Zerstörer: Chinesen haben jetzt den stärksten

Kein Foto, sondern ein Portrait des chinesischen 055-Zerstörers. Bild: 星海军事.Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Tarnkappenschiff Nanchang verfügt über 112 Raketensilos, die amerikanische Zumwalt-Klasse nur über 80

Diese Woche hat die chinesische Volksbefreiungsarmee im ehemaligen Hohenzollernmarinestützpunkt Tsingtau offiziell den Zerstörer Nanchang in Betrieb genommen. Der staatliche Sender CGTN lobte das Tarnkappenschiff als große Leistung chinesischer Ingenieurskunst und als "Symbol der Entwicklung der nationalen Marine". Mit 10.000 Tonnen Wasserverdrängung ist es zwar etwas kleiner als die amerikanischen Zumwalt-Zerstörer, aber trotzdem stärker: Anstatt über 80 Raketensilos verfügt es nämlich über 112.

Außer Raketen zur Schiffs-, U-Boot- und Luftabwehrraketen können auch Marschflugkörper abgeschossen werden, die weit entfernte Ziele an Land erreichen. Das System, in dem die Raketen integriert sind, soll mit dem amerikanischen Aegis vergleichbar sein (das nach dem Schild des griechischen Gottes Zeus benannt wurde). Vorwiegend der U-Boot-Bekämpfung dienen dagegen die zwei Hubschrauber, die in einem Heck-Hangar untergebracht sind.

Größte Kriegsmarine nach den USA

Die Überwasserflächen der Nanchang wurden - wie Tarnkappenflugzeuge - so gestaltet, dass der Radarquerschnitt möglichst klein und die Radarrückstrahlung möglichst gering ist (vgl. LOUT: Airbus präsentiert Stealth-Demonstrator). Das ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal des Schiffs, sondern inzwischen auch bei Zerstörern aus anderen Ländern so. Gleiches gilt für die radarabsorbierende Beschichtung der Außenflächen und der Bewaffnung. Um sich vor der schnellen Erkennung durch Infrarotsysteme zu schützen, kühlt man bei Tarnkappenschiffen außerdem die Abgase.

Bereits vor der Inbetriebnahme des Zerstörers Nanchang verfügte die Volksrepublik über die weltweit größte Kriegsmarine nach derjenigen der USA. In ihren drei Flotten dienen insgesamt 215.000 Mann, die neben 14.500 Kilometern Küste mit 1.400 Häfen auch vier Millionen Quadratkilometer beanspruchte Meeresfläche sichern sollen. Hinzu kommen internationale Handels- und Versorgungswege, die für eine relativ erdölarme Exportnation besonders wichtig sind. Deshalb schickte China in den Nullerjahren erstmals seit den Expeditionen der Ming-Dynastie wieder Schiffe nach Afrika, wo die Zhoushan und Xuzhou chinesische Handelsschiffe vor somalischen Piraten schützen.

Russen planen neuen Lider-Klasse

Sie sind zwei von insgesamt etwa 50 Fregatten, über die die chinesische Kriegsmarine den Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums nach derzeit verfügt. Hinzu kommen 230 Patrouillenboote, 225 Landungsschiffe, 160 Transporter, 65 Minenleger, 60 U-Boote, 26 Zerstörer und zwei Flugzeugträger: die Liaoning und die Typ 001A. Die Liaoning ist ein in China vollendeter angefangener sowjetischer Flugzeugträger, die Typ 001A eine eigene Entwicklung, der demnächst die Typ 002 folgen soll (China holt im Wettrüsten mit den USA schnell auf).

Auch die Zerstörer, die sie jetzt selbst bauen, kauften die Chinesen früher bei den Russen, die ihnen unter anderem Lenkwaffenschiffe der Sowremenny-Klasse lieferten. Diese Zerstörer der Sowremennij-Klasse will die russische Marine zukünftig durch solche der angekündigten neuen Lider-Klasse ersetzen, einer Weiterentwicklung der Tarnkappenzerstörer der Udaloj-Klasse. In den USA hält man vorerst an der ebenfalls getarnten Zumwalt-Klasse fest, will diese aber außer mit Tomahawk-Marschflugkörper und Hubschraubern auch mit Drohnen ausstatten. (Peter Mühlbauer)