Zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Bild: Copernicus Climate Change Service, ECMWF

Die Energie- und Klimawochenschau: Gefahr der Wüstenbildung, Proteste gegen Braunkohle und die Zukunft der Ölförderung im Meer

Das Jahr 2017 gehörte zu den acht wärmsten Jahren seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 in Deutschland. Im Vergleich zur Periode 1981 bis 2010 war es um durchschnittlich 0,7 Grad wärmer - und das, obwohl sich der Sommer im Norden eher von der kühlen Seite präsentierte. Damit reihte sich auch das vergangene Jahr in einen langjährigen Erwärmungstrend ein, in den letzten 30 Jahren war es dem Deutschen Wetterdienst zufolge nur zweimal kälter als im Mittel.

Ansonsten bleibt 2017 wohl regional mit Überschwemmungen nach Stark- und Dauerregen und mit den heftigen Herbststürmen Xavier und Herwart in Erinnerung, die deutliche Spuren in zahlreichen Wäldern hinterließen. Klimaforscher der Universität Hohenheim prognostizieren für die Zukunft längere Hitzeperioden in Deutschland sowie heftigere Starkregen. Kälteperioden würden dagegen abnehmen oder ganz ausbleiben.

Die Ostküste der USA bis weit in den Süden nach Florida erlebt hingegen gerade eine extreme Kältewelle, die Donald Trump sogleich veranlasste, per Twitter spöttisch nach mehr globaler Erwärmung zu rufen. Wie berichtet, debattieren Wissenschaftler noch darüber, ob die Kältewelle mit einer Abschwächung des Jetstreams und damit durchaus mit dem Klimawandel zu tun haben könnte.

Dennoch muss ein einzelnes Wetterereignis nicht unbedingt im globalen Klimatrend liegen. 2017 war laut Weltwetterorganisation WMO eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen.

Nach Angaben des Copernicus Climate Change Service des European Weather Centre war 2017 nur 0,1 Grad kälter als 2016 und damit das Jahr mit den zweithöchsten Temperaturen überhaupt. Anders als 2016 wurden die Temperaturen nicht zusätzlich durch das Wetterphänomen El Niño angeheizt. Seit November 2017 herrscht ein schwaches, die Temperaturen im Pazifik eher kühlendes La Niña Phänomen.

Das südafrikanische Kapstadt leidet derzeit unter einer Dürre, Ende April könnten der Stadt die letzten Wasserreserven ausgehen. Teile Südafrikas drohen wie auch andere Regionen der Welt bei einem Temperaturanstieg von über 1,5 Grad zur Wüste zu werden. Der Mittelmeerraum, Südafrika und die Ostküste sind immer stärker von Dürren betroffen. Gebiete, in denen bislang semi-aride Konditionen herrschten, darunter ebenfalls Teile Südafrikas und Australiens, Brasiliens und Mexikos, könnten komplett zur Wüste zu werden. Bei einem globalen Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius könnten 20 bis 30% der Landflächen ein arides Klima entwickeln. Würde die Erwärmung jedoch auf maximal 1,5 Grad begrenzt, könnten zwei Drittel dieser Gebiete vor extremen Veränderungen bewahrt werden.

Pläne für einen CO2-Preis?

Am Montag haben offiziell die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD begonnen. Die Klimapolitik, insbesondere der Kohleausstieg stehen bei keiner der Parteien besonders weit oben auf der Agenda - wenn es nicht gar gilt, die Kohlelobby und ihr ineffizientes und unflexibles System der Energieerzeugung möglichst lange vor Veränderungen zu schützen. Presseberichten zufolge wird bei der SPD wohl über eine CO2-Steuer nachgedacht.

Nach dem internen Papier, dessen genaue Autoren unbekannt sind, sollten CO2-Preise auf alle fossilen Energieträger entfallen und dadurch andere Abgaben wie die Stromsteuer, die für fossilen wie erneuerbaren Strom gleichermaßen gilt, ersetzt werden. Ebenso könnten Industrierabatte bei der EEG-Umlage entfallen und die Haushalte so wieder entlastet werden. Das Wort Kohleausstieg soll in dem Dokument nicht vorkommen.

Greenpeace-Aktivisten erinnerten zum Auftakt der Koalitionsgespräche vor der SPD-Parteizentrale mit einem aufblasbaren Schaufelbagger an das Thema Kohleausstieg. Bei einer von Greenpeace beauftragten Meinungsumfrage unter SPD-Anhängern hatten sich 78% der Befragten für einen Kohleausstieg ausgesprochen, 83% für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Unterdessen wird berichtet, dass die potenziellen Koalitionäre das Klimaziel von 40% CO2-Einsparung bis 2020 aufgegeben hätten.

In den beiden großen Braunkohlerevieren reißen die Proteste gegen die Erweiterung der Tagebaue nicht ab. Am Sonntag gab es in der Lausitz eine Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf. Der Tagebau Jänschwalde sollte früher als bislang geplant beendet werden, so die Demonstrationsteilnehmer. Der Tagebau hat zu einer Absenkung des Grundwassers in der Region geführt, wodurch in sieben Seen der Wasserspiegel fällt.

Im Rheinischen Revier besetzten Aktivisten am Montag den Immerather Dom und das Dach eines Nachbargebäudes, um gegen den Abriss der Kirche für den Braunkohletagebau zu protestieren. Gegen Mittag wurde die Kirche geräumt und anschließend mit dem Abriss begonnen. Die katholische Kirche St. Lambertus ist seit Ende 2013 aus ihrer Funktion als Gotteshaus entwidmet. Immerath wird bereits seit 2006 für den Tagebau Garzweiler umgesiedelt.

Deutschlands Stromexporte weiter auf hohem Niveau

Wie bereits berichtet,, war 2017 ein ertragreiches Jahr für die Windenergie in Deutschland. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die erneuerbaren Energieträger ihren Anteil an der Stromerzeugung auf 36,1% steigern konnten, das sind 3,8% mehr als 2016. Diese Zahlen hat der Thinktank Agora Energiewende vorgelegt.

Trotz der erfreulichen Entwicklung bei den Erneuerbaren konnte der deutsche Kohlendioxidausstoß abermals nicht gesenkt werden. Die Einsparungen im Stromsektor werden durch den steigenden Energieverbrauch im Verkehr, im Gebäudebereich und in der Industrie wieder wettgemacht.

Außerdem bestehen immer noch erhebliche Kraftwerksüberkapazitäten. 60 Terawattsthunden Strom wurden laut Agora ins Ausland verkauft, das seien rund 10% des Inlandsstromverbrauchs. "Bei den Erneuerbaren Energien sind wir 2017 mit Blick auf Ausbau und Kostensenkung gut vorangekommen. Beim Klimaschutz steht das Vorreiterland Deutschland jedoch kurz vor dem Scheitern. Dies hat drei Ursachen: Erstens steigen die Emissionen im Verkehr, vor allem im Güterverkehr seit Jahren an; zweitens steigert die Industrie ihre Effizienz nicht in dem Maße wie sie ihre Produktion erhöht; und drittens verbleibt der CO2-schädlichste Energieträger, die Braunkohle, auf konstant hohem Niveau. Wenn die neue Regierung hier nicht schnell gegensteuert, wird Deutschland seine Klimaschutzziele für 2020 und auch für 2030 massiv verfehlen", mahnt Agora-Direktor Patrick Graichen.

Belize stoppt Offshore-Bohrungen

Ebenfalls berichtet wurde über Trumps Pläne, Öl- und Gasbohrungen in fast allen Küstengewässern zu erlauben. Dazu zählen auch arktische Gewässer vor der Küste Alaskas. Dabei wären Ölunfälle in der Arktis besonders kritisch, zum einen, weil Rettungsaktionen in dem rauen Klima schwieriger sind als anderen Orts, zum anderen, weil Ölrückstände in dem kalten Klima viel langsamer abgebaut würden. Die Folgen der Havarie des Öltankers Exxon Valdez im Jahr 1989 sind an Alaskas Küste noch immer sichtbar.

In Norwegen klagten Greenpeace und Nature and Youth gegen die Pläne der Regierung, Bohrlizenzen für die Arktis zu vergeben. Allerdings entschied das Gericht am 4.Januar gegen die Kläger. Diese hatten argumentiert, dass die Erschließung neuer Ölvorkommen nicht mit den norwegischen Klimazielen vereinbar sei und dass die Regierung verpflichtet sei, dass Recht auf eine gesunde Umwelt zu verteidigen. Das Gericht sieht die Regierung hingegen nur für die Emissionen verantwortlich, die innerhalb des Landes entstehen, nicht jedoch für Emissionen aus dem Export fossiler Brennstoffe.

Ein klares Bekenntnis zum Meeres- und Küstenschutz hat hingegen das mittelamerikanische Belize abgegeben. Die Gesetzgeber verabschiedeten einstimmig ein Moratorium über die Erdölförderung vor der Küste des Landes. Dort befindet sich ein 300 Kilometer langes Riffsystem, das zweitgrößte Korallenriff nach dem australischen Great Barrier Reef. Für Belize ist das Riff die bedeutendste Touristenattraktion und auch eine wichtige Einnahmequelle. Hunderttausende sind außerdem in der Fischerei beschäftigt und nicht zuletzt trägt das Korallenriff zum Küstenschutz bei.

Angesichts der Tatsache, dass Korallen zunehmendem Hitzestress ausgesetzt sind, ist es umso wichtiger,andere Belastungen zu reduzieren. Korallen sind immer häufiger von Bleichen betroffen und haben immer weniger Zeit, sich wieder zu erholen. Ein Team unter dem Leitautor Terry Hughes vom australischen ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies fand heraus, dass Korallen in den 1980er alle 25 bis 30 Jahre von Bleichen betroffen waren, heute hingegen alle sechs Jahre.

Bei einer Bleiche stoßen die Korallen die Zooxanthellen ab, mit denen sie in Symbiose leben und die sie mit Nährstoffen versorgen. Dies ist ein Selbstschutzmechanismus, denn die Zooxanthellen produzieren bei hohen Wassertemperaturen Giftstoffe. Über längere Zeit können die Korallen jedoch nicht ohne ihre Symbiosepartner überleben.