100 Prozent bis 2050

Erneuerbare Energieträger können die Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten vollständig übernehmen

Während die Mitglieder des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in einer Umfrage mehrheitlich die Aussichten für den Ausbau der erneuerbaren Energieträger eher zurückhaltend bewerten, kommt eine Studie der Europäischen Klimastiftung zu einem ganz anderen Ergebnis. Bis 2050 kann die Energieversorgung zu 100 Prozent auf Sonne, Wind & Co. umgestellt sein. Die Versorgung mit Elektrizität kann ebenso verlässlich wie bisher organisiert werden, und der Umbau ist kaum teurer, als wenn weiter auf fossile Energieträger gesetzt würde. Insbesondere dann nicht, wenn das bei den Bürgern in den betroffenen Regionen äußerst unbeliebte Konzept der CO2-Abtrennung und -Einlagerung weiter verfolgt wird.

Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, meinte bei der Vorstellung der Studie in Berlin: "Es gibt keine Wahl zwischen Teufel und Beelzebub, zwischen hochriskant und teuer: Vielmehr können wir binnen als einer Generation in Europa eine klimaneutrale

und

risikoarme Stromversorgung aufbauen. Die Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist realistisch, sicher und bezahlbar."

Die von der industrienahen Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey unter Mitwirkung von Vertretern der großen Stromkonzerne wie RWE und E.on erarbeitet Studie geht von den gegenwärtigen technologischen Trends, sowie den politischen Vorgaben aus, dass bis 2050 die CO2-Emissionen um 80 bis 95 Prozent reduziert sein müssen, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll.

Um das zu erreichen, müssen die Energiesysteme effizienter und Investitionssicherheit durch klar formulierte Ziele geschaffen werden. Insbesondere muss die EU die Initiative für ein europaweites Stromnetz ergreifen, das den Austausch großer Mengen Strom aus variabel einspeisenden Sonnen-, Wind- und Wasserkraftwerken ermöglicht. Eines der Standbeine der Energieversorgung wird der Import von 15 Prozent des Strombedarfs aus Nordafrika sein. Weiterhin muss die Geothermie stärker ausgebaut werden. Kürzlich ist in den Niederlanden der Vorschlag aufgekommen, Island könne seine Schulden gegenüber Großbritannien und den Niederlanden mit Strom aus der dort reichlich vorhandenen Geothermie bezahlen, wenn ein Hochspannungsgleichstromkabel zum Kontinent gelegt würde.

Unterdessen hat der Bundesverband Erneuerbare Energien eine kleine 488/Meldungen/2010/Jaehrliche-Investitionen-durch-Erneuerbare-Energien-verdoppeln-sich-bis-2020.html: Untersuchung über die Entwicklung der hiesigen Investitionen in Wind & Co. vorgelegt. Das Ergebnis: Bis 2020 werden sie sich auf über 28 Milliarden Euro jährlich verdoppeln. Insgesamt wird im kommenden Jahrzehnt in Deutschland in den Ausbau der sauberen Energieformen 235 Milliarden Euro gesteckt. Zum Vergleich: 2009 haben die konventionellen Strom- und Gasversorger rund 12,4 Milliarden Euro investiert.

Die Branche rechnet damit, dass sie 2020 mindestens 500.000 Menschen beschäftigen wird. "Mit den anstehenden Milliardeninvestitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien erhöhen sich Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland, ohne dabei das Klima zu belasten und Ressourcen zu verschwenden. Voraussetzung für diese positive Entwicklung sind allerdings stabile politische Rahmenbedingungen wie sie im Stromsektor beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz bietet", meinte BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann bei der Vorstellung der Studie. Oder anders ausgedrückt: Die Prognose gilt nur, wenn die konservativ-liberale Koalition der neuen Industrie in den nächsten Monaten und Jahren mit verlängerten AKW-Laufzeiten und dem Ausbau der Kohlekraft keine Knüppel zwischen die Beine wirft.

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