200.000 Menschen evakuiert

Reaktorunfälle in Japan sind noch keineswegs ausgestanden. Regierung hatte wissenschaftliche Warnungen ignoriert

Das Informationschaos um die haverierten japnischen Atommeiler spricht nicht gerade für einen seriösen und vertrauenerweckenden Umgang von Regierung und Betreibergesellschaft Tepco mit den Problemen. Für Näheres über die Zustände verschiedener Reaktoren im AKW Fukushima I siehe vorhergehenden Blogbeitrag.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergieagentur, die sich auf japanische Behörden beruft, waren bis zum Samstagabend (MEZ) insgesamt schon 200.000 Menschen aus der Nachbarschaft von Fukushima I und II evakuiert, ohne dass die Massnahmen bereits abgeschlossen gewesen wären.

Das japanische Citizen's Nuclear Information Centre (CNIC) geht davon aus, dass im Reaktor 1 in Fukushima I, der derzeit mit Meerwasser gekühlt wird, eventuell die Kernschmelze bereits im Gange ist:

“A nuclear disaster which the promoters of nuclear power in Japan said wouldn't happen is in progress. It is occurring as a result of an earthquake that they said would not happen.

This could and should have been predicted. It was predicted by scientists and NGOs such as CNIC. We warned that Japan's nuclear power plants could be subjected to much stronger earthquakes and much bigger tsunamis than they were designed to withstand.“

Auch der Guardian berichtet in einem Artikel von den Warnungen eines japanischen Seismologen, der bereits 2007 darauf hingewiesen hatte, dass ein größerer Unfall in Folge eines Erdbebens sehr wahrscheinlich sei, da die AKW nicht für schwere Erdbeben ausgelegt sei. Vorausgegangen waren dem drei Vorfälle in den AKW Onagawa, Shika and Kashiwazaki-Kariwa zwischen 2005 und 2007 bei denen Erdbeben jeweils zu zum Teil erheblichen Problemen geführt hatten.

Unterdessen ist es um das AKW Fukushima II auffallend still. Am Freitag wurde von dort immerhin noch der Ausfall der Notstromversorgung an dreien der vier Reaktoren gemeldet. Die Behörden hatten eine Evakuierung im Umkreis von 10 Kilometern angeordnet.

Nebenbei zeigen die Folgen des Erdbebens auch die Probleme der zentralisierten Energieversorgung. Einer vom Guardian-Live-Blog zitierten AP-Meldung zur Folge waren am Sonntagmorgen Ortszeit noch immer vier Millionen Haushalte ohne Strom, was bei Temperaturen, die in der betroffenen Gebieten dieser Tage Nachts stellenweise bis auf zwei Grad runter gehen, nicht gerade angenehm sein dürfte.

Mit vielen kleinen Heizkraftwerken in Kombination mit Wind- und Solaranlagen lässt sich hingegen eine weitgehend dezentrale Versorgung organisieren, die auf derartige Katastrophen oder auch den Ausfall wichtiger Leitung aufgrund ungünstiger Witterung wesentlich robuster reagieren kann. Bei der dänischen Netzgesellschaft, die das dortige Hoch- und Höchstspannungsnetz betreibt, ist genau das ein erklärtes Ziel. Allerdings wird beim nördlichen Nachbarn das Stromnetz auch nicht unter gewinnorientierten Gesichtspunkten sondern nur nach Aspekten der Versorgungssicherheit bewirtschaftet.

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