..."hat da gerade jemand JEHOVA gesagt???"

Mel Gibson, Monthy Python und das Internet: Blasphemie ist kein Thema mehr

Der Monty-Python-Film "Das Leben des Brian" konnte 1979 nur dank Unterstützung durch George Harrison fertig gestellt werden und war zunächst ziemlich umstritten. Jetzt soll er dagegen sogar gegen Mel Gibsons Passions-Drama anstinken.

Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen: "Das Leben des Brian" ist seit Jahren Kult und im FIDO, im Usenet und in Chats gehören Zitate aus dem Film einfach dazu - von "Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist????" über "Lerchenzungen! Zaunköniglebern! Buchfinkenhirne! Gefüllte Jaguarohrläppchen! Wolfzitzenchips!", "Setz' Dich, nimm Dir'n Keks", "Chleudert den Purchen zu Poden!", "Jeder nur ein Kreuz" bis zum unvermeidlichen "Er hat JEHOVA gesagt, steinigt ihn!!!" kenn sie jeder, selbst wenn er den Film nicht gesehen hat. Doch 1979, als "Das Leben des Brian" herauskam, galt die Parodie auf Bibel- und Sandalenfilme als blasphemisch.

"Ist noch jemandem zumute nach einer kleinen Chelmerei? Wenn ich meinen liepen Freund erwähne, Chwanzus Longus?" (Monty Python - Das Leben des Brian)

Auch heute noch haben es Parodien nicht immer leicht. Ist ein Film dagegen todernst gemeint und fließt gar das Blut oder zumindest der Regen in Strömen, so ist er ein anerkanntes Kunstwerk. Außer im Internet natürlich, wo selbst die von Fantasy-Fans weltweit verehrten und nun für teures Geld aufwendig verfilmten Tolkien-Bücher respektlos in Kritiken zerrupft werden (Tolkien reloaded). Ja schlimmer sogar, nach in Kinosesseln plattgesessenen Hinterteilen versauen Zeichner aus Rache auch noch das Geschäft mit DVD-Boxen inklusive Zusatzdisk und Mini-Gollum durch Präsentation einer zeitsparenden Kurzfassung und bieten diese auch noch zum freien Download an.

Nicht besser erging es Mel Gibsons "The Passion of the Christ", der bislang blutigsten Version (O'zapft is!) der alljährlichen Passionsspiele, der bereits neben dem Leinwandgemetzel zwei echte Tote gefordert hat. Dieser Film reißt kulturübergreifend nicht nur gestandene Christen zu vielseitig interpretierbaren Jubelrufen wie "hat die Wucht des 11. September" hin, nein auch in den arabischen Ländern ist die Begeisterung für den "erfolgreichsten Splatterfilm aller Zeiten" groß, obwohl islamische Fundamentalisten doch die bildliche Darstellung auch fremder Religionen ablehnen. Sogar als 1-Dollar-Raubkopie in China ist das Mel-Gibson-Werk beliebt. Und auch hier gibt es wieder eine kinderfreundliche und dennoch blutige Kurzversion im Netz, die die Verwandschaft mit Monthy Python nicht leugnen kann.

Nachdem nun gerade entschieden wurde, dass die Meinungsfreiheit in den USA durchaus gegeben ist, sofern die Meinung auf einem T-Shirt Platz findet, finden sich Ereignisse des Tages sofort auch auf Baumwollstoff wieder und so gibt es neben Shirts mit eingebauter Fehlfunktion nun auch das T-Shirt für den bekennenden Kreuziger: Es schützt zuverlässig vor Wiederauferstehungen oder gar Schatten an der Wand

Demgegenüber ist Monthy Pytons Klassiker mittlerweile wirklich ein Film für die ganze Familie geworden - und soll deshalb zu seinem 25. Geburtstag als beruhigende Alternative zu Gibsons Gemetzel (Jesus und das Blut-Fest der Medien) wieder in die Kinos kommen.

LifeŽs a piece of shit When you look at it Life's a laugh and death's a joke, it's true You see itŽs all a show Keep them laughing as you go Just remember that the last laugh is on you And always look on the bright side of life

Monty Python - The life of Brian

(Wolf-Dieter Roth)

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