Zu schön, um wirklich echt zu sein?

Greta Thunberg. Bild: Jan Ainali/CC BY-SA-4.0

Prima-Business-Klima um Greta Thunberg

Um die Klima-Aktivistin Greta Thunberg kommen immer mehr Details zum Vorschein, die ihre Gegner beflügeln. Die Frage ist jedoch, ob die schwedische Schülerin, die mit ihrem kindlichen Trotz, den altbackenen Zöpfen und Wollsachen eine Schöpfung von Astrid Lindgren zu sein scheint wirklich selbst an den aktuellen Vorhaltungen Schuld hat. Nach der Zeitung Svenska Dagbladet nutzte ein PR-Unternehmer die weltbekannte schwedische Schülerin, die jeden Feitag für die Klima-Rettung streikt, um Investoren anzulocken.

Die 16-jährige Schülerin findet sich auf einem Prospekt des Unternehmens "We don't have time" von Ingmar Rentzhog - ohne dass sie und ihre Eltern davon gewusst hätten. "Das ist unglücklich, dass sie nun kommerziell ausgenutzt wird", so ihr Vater Svante Thunberg gegenüber der Zeitung.

Das Unternehmen äußerte sich am Sonntag zu den Vorwürfen. Rentzhog beschreibt das Unternehmen als "Hybrid" zwischen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und einer Wohltätigkeitsstiftung, um gegen die Klimaerwärmung anzukämpfen. Und entschuldigte sich dafür, dass Thunberg in einem Prospekt der Firma elfmal genannt wurde, ohne sie darüber zu informieren. Auch habe die Schülerin keinerlei finanzielle Aufwendung bekommen. Greta Thunberg sei von November bis Januar in der Stiftung des Unternehmens als Leiterin der Jugendabteilung gewesen.

Insgesamt seien von 500 Investoren aus 16 Ländern 23 Millionen Schwedische Kronen (2,1 Millionen Euro) Kapital in die Firma geflossen. Das Unternehmen, das am 22. April 2019 ein soziales Netzwerk und eine Art digitale Protestbewegung startet, will Druck auf "Regierungen" und "Unternehmen" ausüben, sich an das Pariser Abkommen zu halten. Ganz klar ist es nicht, wie genau die erworbenen Millionen eingesetzt werden. "We don’t have time" weist den Vorwurf der Schwedischen Zeitung jedenfalls zurück, man habe die Schülerin mit Asperger-Autismus "ausgenutzt". Zumindest hat Rentzhog sie "entdeckt".

Thunberg, die sich seit ihrem neunten Lebensjahr mit Klimafragen beschäftigen soll, startete ihren öffentlichen Protest aufgrund der Waldbrände in Schweden im August vor dem Stockholmer Reichstag. Rentzhog lud ein Foto des Mädchens am 20. August auf Facebook und Instagram hoch und bekam durch gekonnte Lancierung gleich eine Anfrage der Zeitung Aftonbladet. Er selbst inszenierte sich vier Tage später ebenfalls mit einigen Mitstreitern, die sich neben der Schülerin mit dem Laptop auf den Boden setzten und ein Kartonschild mit scheinbar ungelenker Schrift "Wir arbeiten für das Klima" und einem Hashtag "Unterstützt Greta" vor sich hatten.

Zudem wird in den schwedischen Medien kolportiert, dass die Mutter der Aktivistin, die Opernsängerin Malena Ernman, den PR-Profi gekannt haben soll, es gebe einen gemeinsamen Artikel der beiden.

Die Klimaaktivistin hat sich nun angesichts der Vorbehalte auf Facebook selbst zu Wort gemeldet und ihren Protest-Werdegang erklärt: Im Mai 2018 gehörte sie zu den Gewinnern eines Aufsatz-Wettbewerbs über die Umwelt der Zeitung "Svenska Dagbladet". Danach habe sie ein Aktivist namens Bo Thorén von Fossil Free Dalsland kontaktiert und sie sei via Telefonkonferenz in Kontakt mit anderen jungen Leuten gekommen, die gegen die Klimaveränderungen aktiv werden wollten.

Es wurde auch die Idee eines Schulstreiks nach dem Vorbild der Schüler in Parkland verhandelt, die nach dem Schulmassaker gegen Schusswaffen protestierten. Da sich niemand anschloss, habe sie es dann allein getan. Rentzhold habe sie vorher nicht gekannt, dass ihre Mutter ein Buch über sie und ihre Schwester im August herausgebracht habe, sei Zufall. Mit Rentzhog habe sie keinen Kontakt mehr.

Kritik hin und her: der Greta-Hype, der weltweit Klimaproteste junger Menschen ausgelöst hatte, scheint kaum zu stoppen. Mögen auch bei ihren Auftritten in Katowitz und Davos vor Ort nicht viele Zuschauer zugegen gewesen sein. Der flandrischen Umweltministerin Joke Schauvliege kostete ihre Kritik an den Schülerdemonstrationen für das Klima das Amt.

Greta-Fans reagieren allgemein aggressiv auf die Bekrittelung ihres Idols. Dies verspürt auch der twitterfreudige CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der die Kritik Thunbergs am deutschen Kohlekompromiss als "pure Ideologie" zurückwies.

Ob gewollt oder nicht: Greta Thunberg, die mittlerweile von Leonardo DiCaprio und Arnold Schwarzenegger gepriesen wird, ist zu einer einflussreichen PR-Macht geworden, deren Statements und Richtersprüche von den Medien und Netzwerken begierig aufgenommen werden. Sie kann hypen oder verteufeln.

Dies verstand auch Schwedens bekannteste Unternehmerin Isabelle Löwengrip, die auf Instragram ihre von Thunberg verteufelten Flugreisen, ihre Kosmetikprodukte und sich selbst feiert. Der blondgelockte Medienstar lud Thunberg nun in ihre Firma als Umweltberaterin ein, sie wolle von ihr lernen, was Klimaschutz angehe. Greta verweigert jedoch jeden Kommentar, wie ihr Vater ausrichtete. Und das war wohl eine klug umgesetzte Öffentlichkeitsarbeit. (Jens Mattern)

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