Work-Clouds in der komitativen Sphäre

Entwicklungsländer holen auf, in den alten Industrieländern wächst die Angst vor dem Crowdsourcing

Die komitative Sphäre ist global und es stellt sich die Frage, wie sich durch die Auflösung der Beziehung zwischen Ort und Information zum Beispiel die (Arbeits)Beziehungen zwischen Erster und Dritter Welt sich in Zukunft gestalten. Profitieren Entwicklungs- und Schwellenländer von globaler Kommunikation und dann auch von der Auslagerung von Jobs in die virtuelle Sphäre?

Hier ist zunächst der Hinweis auf den noch immer existierenden "digital gap", den digitalen Graben zwischen dem Norden und dem Süden, notwendig. Im Juni 2012 gab es etwa 2,4 Milliarden Internetnutzer. Davon leben 44,8 Prozent in Asien, das damit Nordamerika (11,4%) und Europa (21,5%) überholt hat, die bis vor wenigen Jahren noch an der Spitze lagen. In Lateinamerika leben 10,4 Prozent der weltweiten Internetnutzer, in Afrika 7 Prozent, im Nahen Osten 3,7 Prozent und in Ozeanien/Australia 1 Prozent. Afrika hat zwar in den letzten Jahren deutlich aufgeholt, aber angesichts der Bevölkerungsgröße von mehr als einer Milliarde ist die Zahl der Internetnutzer 2012 mit etwa 170 Millionen noch sehr gering, im Jahr 2000 waren es erst 4,5 Millionen. 15,6 Prozent der Afrikaner haben nun einen Internetzugang. Damit bleibt Afrika mit Abstand am Ende, in Nordamerika sind es 80 Prozent, in Europa 63 Prozent. In Afrika mangelt es nicht nur an technologischer IT-Infrastruktur, sondern an so grundlegenden Ressourcen wie einer beständigen Versorgung mit elektrischem Strom. Hinzu kommen unstabile politische Verhältnisse und nicht selten Bürgerkriege und Unruhen.

Doch auch in Afrika ändert sich die Situation und der Kontinent ist dabei, es aufstrebenden IT-Regionen wie Indien nachzutun. Zum Beispiel in Kingali, der Hauptstadt des früher vom Bürgerkrieg verwüsteten Ruanda in Ostafrika. Dort wird derzeit das Projekt eines flächendeckenden kabellosen Breitbandanschlusses realisiert. Unter dem Namen "Kigali Metropolitan Network" werden unter Anleitung der Südkoreanischen Telekom 6000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, das asiatische Land gilt wegen seines Aufstiegs von der Agrar- zur Industrienation als Vorbild. 700 Institutionen, darunter Schulen, Hospitäler und Regierungsstellen sind über das Kabel an den Breitbandzugang angeschlossen, der wireless access in der Stadt soll auch in Bewegung, etwa beim Autofahren, zugänglich sein. Demnächst soll mit einer Verkabelung des ganzen Landes begonnen werden. Auch das Nachbarland Ruanda ist keine IT-freie Zone mehr. Rund 6.000 junge Menschen studieren an der Makarere-Universität in der Hauptstadt Kampala, der afrikanischen Kaderschmiede für den IT-Nachwuchs.

So werden in Zukunft auch in der sogenannten Dritten Welt sich vor allem städtische Zonen entwickeln, die hinsichtlich Infrastruktur ein Arbeiten in der virtuellen Sphäre - auch für Arbeitgeber in der Ersten Welt - ermöglichen. Allerdings reichen technische Voraussetzungen alleine nicht aus, es bedarf auch der entsprechenden Bildung, der kulturellen Kompetenz und regionaler Antworten auf regionale Probleme, wie Eduardo Villanueva, Professor für Kommunikationswissenschaft in Peru und Berater für den Einsatz von ITK-Technologien in der Entwicklungszusammenarbeit betont.

Deutliche Unterschiede zwischen den entwickelten Ländern und den Entwicklungsländern gibt es bei der Einschätzung von Arbeitnehmern hinsichtlich ihrer künftigen Chancen bei Anwendung von IT-Anwendungen wie Crowdsourcing. So sind 83 Prozent der Mexikaner und 76 Prozent der Brasilianer der Meinung, dass die künftigen beruflichen Änderungen durch das Internet für sie eine gute Sache sein werden. In Großbritannien glauben das hingegen nur 43 Prozent und in den USA nur 46 Prozent der Arbeitnehmer, so die Ergebnisse der Zukunfts-Studie "Evolving Workforce" der beiden IT-Unternehmen Dell und Intel. In den Entwicklungsländern werden die Möglichkeiten der Zukunft der Arbeit also eher als Chance gesehen, in den entwickelten Ländern hingegen auch als Bedrohung.

Die Studie gibt auch Auskunft über die Einschätzungen in verschiedenen Branchen der entwickelten Länder. Negative Auswirkungen durch IT-Anwendungen wie etwa Cloudsourcing befürchten demnach eher die Mitarbeiter in der Luftfahrtindustrie (42 Prozent) und bei Telekommunikationsunternehmen (40 Prozent), als etwa die Mitarbeiter der Streitkräfte (13 Prozent) und im privaten Gesundheitssektor (18 Prozent). Subjektiv mehr bedroht fühlen sich in den entwickelten Ländern auch die Mitarbeiter von Großunternehmen (35 Prozent) als die von kleinen und mittleren Betrieben (25 Prozent).

Auf nationaler Ebene zeigt sich, dass die Arbeitnehmer in Großbritannien mit 31 Prozent mehr um ihren Arbeitsplatz fürchten als in den USA mit 22 Prozent. In Deutschland glaubt jeder Vierte oder 26 Prozent, dass seine Stelle durch Outsourcing bedroht ist. Interessanterweise gilt das auch für ein Land wie China, dort fürchten aufgrund des steigenden Lohnniveaus 29 Prozent um ihren Job.

Teil 2 thematisiert die Auflösung der Bindung zwischen Ort und Information: Mobiler Laptop statt fester Schreibtisch - Die Arbeit der Zukunft wird geprägt durch die zunehmende Verlagerung des Büros in die virtuelle Sphäre.

(Rudolf Stumberger)