Zu heiß: Korallen unter Stress

Bild: (c) 2004 Richard Ling / CC BY-SA 3.0

Australischer Bericht diagnostiziert besorgniserregenden Zustand der dortigen Korallenriffe

Das Great Barrier Reef in Australien, eine Kette von Korallenriffen vor der Nordostküste des fünften Kontinents, ist schwer geschädigt. Das berichtete der Sydney Morning Herald Mitte der Woche. 91 Prozent der Riffe zeigen Zeichen von Ausbleichen, hat ein Bericht der für das Meeresschutzgebiet zuständigen Behörde ergeben.

Das sind besorgniserregende Nachrichten, denn Korallenriffe haben in der Meeresökologie eine wichtige Funktion als Kinderstube vieler Fischarten, und damit indirekt auch für die Versorgung der Menschheit mit Eiweiß. Wegen ihres Artenreichtums werden sie mit den tropischen Regenwäldern verglichen.

Und sie sind ähnlich wie diese durch den Klimawandel gefährdet. Seit Anfang der 1990er-Jahre treten Meldungen von ausbleichenden Riffen auf. Zunächst waren sie eher vereinzelt, später gab es immer mehr Ereignisse dieser Art.

Der Bericht der australischen Parkbehörde stellt fest, dass es sich in dem Schutzgebiet bereits um die vierte großflächige Korallenbleiche innerhalb von sieben Jahren handelt. Erstmalig sei sie in diesem Jahr unter La-Niña-Bedingungen aufgetreten, unter denen das regionale Wetter und damit die Wassertemperaturen eigentlich kühler als im Durchschnitt sein sollten.

Der Hintergrund

Korallen gehören, obwohl fest mit ihrem Standort verbunden, zu den Tieren und leben in großen Kolonien. Aus ihren Kalkskeletten wachsen über den Ablauf vieler Generationen Riffe heran.

Die kleinen immobilen, farblosen Tierchen leben in Symbiose mit einzelligen Algen, deren Fotosynthese sie mit Energie versorgt und die ihnen die Färbung geben. Unter Stress stoßen die Korallen die Algen aus. Zurück bleibt ein weißes Riff, weil ihre Kalkskelette durch die nun transparenten Körper schimmern.

Die Ursachen sind im Einzelnen unterschiedlich, aber neben Wasserverschmutzung unter anderem auch durch eintrübende Sedimente ist es vor allem zu warmes Wasser. In Australien, so die Behörde, sind zu hohe Wassertemperaturen die Hauptursache.

Aus US-amerikanischen Untersuchungen ist bekannt, dass der dortige Schwellenwert bei 30,4 Grad Celsius liegt. Entscheidend ist dabei, wie lange die hohen Temperaturen anhalten.

In der Region des australischen Riffs sei der Dezember der heißeste Monat und im Dezember 2021, so der Bericht der Parkbehörde, seien bereits zu Beginn des Monats Wassertemperaturen gemessen worden, die neue historische Rekorde für die Jahreszeit aufstellten.

Im Verlauf des Sommers habe sich das Wasser weiter erwärmt, wobei drei besondere Hitzewellen aufgetreten seien. Aufgrund zahlreicher Berichte über ausgeblichene Riffe habe man schließlich im März eine intensive Untersuchung nahezu der ganzen Riffkette mit Beobachtungsflügen unternommen.

Das nun vorgelegte alarmierende Ergebnis hatte die Regierung eigentlich noch bis Ende des Monats unter Verschluss halten wollen, berichtet der Sydney Morning Herald. Die Veröffentlichung sei nun eher klammheimlich erfolgt, nach dem Canberras Absicht ruchbar wurde.

Down under wird nämlich am 21. Mai ein neues Parlament gewählt, und die liberal-konservative Regierungskoalition fürchtet schlechte Presse. Ihre Unterstützung für den Abbau von Kohle im großen Stil und ihr mangelndes Interesse an Klimaschutzmaßnahmen ist ohnehin in der Bevölkerung hoch umstritten.

Nach der Bleiche

Doch was passiert nach der Bleiche mit den Riffen? Wenn die zu hohen Wassertemperaturen für acht Wochen oder länger anhalten, beginnen die Korallen abzusterben, heißt es bei der Great Barrier Reef Foundation.

Die Riffe können sich also wieder erholen, doch brauchen sie dafür Zeit und die Bedingungen müssen dafür wieder auf den Normalzustand zurückkehren. Alles in allem ist das System sehr empfindlich, weil die Idealtemperatur auch nur ein bis zwei Grad Celsius unter dem kritischen Schwellenwert liegt. Die kleinen Tierchen lieben warmes Wasser, es darf halt nur nicht zu heiß sein.

Doch eben dies könnte in Zukunft immer häufiger der Fall sein. Der 2018 veröffentlichte Sonderbericht ("Global Warming of 1.5° Celsius") des IPCC, des sogenannten Weltklimarates, stellte unter anderem fest, dass jenseits einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius die tropischen Korallenriffe absterben werden (siehe auch Erderwärmung: 1,5-Grad-Schwelle schon in fünf Jahren erreicht?). (Wolfgang Pomrehn)