Stand der Diskussion berichtet und dabei fielen auch Argumente, wonach es angesichts der wenig berechenbaren Situation in Syrien und der Korruption ("Man hat schon von Gefangenen gehört, die gegen ein Lösegeld von 30.000 Dollar befreit wurden") möglich sein könnte, dass die gefangenen IS-Kämpfer unerwünschterweise freikommen könnten.

Allerdings wird auch erwähnt, dass es bei Prozessen in Europa zu Freisprüchen kommen könnte, da man eventuell gar nicht die Beweise heranschaffen kann, die "europäischen Maßstäben" genügen, um IS-Kämpfer für sehr lange Zeit hinter Schloss und Riegel zu setzen. Hinzugefügt wird, dass selbst der langjährige Gefängnisaufenthalt seine bekannten Risiken hat, da die Dschihadisten andere radikalisieren könnten, eine Erfahrung, die man in Haftanstalten bereits oft genug gemacht hat.

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