Wurden die US-Zerstörer gehackt?

Der Zerstörer USS John S. McCain nach der Kollision mit dem Öltanker. Bislang wurde ein Soldat tot geborgen, neun weitere werden vermisst. Bild: US Navy

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, heißt es aus der Navy, unmöglich wäre es nicht - und dann ein höchst problematischer Präzedenzfall

Im asiatischen Raum gab es dieses Jahr bereits vier Pannen oder Unfälle von Kriegsschiffen. Am schlimmsten waren die zwei Zusammenstöße von US-Zerstörern mit großen Lastschiffen, bei denen große Schäden an den Kriegsschiffen entstanden und mehrere Soldaten starben. Großes Rätsel ist, warum die mit Hightech ausgestatteten Zerstörer mitsamt deren Wachmannschaft die großen Lastschiffe, ein Containerschiff und einen Öltanker, nicht bemerkten.

Die Navy hat inzwischen mehrere Offiziere in den Ruhestand versetzt, zuletzt selbst den Vizeadmiral Joseph Aucoin, den Kommandeur der 7. Flotte, dem man nicht mehr zutraute, die Flotte zu führen. Bislang hat man den Soldaten Nachlässigkeit und mangelnde Seefahrkenntnisse vorgeworfen, untersucht worden sei aber auch, ob nicht Radar- oder Navigationssysteme der Zerstörer gehackt oder gestört worden sein könnten. Schließlich kocht nicht nur der Konflikt mit Nordkorea hoch, sondern auch der mit China. Daher lag bzw. liegt die Vermutung nahe.

Admiral John Richardson hatte in einem Tweet am Montag zumindest erklärt, dass es keine Hinweise auf einen Cyberangriff oder Manipulationen gebe, man werde dies aber prüfen. Am Dienstag hat das Pentagon überdies einen Stopp aller Operationen weltweit angeordnet, um Mannschaft und Schiffe zu schützen und dem Grund der Vorfälle nachzugehen (Nach erneuter Kollision legt die US Navy eine ).

GPS-Systeme lassen sich relativ leicht stören, allerdings soll die Navy stark verschlüsselte Systeme nutzen, die kaum manipuliert oder gejammt werden können. Nach dem GPS-Experten Todd Humphreys von der University of Texas in Austin, so berichtet USA Today, sei die einzige Möglichkeit, die Systeme zu manipulieren, die Aufzeichnung der verschlüsselten GPS-Daten, die vom Satelliten zum Kriegsschiff gesendet werden, um sie dann später noch einmal zu schicken. So könnten die Systeme und die Mannschaften beeinflusst werden, an einem anderen Ort zu sein als an dem, an dem sich das Schiff befindet. Das sei aber schwierig und kompliziert, weil die Daten wegen der vielen Antennen von mehr als einem Ort gesendet werden müssten, beispielsweise von mehreren Drohnen. Humphreys hatte aber schon selbst zeigen können, wie man eine Yacht auf diese Weise dazu bringen 'kann, vom Kurs abzuweichen, ohne dass Geräte und Mannschaft dies bemerken.

Möglich sei beispielsweise, die unverschlüsselten Navigationsdaten für das GPS-System des Lastschiffes zu manipulieren - das Containerschiff soll beim Unfall auf Autopilot gefahren sein -, während gleichzeitig das Kriegsschiff gejammt wird. Oder man manipuliert nur den Kurs des Lastschiffes, was aber offen ließe, warum von den Zerstörern aus die Kursänderung nicht registriert wurde.

Vermutungen gehen dahin, dass die Marinesoldaten schlicht übermüdet und überfordert gewesen könnten. Die Beobachter, die im Wechsel der Schichten etwa 5 Stunden auf der Brücke sind, dann 10 Stunden Freizeit haben, um wieder 5 Stunden am Tag oder in der Nacht Ausschau zu halten, was hohe Konzentration bei gleichzeitiger Langeweile bedeutet, könnten einfach unkonzentriert gewesen sei.

Berichtet wird von 14-stündigen Dienstzeiten, die nur von 4 Stunden Schlaf unterbrochen werden. Es wird zu wenig und zu schlechter Schlaf beim Militär, vor allem in der Navy genannt, Müdigkeit auch am Tag, Albträume. Im Wall Street Journal wird ähnlich argumentiert. Die Navy könne den Bogen überspannt sein, heißt es. Sie sei geschrumpft und habe versucht, mit weniger Personal und Schiffen mehr zu tun.

Sollte es sich um einen Cyberangriff einer gegnerischen Macht gehandelt haben, der zu tödlichen Folgen führte, würde dies einem normalen Angriff gleichen und könnte einen Gegenangriff nach internationalem Recht rechtfertigen. Dazu müsste freilich der Angreifer identifiziert werden können. Kriege haben freilich nicht immer nach einem wirklichen Angriff einer Seite begonnen, sondern oft auch mit einer Lüge. Cyberangriffe haben allerdings den Nachteil, dass sie trotz der Folgen abstrakt sind, weil sie auf der Ebene der Daten geschehen. Es fehlen die drastischen Bilder.

Das wäre jetzt ein Novum, wenn nicht nur Computersysteme lahmgelegt, sondern dadurch direkt physischer Schaden verursacht worden wäre. $(LEhttp://www.defenseone.com/technology/2017/08/no-uss-mccain-probably-wasnt-hacked-what-if-it-was/140458/:Argumentiert wird deswegen, dass es sich wohl um keine Cyberangriffe gehandelt haben dürfte, weil der Angreifer damit erstmals einen Präzedenzfall für die Anwendung internationalen Rechts und womöglich einen Kriegsgrund geschaffen hätte. Vermutlich aber wird es der Navy und dem Pentagon auch ein Anliegen sein, die Ursache woanders zu finden. Sonst müsste eingeräumt werden, dass die angeblich mächtigste Armee der Welt sich nicht vor Cyberangriffen schützen kann.

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