Zwölf Prozent mehr Todesfälle im Juli

Auch wenn sich die Risikogruppen ähneln: Um diese Jahreszeit ist der Anstieg nicht in erster Linie durch Covid-19-Todesfälle zu erklären. Symbolbild: calimiel auf Pixabay (Public Domain)

Das Statistische Bundesamt geht wegen des zeitlichen Zusammenhangs von einem großen Anteil Hitzetoter aus. Die Todesursachenstatistik für dieses Jahr wird aber erst Ende 2023 veröffentlicht.

Die gesundheitlichen Risikofaktoren für schwere Covid-19-Verläufe und hitzebedingtes Herz-Kreislauf-Versagen ähneln sich. Die "saisonalen Effekte" unterscheiden sich dagegen stark. Im Juli dieses Jahres sind zwölf Prozent mehr Menschen in Deutschland gestorben als im Mittel der Jahre 2018 bis 2021. In absoluten Zahlen waren es laut Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes 85.285 Todesfälle und somit 9130 mehr als im Durchschnitt der Vorjahre, was von der Behörde zu wesentlichen Teilen auf die Hitzewellen zurückführt wird.

Eine genaue Todesursachenstatistik für dieses Jahr werde zwar erst Ende 2023 veröffentlicht, der zeitliche Zusammenhang sei aber deutlich, sagte eine Destatis-Sprecherin an diesem Dienstag gegenüber Telepolis.

"Ein bekannter Effekt"

In der 26. Kalenderwoche seien es sieben Prozent mehr Todesfälle als im Durchschnitt der Vorjahre gewesen, in der Folgewoche acht Prozent. Dann, in den Wochen vom 11. bis zum 31. Juli, habe es im Vergleich zu den Vorjahren jeweils einen zweistelligen Anstieg gegeben: In der 28. Woche um 16 Prozent, in der 29. Woche sogar um 24 Prozent und in der 30. Woche um 14 Prozent.

Die bislang höchste Temperatur des Jahres war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am 20. Juli mit 40,1 Grad in Hamburg-Neuwiedenthal gemessen worden.

"Dass im Zuge von Hitzewellen die Sterbefallzahlen ansteigen, ist ein bekannter Effekt, der bereits in den Vorjahren beobachtet wurde. In diesem Jahr sind jedoch bereits bis Ende Juli außergewöhnlich viele Wochen von diesem Effekt betroffen", erklärten die Statistikfachleute.

Durch gesetzliche Regelungen zur Meldung von Sterbefällen beim Standesamt und Unterschiede im Meldeverhalten der Standesämter an die amtliche Statistik sind die Daten noch unvollständig.

Aufgrund der hohen Relevanz aktueller Sterbefallzahlen in der Corona-Pandemie hat das Statistische Bundesamt ein Schätzmodell zur Hochrechnung der unvollständigen Daten entwickelt. "Damit lassen sich bundesweite Sterbefallzahlen bereits nach etwa einer Woche bereitstellen", stellte die Statistikbehörde klar.

Dabei würden die Sterbefallzahlen der letzten neun dargestellten Wochen auf Basis der bislang eingegangenen Meldungen aus den Standesämtern hochgerechnet. Sie könnten deshalb zu einem späteren Zeitpunkt "geringfügig höher oder niedriger" sein.

Corona-Todesfälle erklären Anstieg nur zu einem geringen Teil

Die eim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Covid-19-Todesfälle erklären den bislang festgestellten Anstieg laut Destatis nur zu einem geringen Teil.

Ein Vergleich der gesamten Sterbefälle mit der Zahl der beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Covid-19-Todesfälle nach Sterbedatum ist momentan laut Destatis bis einschließlich der 28. Kalenderwoche 2022 vom 11. bis zum 17. Juli möglich. Beim RKI seien bislang 508 Covid-19-Todesfälle mit Sterbedatum in diesem Zeitraum gemeldet worden, hießt es an diesem Dienstag. Die gesamten Sterbefallzahlen lagen aber in der 28. Kalenderwoche um 2.525 Fälle (16 Prozent) über dem mittleren Wert der vier Vorjahre. (Claudia Wangerin)