"17 Meilen vor der Küste gibt es kein klares Wasser mehr"

Die Auswirkungen der Ölpest im Golf werden immer drastischer sichtbar

Tote Delphine, verendende Wale, verbrannte Meeresschildkröten, eine ständige Flut von Ölklumpen und Schlick, der an Touristenstrände gespült wird, das Ausmaß der Katastrophe im Golf von Mexiko drängt sich immer deutlicher auf. Videos, aufgenommen aus einem Flugzeug, zeigen, was die Grafik der Überblickskarten nur ahnen läßt, eine in Regenbogenfarben schillernde Meeresoberfläche - "At 17 miles out, it was obvious that the entire Gulf was covered at this point. There was no more clean water" -, riesige Ölschlieren, Feuer und Rauch. Näher dran am jüngsten "Ground Zero", dem Leck, verdunkelt sich alles durch monströse Rauchschwaden von den großen Feuern auf den zahlreichen Schiffen, ein Kriegsschauplatz.

Wie sehr der Rauch die Luft belastet, ist bislang noch kein Thema. Umweltschützer haben zwar eine Klage gegen BP wegen des Abbrennens von Öl an der Meresoberfläche eingereicht, aber dies mit Hinweis auf Verbrennungen von Meeresschildkröten begündet. Das Abfackeln von Methangas in der Nähe der Quelle verhindert nicht, dass das Gas unter Wasser unabsehbare Schäden anrichtet, wie Wissenschaftler auf zwei Forschungsreisen festgestellt haben. Unterwasser gebe es immer mehr und größere "Todeszonen". Infolge von Kettenreaktionen, die eine stellenweiseweise 100 000fach über dem Normalwert liegende Konzentration von Methangas in Gang gesetzt habe, werde Sauerstoff vernichtet. Forscher wie Fischer berichten von Fluchtbewegungen der Fische und anderer Meerestiere aus dem Katastrophengebiet zur Küste. Die Auswirkungen auf die Nahrungskette seien nicht absehbar.

Indessen positionieren sich die Republikanische Partei, unterstützt von Abgeordneten der Demokraten, deutlicher gegen Obama. Dessen Reaktion sei "zu sehr dem Umweltschutz verpflichtet" (!),wohingegen es aber doch auch wichtige wirtschaftliche Interessen gebe, die gewahrt bleiben müssten, heißt es aus Kreisen der republikanischen Partei. Sie will eine neue Kommission zur Ölpest gründen, mit einem "weitergefassten" Gesetzesvorschlag für Bohrungen vor der Küste.

Neue Gesetzesvorschläge von dieser Seite sehen zwar höhere Strafen und Schadensersatzverpflichtungen vor, verpflichten zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen, aber, so wird betont, sie halten am Ziel fest, dass weiter vor der Küste nach Öl gebohrt wird. Die weitergehenden Forderungen der Regierung an die Öl-Unternehmen, so der Vorwurf, würden letzlich in einem permanenten Moratorium münden, weil sich keiner der Unternehmen solche hochgeschraubten Ansprüche an Sicherheitsvorkehrungen und Haftung leisten wolle. Die Lobbyarbeit der Konzerne läuft.

Auch im Kleinen zeigen sich größere Schwierigkeiten. So kündigte der von der Regierung eingesetzte Vermittler, zuständig für den 20 Milliarden-Dollar Schadensersatzfond, schwierige Verhandlungen an, was Forderungen aus der Tourismusindustrie betrifft, die indirekt mit der Ölpest zu tun haben. Es sei nicht klar, ob auch kleinere Touristikunternehmen entschädigt werden können, weil Gäste ausbleiben, die annehmen, dass sie Strände verschmutzt sind, ohne dass dies zwangsläufig der Fall sein muss. Genauere Schadensersatzregelungen könne man überdies erst treffen, wenn der Ölaustritt gestoppt sei, so Kenneth Feinberg. Das gelte auch für den Wert von Immobilien und entsprechende Kompensation in der betroffenen Region.

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