Zerstückelte Territorien

Auch Vögel leiden unter Schneisen im Regenwald

Dass zerstückelte Lebensräume die Artenvielfalt bedrohen, dürfte inzwischen bekannt sein. Man könnte allerdings davon ausgehen, dass Vögel durch ihre Flugfähigkeit weniger davon betroffen sind, dass ein paar Schneisen durch den Dschungel geschlagen werden. Tatsächlich jedoch leidet auch die Vogelwelt deutlich unter der fortschreitenden Parzellierung. Das ergab eine Studie, die seit über 13 Jahren im Amazonasgebiet durchgeführt wird.

Sie ist Teil des sogenannten Biological Dynamics of Forest Fragments Project (BDFFP), das untersucht, wie sich die Zerstückelung des Regenwaldes auf Flora und Fauna des zentralen Amazonasgebiets auswirkt. In dem darüber gerade im Wissenschaftsfachblatt Science erschienenen Bericht A Large-Scale Deforestation Experiment: Effects of Patch Area and Isolation on Amazon Birds (doi: 10.1126/science.1133097) haben Gonçalo Ferraz und seine Kollegen untersucht, welchen Einfluss die Beschaffenheit des jeweiligen Lebensraums auf insgesamt 55 verschiedene Vogelarten hat.

Zwei isolierte Fragmente bei Fazenda Dimona in Brasilien: Diese Luftaufnahme eines 10- und eines 1-Hektar-Waldfragments wurde kurz nach der Rodung aufgenommen – die Vegetationslücken sind weniger als einen Kilometer breit (Bild: Gonçalo Ferraz/Science)

Berücksichtigt wurden insgesamt 23 Gebiete, die ursprünglich in Regenwald eingebettet waren. Inzwischen sind elf der Gebiete von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben und dadurch vom Regenwald isoliert. Um das komplexe Problem des Artensterbens besser zu verstehen, unterscheidet die vorliegende Studie bei den untersuchten Gebieten zwischen den Faktoren Isolation und Größe und berücksichtigt außerdem, dass manche Vogelarten schwieriger aufzuspüren sind als andere. Diese Herangehensweise unterscheidet die vorliegende Studie von vergleichbaren Untersuchungen.

Wie zu erwarten, führt eine Verkleinerung des jeweiligen Lebensraumes regelmäßig zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Der Effekt des Faktors Isolation jedoch ist weniger leicht vorhersagbar: zwar kommt es auch in isolierten Lebensräumen regelmäßig zum Artenschwund, allerdings gibt es zwischen den einzelnen Vogelarten zum Teil drastische Unterschiede. So benötigen einige Vogelarten große Reviere, um ihren Nahrungsbedarf zu decken – ein kleines isoliert gelegenes Wäldchen kommt für diese Arten deshalb gar nicht erst in Frage. Andere Arten sind engstens an spezielle Insekten angepasst – verlieren diese ihre Lebensgrundlage, sind die Vögel ebenfalls betroffen.

Aktuell scheint die Gebietsgröße einen weit größeren Einfluss auf die Artenvielfalt zu haben als der Faktor Isolation. Allerdings sind sich die Forscher sicher, dass die anhaltende Zerstörung des Regenwaldes nicht nur zu einem weiteren Rückgang der Artenvielfalt führen wird, sondern dass die Zerstückelung des Regenwalds außerdem den Effekt des Faktors Isolation verstärken wird. (Katja Schmid)