Zahl der vermeidbaren, durch Lebensweisen bedingten Krebsarten nimmt massiv zu

Nach einem britischen Bericht haben sich im letzten Jahrzehnt Krebsarten, die von Sonnenbaden, Alkohol, Rauchen und Übergewicht verursacht werden, um bis zu 40 Prozent vermehrt

Nach einem Bericht von Cancer Research UK haben sich in den letzten Jahren prinzipiell vermeidbare Krebserkrankungen vermehrt, während andere zurückgegangen sind. Schuld seien vor allem neue Lebensstile, die etwa dazu führen, dass immer mehr Menschen an Hautkrebs erkranken, weil sie sich zu lange der Sonne aussetzen. Die Hälfte aller Krebserkrankungen könnten durch Veränderungen der Lebensweisen vermieden werden, sagen die Autoren.

Untersucht wurden von der Stiftung die Krebserkrankungen in Großbritannien zwischen 1995 und 2004. In dieser Zeit ist die Zahl aller Krebserkrankungen etwa gleich geblieben. Massiv zugenommen haben Melanomerkrankungen, die um mehr als 40 Prozent gestiegen sind. Der gefährliche "schwarze Hautkrebs" hat damit die höchsten Wachstumsraten aller Krebsarten. Verursacht wird das maligne Melanom vorwiegend durch exzessive Aussetzung der Haut an das Sonnenlicht. Noch erkranken die Frauen häufiger an Melanom, aber die Zahl der Männer mit Hautkrebs hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht, während die der Frauen sich "nur" verdoppelt hat.

Melanom. Bild: National Cancer Institute

Wie die Stiftung warnt, könnten die meisten Hautkrebserkrankungen verhindert werden, wenn die Menschen ihre Haut besser schützen und Sonnenbrände vermeiden. Besonders sollte auf Kinder aufgepasst werden, zwischen 11 und 15 Uhr sollte man sich möglichst im Schatten aufhalten. Nach einer aktuellen Studie wächst die jährliche Rate neuer Melanome bei Kindern mit 3 Prozent ebenfalls rapide an und liegt nun etwa gleichauf mit der Zunahme von Melanomerkrankungen bei Erwachsenen. Deutschland liegt nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts mit Zahlen aus dem Jahr 2002 bei der Zahl der Neuerkrankungen an malignem Melanom weit vor Großbritannien und bei den Frauen an vierter Stelle hinter Dänemark, Österreich und Schweden und bei Männern an dritter Stelle hinter Dänemark und Schweden.

Stark angestiegen sind auch Mund-, Gebärmutter- und Nierenkrebsfälle. Mundkrebs ist um 23 Prozent angestiegen und kommt vor allem bei Menschen vor, die rauchen oder regelmäßig Alkohol trinken. Nierenkrebs hat um 14 Prozent zugenommen. Auch hier wird vor allem Rauchen verantwortlich gemacht, aber auch Fettleibigkeit. Beim Gebärmutterkrebs, der 21 Prozent zugelegt hat, kennt man die Ursachen nicht genau, vermutet allerdings, dass auch hier das Gewicht eine Rolle spielt. So erkranken übergewichtige Frauen doppelt so oft an Gebärmutterkrebs als normalgewichtige.

Stark zugenommen haben jedoch auch Leberkrebs- und Mesotheliomerkrankungen. Der Anstieg von Prostatakrebs wird auf verbesserte Diagnose und Vorsorgeuntersuchungen zurückgeführt. Bei Männern ist Lungenkrebs um 28 Prozent zurückgegangen, während er bei Frauen leicht zugenommen hat. Noch immer ist er aber die häufigste Kreabsart. Zurückgegangen sind auch Magen-, Gebärmutterhals- und Blasenkrebserkrankungen. Obgleich ein Viertel aller Todesfälle von Krebs verursacht wird und die Zahl der Krebserkrankungen von 300 auf 100.000 Menschen (1975) auf 375:100.000 (2004) angestiegen ist, sinkt seit den 90er Jahren die Zahl der Todesfälle bei den an Krebs Erkrankten. Ein Drittel der Todesfälle wird mit dem Rauchen verbunden.

Cancer Research UK empfiehlt angesichts der zunehmenden, aber vermeidbaren Krebserkrankungen vor allem, auf exzessives Sonnenbanden zu verzichten, das Rauchen aufzuhören, das Trinken von Alkohol einzuschränken sowie auf das Gewicht und damit auf Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten. Aber das dürften alle Menschen eigentlich sowieso wissen.

Die Entstehung einer Krebskrankheit beruht in der Regel nicht auf einer einzigen Ursache, sondern auf einem Geflecht verschiedenster Faktoren. Der bisherige Wissensstand erlaubt nur bei einem Teil der häufigeren Tumorarten eine Prävention oder Früherkennung. Unter den vermeidbaren Risikofaktoren hat das (Zigaretten-)Rauchen, das zwischen einem Viertel und einem Drittel aller Krebstodesfälle verursacht, überragende Bedeutung. Ein weniger genau abschätzbarer, aber vielleicht noch etwas höherer Anteil aller Krebstodesfälle dürfte auf falsche Ernährungsweisen wie allgemeine Überernährung, einen zu hohen Anteil (tierischen) Fetts und einen zu geringen Anteil an Obst und Gemüse zurückzuführen sein. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung bestimmter Krebskrankheiten sind chronische Infektionen, zu hoher Alkoholkonsum, Expositionen am Arbeitsplatz und Einflüsse aus der Umwelt. Dazu zählen neben den ultravioletten Anteilen des Sonnenlichts und dem Feinstaub auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe unter anderem aus Auto- und Industrieabgasen sowie Radon und Passivrauchen in Innenräumen. Diese Belastungen wirken im Laufe eines Lebens jedoch in vielfältiger Weise zusammen, sodass die Bestätigung einer Ursachenvermutung im Einzelfall und systematisch nur selten möglich ist.

Robert-Koch-Institut

(Florian Rötzer)