Wohnungsnot: Jeder vierte Amerikaner steht unter Druck wegen Wohnkosten

Bild: F.R.

In Deutschland werden noch viel zu wenige Wohnungen gebaut, 80 Prozent der Amerikaner fordern mehr staatliche Unterstützung für den Bau erschwinglicher Wohnungen

2015 wurden in Deutschland wieder mit 274.724 mehr Wohnungen hergestellt als im Vorjahr. Nach dem Statistischen Bundesamt waren es aber nur 2400 oder 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Das reicht bei weitem nicht, um den geschätzten Bedarf abzudecken, der auch schon vor den hohen Flüchtlingszahlen vor allem an Wohnungen in Städten mit für eine breite Schicht bezahlbaren Wohnraum bestand.

Allerdings betrifft die Steigerung nicht nur neu erbaute Wohngebäude, sondern Wohn- und Nichtwohngebäude sowie Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, wie das Statistische Bundesamt selbst ausweist. Bei neu errichteten Wohngebäuden gab es praktisch keine Veränderung. 2015 wurden 216.729 gebaut, das sind 609 oder 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg bei den Neubauten verdankt sich Wohngebäuden, die 3 und mehr Wohnungen besitzen. Mit fast 60.000 Eigentumswohnungen, ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber 2014, ist mindestens ein Viertel wohl kaum als günstiger Wohnraum zu bezeichnen. Auffällig ist auch, dass die Wohnfläche in einer anderen Statistik für 2015 bei den Baumaßnahmen geschrumpft ist, während sie bis 2014 angestiegen ist. Das ist auch bei den Neubauten so. Nach dieser Statistik wären 2015 mit 220.199 neu gebauten Wohnungen geringfügig weniger als 2014 mit 220.293 gebaut worden. Das ist aber deutlich mehr als die Jahre vor 2014.

Wie auch immer, die Zahl der neugebauten Wohnungen liegt weit unter dem geschätzten Bedarf von 300.000-400.000 jährlich. Bundesbauministerin Barbara Hendricks erklärte, es seien jährlich mindestens 350.000 neue Wohnungen erforderlich, darunter bis zu 80.000 Sozialwohnungen.

Ebenfalls nach Destatis sagen 17 % der in Deutschland lebenden Personen, dass sie durch die monatlichen Wohnkosten wirtschaftlich stark belastet seien, bei den von Armut Betroffenen sind es 29 %: "Der Anteil am verfügbaren Haushaltsnetto­Einkommen, den Menschen für Wohnkosten aufwenden mussten, lag 2014 bei durchschnittlich 27 %, bei armutsgefährdeten Personen sogar bei 52 %. Am stärksten betroffen waren armuts­gefährdete Alleinlebende (60 %) sowie armuts­gefährdete Menschen in Haushalten von Allein­erziehenden (49 %)."

Nicht nur die Deutschen sind steigenden Wohnkosten ausgesetzt, das ist auch so in den USA, wo der wirtschaftliche Boom auch in den Großstädten stattfindet und die Mieten und Immobilienpreise hier besonders anziehen. Nach einer repräsentativen Ipsos-Umfrage mit einer Fehlerspanne von 3,5 Prozent sagen hier 21 Prozent, sie hätten während der letzten 12 Monate ihre Miete oder ihre Hypothekenzahlungen nicht zahlen können. 40 Prozent mussten andere Ausgaben reduzieren. Gespart wird vor allem beim Einkauf von Lebensmitteln (57%), Kleidung (54%) und/oder Haushaltsprodukten.

33 Prozent sagen, sie könnten wegen der Kosten nicht näher bei ihrer Arbeitsstelle wohnen, 25 Prozent hätten wegen der Wohnkosten in den letzten 5 Jahren umziehen müssen, 32 Prozent haben Sorge demnächst wegen der Kosten vielleicht ausziehen zu müssen. Neben steigenden Kosten ist auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt an der Situation schuld. 18 Prozent gaben an, seit 2008 ihren Arbeitsplatz verloren zu haben, 6 Prozent erhalten weniger Lohn im selben Job, 9 Prozent mussten einen geringer bezahlten Job annehmen, 4 Prozent konnten ihren Immobilienkredit nicht mehr bezahlen.

Die Forderung, dass die Kommunen erschwinglichen Wohnraum erhalten und schaffen sollen, ist daher groß. 85 Prozent sind dieser Meinung. 81 Prozent fordern Staat und Kommunen auf, mehr dafür zu tun, dass erschwingliche Wohnungen für Geringverdiener gebaut werden, 77 Prozent fordern den Bau von Häusern, die sich Familien leisten können.

Allerdings sprechen sich dann, wenn es um die Finanzierung geht, nur noch 65 Prozent dafür aus, dass für Neubauten eine Steuer gezahlt werden soll, um den Bau von Wohnungen für Geringverdiener zu unterstützen. Aber das sind auch noch Zweidrittel. Man kann daran sehen, dass die USA sich wirtschaftlich noch keineswegs erholt haben, dass die Schere zwischen Arm und Reich aufgeht und die Unterstützung von staatlichen Eingriffen in den Markt wächst. (Florian Rötzer)

Anzeige