Zahlreiche Bilder von Greueltaten an Rohingya gefälscht

Aufnahmen zeigen tatsächlich ganz andere Ereignisse

Mitte Mai dominierten Bilder und Berichte von Rohingya Nachrichten und Soziale Medien. Die moslemischen Bengalen aus Burma waren auf Schleuserschiffen nach Thailand unterwegs, wurden dort aber abgewiesen. Auch andere Länder wollten die Staatenlosen erst nicht einreisen lassen. Schließlich wurden sie von Malaysia und Indonesien aufgenommen.

Nun zeigt die BBC-Bloggerin Samiha Nettikkara mit einfachen Vergleichssuchen, die die Bildverwender eigentlich mit relativ wenig Zeitaufwand selbst durchführen hätten können, dass viele der Fotos, die damals als angebliche Bilder von Rohingya durch die Medien geisterten, gar nicht das abbilden, was vermeintlich auf ihnen zu sehen war.

So zeigt beispielsweise ein Bild, auf dem ein Motorradfahrer zu sehen ist, der über die ausgestreckten Hände von Kindern fährt, nicht "Burmas Moslems", wie die Bildunterschrift behauptet. Tatsächlich ist auf dem sechs Jahre alten Werk, an dem die Nachrichtenagentur AFP die Rechte hält, ein Kampfsportlehrer im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zu sehen, der den Buben einen Stunt-Trick zeigt.

Auch das Foto buddhistischer Mönche, die inmitten von Leichen stehen, zeigt weder deren Gewaltbereitschaft noch Rohingya-Opfer. In Wirklichkeit stammt es vom AP-Fotografen Andy Wong, der es 2010 in der chinesischen Region Yushu aufnahm, als es dort ein schweres Erdbeben gegeben hatte. Dieses Erdbeben - und nicht die Mönche - tötete die Menschen auf dem vor allem auf Twitter und Facebook geteilten Foto.

Das ebenfalls als Beweis für aktuelle birmanische Greueltaten gepostete Foto eines brennenden Menschen, der über eine Straße läuft, wurde 2012 im indischen Delhi aufgenommen. Das Opfer - der tibetische Aktivist Jamphel Yeshi - hatte sich selbst angezündet, weil er damit gegen einen Besuch des chinesischen Staatspräsidenten protestieren wollte.

Die Aufnahme eines Buben, der an einen Pfahl gebunden ist und auf dem Rücken die Spuren schwerer Schläge trägt, ist dagegen aus dem Jahr 2015. Allerdings zeigt sie Nettikkara zufolge kein Rohingyakind, das von Buremesen misshandelt wurde, sondern einen Thai-Jungen, den ein Verwandter beim Stehlen erwischte und mit dieser brachialen Methode konditionieren wollte. Ebenfalls aus Thailand stammt das Foto einer größeren Anzahl Menschen, die auf dem Boden liegt. Auch hier handelt es sich nicht um Rohingya, sondern um Thai, die bei einer Demonstration vor zwölf Jahren festgenommen wurden.

Eines der gruseligsten Fotos, das angeblich verbrannte Rohingya zeigt, kommt nicht einmal aus Asien, sondern aus Afrika: Die Menschen, deren tote Körper es zeigt, kamen 2010 bei der Explosion eines Öltankers im ehemals belgischen Kongo ums Leben. Das eindrucksvolle Bild wurde bereits zur Illustration verschiedenster Ereignisse verwendet - zum Beispiel für einen Boko-Haram-Bombenanschlag in Nigeria, für ethnische Säuberungen in der Elfenbeinküste und für NATO-Bombardements in Libyen - was zeigt, dass ein aus dem Kontext gerissenes Foto nicht zwangsläufig heißen muss, dass ein Ereignis nicht stattfand.

Dass Bilder absichtlich mit einen falschen Kontext versehen werden und massenhaft verbreitet werden, ist weder neu noch auf die jüngste Rohingya-Medienwelle beschränkt: Im letzten Jahr versuchte beispielsweise eine ukrainische Delegation, US-Abgeordnete mit AP- und AFP-Fotos russischer Truppen zu beeinflussen, die nicht 2014 im Osten der Ukraine, sondern im Südossetienkrieg 2008 aufgenommen wurden. (Peter Mühlbauer)

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