Zweifache biometrische Gesichtserkennung bei Flugpassagieren

Lufthansa und Tochter Swiss haben mit biometrischer Gesichtserkennung begonnen. Die soll auch mit Mund-Nasenschutz sicher funktionieren. Die staatliche Erkennung schwächelt beim Make-up

Der Reduzierung persönlicher Kontakte kommt unter Corona-Bedingungen eine erhebliche Bedeutung zu. Die Automatisierung unvermeidbarer Abläufe dürfte auch hier ursprünglich der Auslöser für eine Entwicklung gewesen sein, deren Einführung durch Corona dann noch befördert wurde.

An bislang zwei deutschen Flughäfen in München und Frankfurt können zuvor registrierte Passagiere sich beim Boarding und der Sicherheitskontrolle mit einem Blick identifizieren. Dazu müssen sie lediglich in die am Zugang eingerichtete Kamera blicken und sollten dafür aktuell nicht einmal ihren Mund-Nasenschutz abnehmen müssen, weil das eingesetzte Gesichtsfelderkennungs-Programm namens Star Alliance Biometrics auf die Augenpartie fokussiert. Je nach Art Ihrer Maske kann das System jedoch wohl irritiert werden, was zu Einschränkungen bei der Zutrittskontrolle führen kann.

Voraussetzung für die Teilnahme an dem neuen Programm ist ein gültiger Reisepass und die Lufthansa App. Miles & More-Mitglieder von Lufthansa und Swiss sollen sich als erste registrieren können. Die Registrierung soll nur wenige Minuten dauern und muss mindestens 24 Stunden vor Abflug erfolgt sein. Anhand der dann vorliegenden Daten soll der Passagier dann eindeutig identifiziert werden können. Damit soll die Bordkarte überflüssig werden.

Die Lufthansa App ist sowohl für Android, iOS als auch für Smartphones von Huawei verfügbar. Andere Quellen erwähnen die Star Alliance App als mögliche Voraussetzung für den biometrisch freizugebenden Zugang. In der Fluggesellschaft-übergreifenden App könne man auch festlegen, welche Airlines und Flughäfen die eingestellten biometrischen Daten nutzen dürften.

Um Nutzer zu beruhigen, die das Datensammeln großer Konzerne nicht unterstützen wollen, stellt man beim Anbieter des Kundenbindungsprogramms Miles and More fest, dass die Daten nur dazu genutzt werden, nach einem erfolgreichen Abgleich das Boarding freizugeben. Zudem versichert man, dass die Boardingsoftware die Daten nur bis maximal zwei Stunden nach Abflug speichern würde.

Abfertigungsbeschleunigung soll Passagiere begeistern

Das Prinzip der Zugangskontrolle ist nicht wirklich neu, hat sich bislang im Bereich der Luftfahrt noch nicht durchgesetzt. Die Corona-bedingten Einbrüche im Luftverkehr haben inzwischen einerseits den Sparzwang gesteigert und mit dem Verzicht auf kostenlose Verpflegung bei Europaflügen allein lassen sich die Betriebskosten nicht in ausreichendem Umfang auffangen. Auf der anderen Seite bietet der Einbruch bei den Passagierzahlen jetzt auch die Möglichkeit, mit vergleichsweise geringem Druck ein neues, stärker digitalisiertes Abfertigungssystem einzuführen.

Neben dem Zeitgewinn für die Passagiere dürfte das neue System auch den Flughafengesellschaften die Chance bieten, auf längere Sicht ihre Personalkosten zu senken, auch wenn an den Flughäfen derzeit der Kundennutzen in den Vordergrund gestellt wird, wenn sich beispielsweise Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH wie folgt zitieren lässt:

Die Biometrie bietet uns die Möglichkeit, die Prozesse am Flughafen München zugunsten der Reisenden weiter zu beschleunigen und zu vereinfachen. Dadurch werden nicht nur der Passagierkomfort, sondern dank des kontaktlosen Verfahrens auch die Hygienestandards und der Gesundheitsschutz gesteigert.

Jost Lammers

Keine Verbindung zum EasyPass an den Schengen-Außengrenzen

Das biometrische Zugangskontrollsystem "Star Alliance Biometrics" kann von allen Fluggesellschaften der Star Alliance eingesetzt werden und ist nicht mit dem hoheitlichen EasyPass-System zur Grenzkontrolle an den 214 eGates an bislang sieben deutschen Flughäfen verbunden, wobei in Berlin noch Tegel aufgeführt wird (Stand 24.11.2020).

Die Nutzung setzt einen elektronischen Reisepass eines EU-Mitgliedsstaates, der Schweiz oder des Europäischen Wirtschaftsraums voraus, den man mit der Lichtbildseite auf dem Dokumentenlesegerät platzieren muss.

EasyPass soll dann die Daten auf dem Dokument einscannen und öffnet dann die Schleusentür. Deutsche Staatsangehörige mit einen neuen deutschen Personalausweis im Scheckkartenformat können diesen ebenfalls im Rahmen von EasyPass verwenden. Mit EasyPass-RTP (Registered Traveler Program) können auch Nicht-EU-Bürger, die einen ePass besitzen, die Vorteile der erleichterten Kontrollen an den Schengenaußengrenzen nutzen.

Zur Gesichtsbildverifikation bei EasyPass muss man geradeaus in den digitalen Spiegel blicken, der sich in der Ausgangstür befindet. Kopfbedeckungen oder Sonnenbrillen, sollten abgenommen werden. Auch Veränderungen des Gesichtes durch starkes Make-Up oder eine Brille mit breiteren Rändern, können die Gesichtserkennung irritieren.

Es ist damit zu rechnen, dass auch ein Mund-Nasenschutz zu Fehlermeldungen führen wird und daher zur Kontrolle abgenommen werden muss. Das hoheitliche biometrische Identifikationssystem wurde bislang offensichtlich nicht an die derzeit geltenden Rahmenbedingungen angepasst. (Christoph Jehle)