Zwischen Mäusen und Menschen

Ratten sind keine Aliens (nur Mäuse, nicht wahr, Douglas?)

Darauf fallen mir drei Antworten ein.

Die erste: Es gibt keinen Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Trotz aller Diskrepanzen sind Mäuse keine Aliens, sondern Säugetiere wie Du und ich. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass bei ihnen Alles anders ist. Daraus, dass man aus einem Mäusebefund nicht unhinterfragt auf einen Menschenbefund schließen darf, folgt nicht, dass kein Mäusebefund sich beim Menschen replizieren lassen wird.

Auch hier gibt es ein schönes Gegenbeispiel aus dem Sehsystem: Mäuse und Ratten werden bekanntlich blind geboren und öffnen ihre Augen, wenn sie 13 bis 15 Tage alt sind. Forscher aus Pisa massierten neugeborene Rattenbabies ab der Geburt bis zum zwölften Lebenstag, um besondere mütterliche Fürsorge zu imitieren. Diese Behandlung beschleunigte die Entwicklung des Sehsystems mit schnellerer Reifung der elektrophysiologisch messbaren Reizverarbeitung und früher ansteigender Sehschärfe bis zum Beginn der Pubertät.

Im selben Artikel beschrieben die Kollegen auch, wie sie dieselbe Behandlung an Frühchen im Geburtskrankenhaus von Pisa durchführten: dreimal täglich eine kurze Massage am ganzen Körper. Und auch bei den Menschenbabys reifte das Sehsystem früher.

Sowohl bei den Ratten als auch bei den Menschen fand sich eine höhere Konzentration des Wachstumsfaktors IGF im Blut, wenn sie massiert wurden. Und bei den Ratten war das möglich, was bei Menschen undenkbar war, nämlich eine Kontrollbehandlung mit einem Gegenmittel gegen IGF. Dieses verhinderte tatsächlich den Effekt des Streichelns.

Zugegeben: Das waren Ratten, keine Mäuse, und vielleicht sind Ratten uns Menschen tatsächlich ähnlicher als Mäuse ("Lasst den Ali in Ruhe, der ist doch eine Ratte wie wir!"). Aber die Studie demonstriert, was für bildschöne Wissenschaft dabei herauskommen kann, wenn man "Modellorganismen" sinnvoll benutzt.

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