Zeigt her eure Pixel

Das Forum A3 ist die erste Plattform für die Macher von Avataren, Agenten und anderen Cyberwesen

Die Zahl der Pixelwesen und Agenten, die das Internet unsicher machen, wächst langsam, aber ständig. Doch während die Anbieter immer neue Charaktere und Basistechnologien entwickeln, fehlt den potenziellen Kunden die Übersicht über den Markt. Ein neues Forum soll die Intransparenz beseitigen und Schnittstellen für die Agenten auf zahlreichen Endgeräten entwickeln.

Avatar von Absolute software

Das Netz wird immer "lebendiger": Autonome Programme durchforsten in Form einfacher Bots und komplexer angelegter Software-Agenten das Web. Sie erledigen Aufgaben wie die Überwachung von Auktionen oder kaufen auf Online-Marktplätzen sogar auf Geheiß des Nutzers ein. Auf immer mehr Homepages von Unternehmen treten dem Besucher zudem Avatare entgegen, virtuelle Figuren, die der Bot- oder Agententechnologie ein menschenähnliches Gesicht geben sollen. Neben den Marketingauftritten von Schweppes oder Olympus experimentieren auch virtuelle Bankfilialen wie die der Deutschen Bank oder die Advancebank verstärkt mit Cor@, Leo und Konsorten, um dem Surfer die Nutzung der Angebote im "Dialog" mit den künstlichen Wesen zu erleichtern.

Doch die Tatsache, dass einzelne Avatare wie das bereits 1998 gestartete ZDF-Webface Cornelia, ihre Nachrichten sprechende Kollegin Ananova oder der singende E-Cyas aus dem Cycosmos von I-D Media einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich nach wie vor um einen Pioniermarkt handelt. Das Geschäft mit den Agenten, Bots und Avataren kommt nur sehr langsam in Schwung. Um Firmen der ersten Stunde wie die Münchner Blaxxun rankten sich schon oft Pleitegerüchte, auch wenn es mit einem neuen Kunden sowie der soundsovielten Finanzspritze dann doch wieder irgendwie weitergeht. Profitabel sind bisher allerdings die wenigsten Unternehmen im Markt rund um die virtuellen Wesen.

Die ärgerliche ZDF-Cornelia

Dazu trägt auch die Unübersichtlichkeit und die Zersplitterung der Branche bei. "Viele Firmen wissen nicht, was der nächste Konkurrent eigentlich macht", beschreibt Dirk Henckels, Produktmanager bei der 1997 gegründeten vista new media in Köln, die heillose Verwirrung unter den Anbietern selbst. Die fange schon bei den Begrifflichkeiten an, wo jeder von virtuellen Agenten oder Charakteren – möglichst gepaart mit Attributen wie "intelligent" oder "selbständig" – schwärme. Doch jeder verstehe etwas anderes darunter. Die Folge sei, dass sich die Player nur gegenseitig die Kunden abjagen oder sie vergraulen, statt gemeinsam zunächst eine Basis für Geschäfte zu entwickeln.

Die Intransparenz des Marktes will die inzwischen selbst als Pixelwesen auf der vista-Homepage zu bewundernde Vorreiterin Alexandra Fuzinski nun bekämpfen. Sie hat eine Plattform für Avatare und Agenten-Applikationen unter dem Namen Forum A3 ins Leben gerufen. Als Gründungsmitglieder konnte die vista-Chefin 12 Firmen mit ins Boot holen. Darunter finden sich die hinter Cor@ stehende Absolute software aus Hamburg, die Berliner Agentscape, die Basis-Technologien für Mensch-Maschine-Schnittstellen herstellt und als Referenzprodukt im vergangenen Jahr die Flirtmaschine gestartet hat, sowie die an virtuellen Beratern bastelnde Ecce Terram Internet Services GmbH aus Oldenburg. Im Forum aktiv sind außerdem Unternehmen wie blaxxun, novomind oder Tevox.

Henry von vista new media

Bislang sind auf der Homepage des Forums nur die Logos der Teilnehmer zu besichtigen. Doch geht es nach Fuzinski, soll die Lobbygruppe bald ihre Arbeit aufnehmen, einen gemeinsamen Markt bereiten und mittelfristig offene Schnittstellenstandards für die Agententechnologie entwickeln. "Wir brauchen Avatare im Internet genauso wie auf dem Handy oder im Fernsehen", glaubt die Unternehmerin. Das Einsatzgebiet der virtuellen Freunde sieht sie vor allem im Bereich Kundenbetreuung und Beratung. So könne ein Avatar zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen im Web behilflich sein und den Nutzer sofort auf Fehler bei Eingaben hinweisen. Doch zuvor, weiß die Entwicklerin, "müssen wir die Berührungsängste mit den virtuellen Charakteren abbauen."

Der Erfolg des Forums wird außerdem davon abhängen, welche Player noch zu dem ungewöhnlichen Verein hinzu stoßen. Bisher fehlen wichtige Firmen wie die 1996 von Englands erstem Software-Krösus Mike Lynch gegründete Autonomy, die in Boston beheimatete, aber vom Deutschen Eberhard Schöneburg ins Leben gerufene Artificial Life oder Kiwilogic aus Hamburg. Auch Forschungspartner aus dem Hochschulbereich spielen bisher nicht bei der Lobbygruppe mit. Bislang vertreten die versammelten Firmen auch nur ihre eigenen Interessen. Eine echte Lobby für die Avatare selbst existiert nicht. Doch wenn die Agenten in Zukunft öfter "gebucht" werden, werden sie vermutlich verstärkt auch ihre eigenen Agenten benötigen. (Stefan Krempl)

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