Zivilcourage fördern

Whistleblower-Netzwerk gegründet

Mit einem Appell an alle Berufsgruppen, sich mit dem Thema Whistleblowing auseinanderzusetzen, endete am vergangenem Wochenende in der Evangelischen Akademie in Iserlohn die Tagung „Zivilcourage in der Risikogesellschaft“. Anonyme Informanten, wie jüngst bei der Aufdeckung des Skandals mit dem Gammelfleisch, seien die unbekannten Helden unserer Gesellschaft, sagte der Vorsitzende des neugegründeten Whistleblower-Netzwerkes, Guido Strack.

In Deutschand würden Informanten noch immer negativ mit Denunzianten gleichgesetzt werden, so Guido Strack. Tatsächlich aber würden diese Menschen unter hohem persönlichen Risiko auf Missstände aufmerksam machen und so zum Wohl der Gesellschaft beitragen. Im angelsächsischen Raum seien Whistleblower eher geschätzt und würden gesetzlich besser geschützt.

Der neue Verein mit Sitz in Köln möchte Whistleblowern, die in der Regel ohne Unterstützung ihrer Kollegen oder Vorgesetzten mit ihrem Problem allein gelassen werden, beratend zur Seite stehen. Klaus Scholz, der in Seminaren die öffentliche Verwaltung über Korruptionspräventions-Systeme unterrichtet, beklagte die allgemeine Scheu, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Der größte Arbeitgeber Deutschlands, die öffentliche Hand, würde ihre Beamten und Bediensteten kaum oder gar nicht über den juristisch korrekten Umgang mit Korruption ausbilden.

Gegen eine Ausgrenzung von Whistleblowern wandte sich auch Professor Johannes Ludwig von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. In allen Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen müsse das Thema diskutiert werden. Whistleblowing sei viel verbreiteter, als öffentlich bekannt. Eine Einzelfall-Erhebung durch eine Datenbank soll künftig einen besseren Überblick verschaffen. Ludwig betreibt für Betroffene ebenfalls eine Informationsseite.

Auf ein Phänomen hatten die Fachleute noch keine Antwort: Viele bekannte „Whistleblower“ würden sich selber nie so bezeichnen. Darauf angesprochen, sagen sie über sich: „Wir haben doch nur unseren Job gemacht.“

Die bisher in der Evangelischen Akademie durchgeführte einmalige Whistleblower Tagung besuchten rund 80 Personen. Aufgrund des großen Interesses soll diese künftig jährlich durchgeführt werden. (Marcello Faraggi)