Zu viele Bewerber: Demokraten teilen erste Fernsehdebatte in zwei Gruppen auf

Bernie Sanders und Joseph Biden. Foto: US Senate

Einer geleakten internen Umfrage aus Trumps Team nach könnte Joseph Biden dem Präsidenten die wichtigen Bundesstaaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania auch Florida abnehmen

Aktuell bemühen sich bei den US-Demokraten 20 halbwegs aussichtsreiche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur im nächsten Jahr. Deshalb haben die Parteiführung DNC und der Fernsehsender NBC aus der ersten Fernsehdebatte zwei gemacht, an denen jeweils zehn Bewerber teilnehmen. Dazu teilten sie die Bewerber (ähnlich wie Republikanern 2015) anhand der Umfrageergebnisse in zwei Kategorien auf: Wer bis zum 12. Juni in den Umfragen durchschnittlich oberhalb von zwei Prozent lag, kam in Kategorie 1, wer schlechter abschnitt, in Kategorie 2.

Aber anders als die Republikaner 2015 (die eine aussichtsreichere A-Gruppe mit unter anderem Donald Trump, Jeb Bush, Ted Cruz und Rand Paul sowie eine B-Gruppe mit Lindsey Graham, Carly Fiorina und noch weniger aussichtsreichen Bewerbern bildeten), mischten die Demokraten und NBC die beiden Gruppen durch eine Auslosung. Der Zufall wollte es bei dieser Auslosung, dass sich in der ersten Gruppe (deren NBC-Befragung am 26. Juni stattfindet) weder der derzeitige Favorit Joseph Biden (dessen Juni-Umfragewerte bei 26 bis 37 Prozent liegen), noch der mit 12 bis 21 Prozent meist zweitplatzierte Bernie Sanders finden.

Warren hat wieder aufgeholt

Diese beiden debattieren am Tag darauf in einer Gruppe, in der auch zwei andere Bewerber etwas bessere Umfragewerte aufweisen als der Großteil der Teilnehmer in der Gruppe vom 26. Juni: der homosexuelle Bürgermeister Peter Buttigieg mit sieben bis 14 Prozent und die die politisch Hillary-Clinton-ähnliche Juristin Kamala Harris mit sechs bis acht Prozent.

Die derzeit höchsten Umfrageergebnisse in der Gruppe vom 26. Juni erzielt derzeit mit neun bis 19 Prozent die 1/64- bis 1/1.024-Indianerin Elizabeth Warren, die mit teuren Wahlgeschenken wirbt. Ihr folgt der früher häufig mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron verglichene Robert Francis (alias "Beto") O'Rourke mit Umfragewerten von drei bis vier Prozent. Kandidaten mit geringeren Umfragewerten haben deshalb in dieser Gruppe ohne Joseph Biden und Bernie Sanders möglicherweise eine etwas bessere Chance, sich zu profilieren. Oder auch nicht - wenn es weniger Zuschauer gibt, weil die beiden Favoriten nicht dabei sind.

Gelingt Tulsi Gabbard eine Überraschung?

Thematisch absetzen könnte sich beispielsweise die 37-jährige interventionskritische Irakkriegsveteranin Tulsi Gabbard, die das amerikanische Begehren einer Auslieferung von Julian Assange als "Schlag gegen die freie Presse" kritisiert. Das Alleinstellungsmerkmal ihrer Rivalin Amy Klobuchar ist dagegen die Forderung nach Gefängnisstrafen für YouTube-Videos (vgl. Justin Bieber will Urheberrechtsextremistin hinter Gittern sehen). Die weiteren Teilnehmer sind der Latino Julián Castro, der 92 Millionen Dollar schwere Marylander Kongressabgeordnete John Delaney, der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio, Jay Inslee, der Gouverneur des Bundesstaates Washington, und Nancy Pelosis ärgster Kongressrivale Tim Ryan.

Die weniger chancenreichen Teilnehmer der Debatte am 27. sind die durch die #MeToo-Welle bekannt gewordene Juristin Kirsten Gillibrand (die sich nicht ganz unerwartet darüber beschwert, dass ihre niedrigen Umfragewerte an "Sexismus" lägen), Colorados Gouverneur John Hickenlooper (dessen Name wie aus einem Preston-Sturges-Film klingt), die Buchautorin Marianne Williamson (die für Sklaverei-Reparationszahlungen an Schwarze wirbt), der chinesischstämmige Unternehmer Andrew Yang, der Diplomatensohn Michael Bennet und der gutaussehende ehemalige Sportstipendiat Eric Swalwell.

Auch inhaltliches Aufeinanderprallen von Biden und Sanders?

Welche Fragen die NBC-Moderatoren den Präsidentschaftsbewerbern am 26. und 27. Juni stellen werden, ist der Öffentlichkeit noch nicht bekannt. Ein Thema, um das es mit gewisser Wahrscheinlichkeit gehen wird, ist die Reform des Gesundheitswesens. Hier will Donald Trump der vor allem von Bernie Sanders propagierten allgemeinen Krankenversicherung mit einem "Ausbau von Optionen" entgegentreten, wie er am 14. Juni ohne konkrete Details dazu bekannt gab. Ein anderes Thema, das sich anhand der Lage im Nahen Osten aufdrängt, ist die Außenpolitik, ein drittes der Handel mit China und ein viertes die Migration, der der US-Präsident gerade durch Vereinbarungen mit Mexiko und Guatemala entgegentrat.

Dabei könnten sich unter anderem gewisse Gegensätze zwischen dem für die Politik der Obama-Administration mit verantwortlichen Joseph Biden und Bernie Sanders abzeichnen, der in der Vergangenheit nicht nur gesundheits-, sondern auch außen-, handels- und migrationspolitisch andere Schwerpunkte setzte als der ehemalige Vizepräsident.

Trump: "Fake-Zahlen"

Letzterer dürfte in den aktuellen Umfragen auch deshalb vorne klar liegen, weil ihm die besten Chancen zugetraut werden, Wähler außerhalb der "Woke"-Milieus anzusprechen. Wähler, wie sie in großer Zahl in den Rust-Belt-Bundesstaaten leben, welche Donald Trump 2016 zum Sieg verhalfen. Das gilt als Voraussetzung dafür, den amtierenden Präsidenten am 3. November 2020 besiegen zu können.

Einer aus Trumps Umfrageteam am Wochenende an den Sender NBC geleakten Erhebung nach schnitt Biden von mehreren getesteten demokratischen Gegenkandidaten in diesen Staaten mit Abstand am besten ab: Er könnte Trump neben Michigan, Wisconsin und Pennsylvania auch Florida abnehmen. Und in Texas - einem Bundesstaat, den seit 1976 kein demokratischer Präsidentschaftsbewerber mehr gewann - führt der Republikaner danach nur zwei Punkte vor Biden. Das dürfte auch mit demographischen Veränderungen zu tun haben, weil die Zahl der spanischsprachigen Wähler in Texas stark zunimmt.

Tony Fabrizio, der für Umfragen zuständige Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam, dementierte diese Zahlen gegenüber NBC nicht, meinte aber, sie seien "unvollständig", "irreführend" und bereits drei Monate alt. Trump selbst sprach von "Fake-Zahlen", soll aber inzwischen die Verträge von zwei für das Leck verantwortlich gemachten Meinungsforschern gelöst haben: Adam Geller und Michael Baselice.

In einer anderen Umfrage, die der Sender Fox News in Auftrag gab, liegt Biden US-weit bei registrierten Wählern mit 49 zu 39 Prozent vor Trump. Sanders kommt hier mit 49 zu 40 Prozent auf fast denselben Abstand. Dieser Umfrage nach könnten vielleicht auch Buttigieg, Harris oder Warren Trump besiegen – aber nur mit einem bis zwei Prozent Vorsprung bei einer Fehlermarge von drei Prozentpunkten. (Peter Mühlbauer)