Zypern vs EZB

War die Sparerbeteiligung bei der Rettung der Banken Zyperns von langer Hand geplant?

"Würde das (US)-amerikanische Recht gelten, dann wäre all das, was damals auf Zypern geschah, ein klarer Fall geplanten Betrugs", sagte der frühere Chef der Zentralen Notenbank Athanasios Orfanides: "Urheber dieses Betrugs zu Lasten der Zyprioten sind die Europäische Zentralbank, die Zentrale Notenbank und die Republik Zypern."

Orfanides machte diese Äußerungen im Rahmen einer Buchvorstellung. "The Cyprus Bail In: Policy Lessons from the Cyprus Economic Crisis", heißt das Werk, welches am 28. Juli vom Zentrum für Studien Tassos Papadopoulos präsentiert wurde. Orfanides sieht im Vorgehen der EU und der Eurogruppe seit 2010 die Schritte zur Sparerenteignung.

Ganz neu sind die Anschuldigungen Orfanides nicht. Denn auch er beruft sich außer auf den Inhalt des Buches auf eine Veröffentlichung der griechischen Webseite ThePressProject. Deren Betreiber war es gelungen, eines als geheim eingestuften Papiers der EZB habhaft zu werden und dieses zu veröffentlichen (vgl. dazu den zugrunde liegenden deutschsprachigen Artikel).

Zusammen mit den Äußerungen des damaligen Finanzministers Zyperns Michalis Sarris gegenüber dem Journalisten des Tagespiegels, Harald Schumann, belegte ThePressProjekt seinerzeit, dass Zyperns Banken beim Zwangsverkauf der griechischen Filialen einen Nennwertverlust von knapp 7,5 Milliarden Euro hinnehmen mussten. Den Sparern auf der Insel wurden gleichzeitig 3,5 Milliarden Euro abgepresst.

Das Thema bleibt auf Zypern hochaktuell, weil die enteigneten Sparer immer noch auf eine versprochene staatliche Entschädigung warten.

Aus dem vorgestellten Buch, welches ein Sammelband verschiedener Expertisen von Universitätsprofessoren ist, geht zudem hervor, wie es zur Sparerbeteiligung kam und wieso Zypern als kleines Euro-Land keine Chance zur Gegenwehr hatte.

Denn außer der amtierenden Regierung des konservativen Nikos Anastasiadis hatte auch dessen Vorgänger, ob bewusst oder unbewusst, den Weg ins Verderben vorbereitet. Unter Präsident Dimitris Chrisofias wurde am 11. Januar 2:13 Uhr kurz vor den Präsidentschaftswahlen eine EU-Direktive in nationales Recht implementiert. Diese sah die Sparerbeteiligung im Fall einer Bankenrettung vor. Allerdings galt sie eigentlich erst ab dem 1. Januar 2018. Unter dem Druck der Eurogruppe und des IWF musste Zypern sie bereits im März 2013 durchführen. (Wassilis Aswestopoulos)

Anzeige