Zwischen Mäusen und Menschen

Der Unterschied, der den Unterschied macht

Die zweite Antwort: Ehrlichkeit vorausgesetzt, hat jeder Unterschied in den Befunden eine Ursache. Und Naturwissenschaft ist die Suche nach Ursachen. Es können winzige, ja, völlig absurd erscheinende Kleinigkeiten sein, die beeinflussen, ob sich ein Befund replizieren lässt.

Ich habe miterlebt, dass die Ethanolverdünnung - getreu Bondscher Maßgabe - geschüttelt werden musste, nicht gerührt, weil sich sonst die Schnitte entfärbten. Oder dass Versuche nicht mehr funktionierten, als die Destille kaputt ging und das destillierte Wasser aus dem Nachbargebäude geholt werden musste. Aber wenn man dran bleibt - und die Möglichkeiten hat -, kann die Suche nach dem Unterschied, der einen Unterschied macht, ihrerseits zu Entdeckungen führen.

Als zwei Labore den hochrangig publizierten Befund des Altersforschers Gordon Lithgow, dass Antioxidantien die Lebenszeit des Fadenwurms Caenorhabditis elegans (noch so ein "Modellorganismus") um die Hälfte verlängern, nicht replizieren konnten, sponsorte das National Institute of Aging ein Verbundprojekt, in dem alle drei Labore ihre Methoden so lange vereinheitlichten, bis ihre Ergebnisse übereinstimmten. Das dauerte vier Jahre und brachte nebenbei die Entdeckung, dass die identischen Würmer anscheinend zwischen zwei Lebensspannen "wählen" können.

Viele interessante Entdeckungen beruhen auf dem Unwillen, unerklärliche Diskrepanzen einfach hinzunehmen oder in einer vergrößerten Stichprobe verschwinden zu lassen. Wenn man zweimal scheinbar dasselbe tut, aber zwei unterschiedliche Ergebnisse erhält, kann eine Detektivarbeit einsetzen, die frustrierend, aber auch sehr lohnend sein kann.

Anzeige