Zu viel Nitrat im Grundwasser

Gülleausbringung mit einem Güllefass auf Grünland. Foto: Rasbak/CC BY-SA 3.0

Das Problem besteht darin, dass Millionen Nutztiere weiterhin in industriellen Tierhaltungsanlagen eingepfercht sind

Unser Grundwasser ist mehr oder minder stark mit Nitrat belastet. Dies liegt vor allem an den Gülle-Einträgen aus massenhafter Tierhaltung. Der jüngste Umweltbericht der Bundesregierung zeigt detailliert auf, wie und wo Nährstoffüberschüsse die Umwelt schädigen. Nun soll im Zuge der neuen Düngeverordnung die Gülleausbringung reguliert werden. Die Bauernverbände rebellieren dagegen.

Seit Jahren verstößt Deutschland gegen die von der EU festgelegten Nitrat-Grenzwerte: Auf einem Drittel der deutschen Flächen sind die Nitratwerte bedenklich hoch - höher als noch vor fünf Jahren. Belastet ist zunehmend auch das Trinkwasser. Laut Trinkwasserverordnung liegt der Grenzwert für Nitrat bei 50 Milligramm je Liter. Doch in einem Viertel der Grundwasservorkommen wurden deutlich höhere Werte gemessen.

Zwar wird laut Angaben des Umweltbundesamtes bei nur 0,08 Prozent der Trinkwasser-Messstellen der Nitrat-Grenzwert überschritten. Dies ist allerdings den Wasserversorgern zu danken, welche zu stark belastetes Grundwasser schlicht mit unbelastetem Wasser verdünnen. Leider gibt es zu wenig davon, weshalb das Nitrat technisch aus dem Grundwasser entfernt werden muss. Eine teure Angelegenheit, die sich vor allem in der Wasserrechnung der Privathaushalte widerspiegelt.

Dr. Christoph Czekalla von Hamburg Wasser gibt gegenüber dem NDR zu bedenken, dass dies vor allem für Säuglinge gefährlich werden kann, weil in deren Darmflora Nitrat zum Zellgift Nitrit reduziert wird.

Gegenwärtig ist die Diskussion über die neue Düngeverordnung in vollem Gange. So dürfen betroffene Bürger bis Ende November 2016 im Rahmen der so genannten Strategischen Umweltprüfung zu dem im September veröffentlichten Umweltbericht Stellung nehmen. Dieser beschreibt die Umweltauswirkungen, die infolge der geplanten Änderungen im Düngerecht zu erwarten sind.

In dem vom Landwirtschaftsministerium kürzlich veröffentlichten Umweltbericht im Rahmen der Strategischen Umweltprüfung werden die Belastung von Böden und Gewässern mit Stickstoff-, Phospat- und Nitrat aufgezeigt und diskutiert. Stickstoff und Phosphor werden über den Boden durch Auswaschung, Oberflächenabfluss oder Bodenerosion in Gewässer eingetragen. Dadurch werden Binnen- aber auch Küstengewässer verschmutzt und beeinträchtigt.

Infolge übermäßiger Düngung werden zu viele Nährstoffe, aber auch entweichendes Ammoniak in sensible Ökosysteme wie Moore, lichte Kiefernwälder oder FFH-Gebiete verfrachtet. So belastet der Eintrag von reaktiven Stickstoffverbindungen die Ökosysteme sowohl direkt durch Schädigung der Blätter und Aufnahme von Nährstoffen aus der Luft zum Beispiel bei Moosen, als auch indirekt durch Eutrophierung und Versauerung.

Die Empfindlichkeit gegenüber Stress und Störungen nimmt zu. In der Summe führt dies zu einer veränderten Artenzusammensetzung. Bedeutende Quellen für Ammoniak und Methan sind zudem Exkremente aus intensiver Tierhaltung.

Im Kern sind die Probleme und Ursachen seit Jahren bekannt: Immer mehr Tiere in immer größeren Ställen produzieren immer mehr Gülle. Jährlich werden über 200 Millionen Tonnen Gülle auf Feldern, Wiesen und Äckern ausgefahren.

Zwar enthalten Urin und Kot der Tiere hochwertigen Stickstoff, Phosphor und Kalium, der als natürlicher Dünger - in Maßen ausgebracht - die Ackerkrume bereichern kann. Wird aber zuviel gedüngt, wird zu viel Nitrat ausgewaschen, Boden und Grundwasser werden beeinträchtigt.

Nicht genug, dass deutsche Tierhalter mit den Überschüssen an Gülle nicht wissen wohin. Seit Jahren wird die Gülle von Holland nach Deutschland gekarrt. Nun will der niedersächsische Landwirtschaftsminister den Gülle-Import beenden. Per Erlass deklarierte das Ministerium Gülle und Hühnertrockenkot zu Abfallprodukten.

Doch die Niederländer sehen das anders: Erhitzte Gülle sei gar kein Abfall und dürfe deshalb weiterhin die Grenze passieren. Mit diesem Konflikt beschäftigt sich inzwischen auch die EU-Kommission.

Unterdessen kündigt das Landwirtschaftsministerium eine Verschärfung der Düngeverordnung an. Vor allem in den mit Nitrat außergewöhnlich hoch belasteten Gebieten soll den Ländern die Möglichkeit eingeräumt werden, Restriktionen für die Phosphatdüngung zu erlassen.

Was phosphathaltige Düngemittel angeht, so ist eine Ausweitung der Mindestabstandsregelung an Gewässern, ein Verbot der Ausbringung von Phosphat vom 15. November bis 31. Januar sowie eine Beschränkung von Phosphatdüngung auf gut versorgten Böden vorgesehen.

Bereits zu Jahresbeginn musste sich die Bundesregierung eine kritische Anfrage der Grünen zur Gewässerqualität und Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gefallen lassen. Auch Christian Magerl von den Bayerischen Grünen fordert eine Reduzierung der Stickstoffdüngung. In dem Zusammenhang verweist er auf das Vertragsverletzungsverfahren, welches seitens der EU gegen Deutschland läuft.

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