Ziel verfehlt

Die Energie- und Klimawochenschau: Während sich die Unwetter häufen, ist Japan auf dem besten Wege dahin, an seinen Kyoto-Zielen grandios zu scheitern

Alles spricht vom Klima, und die Natur sorgt fast täglich dafür, dass der Strom schlechter Nachrichten nicht abreißt. Schwere Unwetter in Süd-, Südost- und Ostasien haben in diesem Jahr bereits über 1000 Menschenleben gekostet. Auch in Afrika leiden einige Regionen weiter unter heftigen Regenfällen, während am Rhein das Hochwasser, das zuvor vor allem in der Schweiz Verwüstungen angerichtet hatte zurückgeht. Passend dazu wird aus dem hohen Norden gemeldet, dass das Eis auf dem arktischen Ozean im Rekordtempo schwindet, während es um den internationalen Klimaschutz nicht zum Besten steht.

Im Augenblick sieht es noch nicht einmal danach aus, dass alle völkerrechtsverbindlichen Entscheidungen der Vergangenheit in puncto Klimaschutz umgesetzt werden. Viele Industriestaaten, darunter auch die EU, die kollektive Verbindlichkeiten übernommen hat und diese intern aufteilt, sind noch weit davon entfernt, ihre Verpflichtungen zur Emissionsreduktion zu erfüllen. Jetzt meldete die Japan Times, dass auch der Inselstaat in Fernost seine Probleme damit hat, das Reduktionsziel zu erreichen.

Eigentlich sollte Japan in den Jahren 2008 bis 2010 seine Emissionen gegenüber dem Bezugsjahr 1990 um sechs Prozent vermindert haben, doch das scheint inzwischen fast unmöglich. Ein Bericht des Wirtschaftsministeriums, den die Zeitung zitiert, geht davon aus, dass die Emissionen 2010 5,9 Prozent über dem 1990er Niveau liegen werden. Ein Expertenkomitee, das gemeinsam vom Tokyoter Umwelt- und Wirtschaftsministerium eingesetzt wurde, hält das noch für zu optimistisch. Zwar hätten die industriellen Emissionen einen Rückgang von 8,5 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig wird aber bis 2010 für Dienstleistungen und Handel ein Plus von 30,9 Prozent erwartet, für private Haushalte eine Zunahme von 16,1 Prozent und für den Verkehrssektor von 14,5 Prozent (jeweils gegenüber 1990).

Etwas bessere Nachrichten gibt es hingegen aus Brasilien. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuter ist die Entwaldungsrate am Amazonas in den 12 Monaten von August 2006 bis Juli 2007 um ein Drittel zurückgegangen. „Nur“ 9.600 Quadratkilometer, etwa das Elffache der Fläche Berlins, seien gerodet worden. Das sei die niedrigste Rate seit dem Jahre 2000, die Regierung meint sogar seit den 1970er Jahren.

Wenig Hoffnung darf sich der Amazonas derweil auf einen Düngeeffekt durch die zunehmenden CO2-Konzentrationen machen (Kein Verlass auf die Biosphäre). Das bestätigen nun auch Forscher an der US-amerikanischen Harvard-Universität. Untersuchte Wälder in Malaysia und Panama sind in den letzten 20 Jahren trotz steigender CO2-Konzentrationen und Temperaturen nicht schneller, sondern langsamer gewachsen. Das ergaben unter kontrollierten Bedingungen durchgeführte Langzeituntersuchungen. Die an den Studien beteiligten Forscher raten davon ab, in Klimamodellen davon auszugehen, dass ein Teil der sich erhöhenden Kohlendioxidemissionen aus fossilen Quellen von den tropischen Regenwäldern aufgenommen werde. Andererseits verweisen sie darauf, dass die Wachstumsbedingungen vielfältig und örtlich variabel sind. Mehr Beobachtungen an unterschiedlichen Stellen seien daher notwendig.

Derweil wurde in Deutschland zur Abwechslung mit der Insel Fehmarn auch einmal der hohe Norden von extremen Regenfällen heimgesucht. Sonst trifft es für gewöhnlich häufiger Süd- und Südostdeutschland, aber am Rhein scheint sich die Situation inzwischen zu entspannen. In Genf berichtet hingegen die Weltmeteorologieorganisation WMO von schweren Fluten rund um den Globus.

Im Sudan starben fast 100 Menschen, als Flüsse über die Ufer traten. 60.000 Häuser wurden zerstört und 500.000 Menschen obdachlos. Die hohen Niederschläge werden vermutlich bis in den Oktober anhalten und paaren sich mit hohen Temperaturen, was erhebliche Gesundheitsgefahren mit sich bringt. Stehende Gewässer könnten schnell zu Brutstätten für Moskitos werden, die als Krankheitsüberträger gefürchtet sind. Über der schwer betroffenen Hauptstadt Karthum wurden daher aus Flugzeugen Insektizide versprüht. Die Behörden vermuten, dass die Pegel im Blauen Nil weiter steigen werden. Verantwortlich seien schwere Niederschläge im äthiopischen Hochland. Nach dem jüngsten Bericht des unter anderem von der WMO eingesetzten Wissenschaftlergremiums IPCC, gehen fast alle Klimamodelle davon aus, dass mit zunehmender Erwärmung in Äthiopien und Somalia die Niederschläge stark anwachsen werden. Insofern bekommen die Sudanesen vermutlich gerade einen Vorgeschmack auf das, was ihnen in Zukunft blühen wird.

Weitere schwere Unwetter meldet die WMO aus der Schweiz, Frankreich, Italien, Nigeria von den Philippinen, aus Vietnam, Südasien und China. Andere Quellen berichten zusätzlich von verheerenden Niederschlägen in Mauretanien, wo 25 Todesopfer zu beklagen sind, und in Uganda.

In China liegt mittlerweile eine offizielle Zwischenbilanz der dortigen Unwetter vor. Demnach kamen dort durch die schweren Niederschläge im Juli 712 Menschen ums Leben. 162 werden noch vermisst. In Indien und den benachbarten Ländern sind seit Beginn der Monsun-Saison bereits über 1000 Menschen in den Fluten gestorben und ein Ende der schweren Regenfälle ist noch nicht in Sicht. In Bangladesh hat ein Ansturm auf die Krankenhäuser eingesetzt. Zehntausende leiden aufgrund der Überschwemmungen und der damit verbundenen hygienischen Probleme an schweren Durchfallerkrankungen.

Wie bereits im Energie- und Klimablock kurz erwähnt, schwindet in diesem Sommer das Eis auf dem arktischen Ozean. Besonders anschaulich wird das an folgender Gegenüberstellung der Eisbedeckung im September 1979

und Anfang August 2007.

Bilder: NSIDC

Dazu ist anzumerken, dass die Schmelzsaison des Meereises bis in den September anhält. Im August sollte also noch deutlich mehr Eis auf dem arktischen Ozean sein, als im September. Dabei ist der September 1979 – der erste aus dem Satellitendaten der Eisbedeckung vorliegen – ein keinesfalls ungewöhnlicher Monat gewesen. Vielmehr gibt es, wie folgende Grafik zeigt, einen deutlichen negativen Trend in der Eisbedeckung der Arktis gegen Ende des Sommers.

Grafik: Polar Research Group an der University of Illinois

Russische Daten, die auf der Auswertung historischer Aufzeichnungen beruhen und daher naturgemäß ungenauer als die Satellitenmessungen sind, zeigen, dass der Trend bereits seit Anfang der 1920er Jahre – mit einem Intermezzo in den 1960en – anhält.

Grafik: Northern Water Problems Institute KRC RAS

Derweil hat, wie berichtet (Kalter Krieg um den Nordpol), das schwindende Eis bereits diverse Begehrlichkeiten geweckt. Inzwischen hat Kanada den Bau von Flottenbasen in der Arktis angekündigt. Dänemark und die USA nehmen ebenfalls Erkundungen und Vermessungen vor. (Wolfgang Pomrehn)

Anzeige