Zuerst war die Nudel!

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters unterstützt jetzt auch in Deutschland die Kreationisten

Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Hat Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen oder war es ein nicht näher bestimmbarer intellektueller Designer? Oder ist das alles kreationistischer Humbug, und die Erde entstand irgendwann nach einen Urknall, hat sich danach so entwickelt, wie wir sie heute kennen. Ein Prozess, den einst Darwin versucht hat zu erläutern.

Über diese Frage tobt seit Jahren nicht nur in den USA ein unseliger Glaubenskrieg zwischen den Kreationisten und den Anhängern der Evolutionstheorie. In manchen US-Schulen müssen mittlerweile beide Theorien gelehrt werden. Und auch bei uns gibt es vereinzelt Politiker, die ähnliches fordern – dann aber schnell in die Kritik geraten (Noch nicht aus dem Vollen geschöpft). So hat erst vor wenigen Tagen die Parlamentarische Versammlung des Europarates die Lehre des Kreationismus in den Schulen scharf verurteilt. Und selbst der Papst, der das ja eigentlich wegen seiner guten Verbindung nach oben wissen müsste, hält sich in dieser Frage lieber bedeckt).

Einer der wenigen Politiker, die es bei uns wagen, öffentlich für den Kreationismus einzustehen, ist der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, der dafür sofort heftig kritisiert wurde. Aber er hat auch Unterstützer, die ihm den Rücken stärken möchten. Das jedenfalls beabsichtigt die deutsche Sektion Der ersten Vereinigten Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters. Eine Organisation, die erst 2005 in den USA gegründet wurde, jetzt schon nach eigenen Angaben mehrere Millionen Unterstützer besitzt und auch in den US-Medien inzwischen durchaus vorkommt..

In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten schreibt Bruder Bacati, ein Mitglied dieser Kirche, unter anderem:

Mit großer Freude entnahm ich der Presse Ihre Offenheit und Ihr Engagement für einen kritischen Umgang mit evolutionären Ideen. Wir sollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, in der Schule verschiedene Ansichten zur Entstehung der Welt, des Menschen und aller Geschöpfe zu hören. Ich bin jedoch besorgt, dass bei Ihrer für Anfang nächsten Jahres geplanten Diskussion über die „Vereinbarkeit von Evolution und Glauben“ nur eine der Theorien des Kreationismus zu Wort kommen könnte. Dabei ist ganz klar, dass es hier mehrere Ansätze gibt. Ich glaube, wie viele andere Menschen auch, fest daran, dass das Universum von einem Fliegenden Spaghettimonster erschaffen wurde. ER war er, der alles schuf, was wir sehen und fühlen.

Oder um es einfacher zu sagen. Wenn schon Kreationismus, dann aber auch die Thesen der Spaghettimonster-Kirche. Was angesichts der bei uns praktizierten Glaubensfreiheit ja eigentlich selbstverständlich sein sollte. Außerdem wirkt das Welterklärungsmodell der Nudel-Gläubigen in sich schlüssig und ist zum Teil auch wissenschaftlich belegt. So heißt es in dem offenen Brief: „Vielleicht ist es noch interessant zu erwähnen, dass die uns zurzeit plagenden Naturkatastrophen, die globale Erwärmung und Hurrikane wie Katrina und Rita eine direkte Konsequenz aus der rückläufigen Zahl der Piraten seit dem Jahre 1800 sind." Ja, da staunt Al Gore!

Weitere Belege für die wissenschaftliche Seriosität dieser Kirche findet man auf ihrer Homepage. Und wer an das Spaghettimonster glaubt, der hat sogar Vorteile:

Und da ein Biervulkan im Himmel besser ist als 77 langweilige Jungfrauen oder das Harfengedudel von Engeln, ist ein Eintritt in diese Religionsgemeinschaft mehr als eine Überlegung wert. Und auch die anfängliche Frage lässt sich dann sofort locker beantworten: Zuerst war die Nudel!

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