31C3: Spytalk

Hacker machen Geheimdienste transparent

Beim diesjährigen Hacker-Kongress nehmen Geheimdienste wieder einen breiten Raum ein. Im Kontrast zur Ernsthaftigkeit des Themas stand jeweils der Unterhaltungswert der Vorträge. Vermutlich gibt es Geheimdienste vor allem deshalb noch, damit Nerds sich darüber amüsieren können.

James Bamford, einer der profiliertesten Autoren über US-Geheimdienste, gab eine Kurzgeschichte der NSA. Bamford hatte bereits in den 1970ern im Church-Komitee zur Untersuchung von CIA & Co. ausgesagt. Damals hatte es zwar große Einschnitte in der US-Geheimdienstwelt gegeben, was jedoch ausblieb, waren strafrechtliche Verurteilungen der Verantwortlichen. Das jedoch sollte man bei der nun überfälligen Aufarbeitung des NSA-Skandals diesmal tun, forderte Bamford. Eine Aufzeichnung seines Vortrags "Tell no-one" ist inzwischen online.

Der vormalige Analyst William Scannell schob in den 1980ern in der während des Kalten Kriegs wohl wichtigsten NSA-Field-Station auf dem Berliner Teufelsberg Dienst. Aufgabe der Teufelsberger war es, zu wissen, dass die wissen, das wir wissen, dass sie wissen, ... Da die Station von Doppelagenten längst verraten war, wussten "die" so ziemlich alles. Scannell berichtete von einer Krise, als die NSA 1984 bei den Militärs des Warschauer Pakts ein erhöhte Alarmbereitschaft registrierte - nachdem Präsident Reagan als Mikrofonprobe die in fünf Minuten beginnende Auslöschung Russlands angekündigt hatte. Während Scannell die Überwachung der eigenen Leute sehr kritisch sieht und die Teufelsberg-Station als Mahnmal fordert, bewertete er die Aufgabe der Militärsüberwachung als verdienstvoll. Etliche Hacker ließen dies nicht gelten, allerdings gab es im Wahnsinn des Kalten Kriegs, der binnen Minuten in einen nuklearen Schlagabtausch hätte umschlagen können, durchaus Fehlalarme, bei denen SIGINT-Experten mit kühlem Kopf katastrophale Reaktionen verhinderten. Auch Scahills Vortrag ist bereits online.

Auf eine amüsante Schnitzeljagd durch die NSA-Abörstationen in Wien ging dieses Jahr der Fachjournalist Erich Möchel. Wien gilt als wichtigste Stadt der diplomatischen Welt und beherbert etwa mit den UN-Einrichtungen eine Vielzahl lohnender SIGINT-Ziele. Möchl analysierte geimnisvolle Immobilien mit auffälliger Position wie die Spionage-Villa und seltsamen Aufbauten wie die Hütte auf dem IZD-Hochhaus. So hat sich die NSA auf dem Dach und in den obersten Stockwerken eines Wiener Hochhauses eingenistet, wo sie sich sukzessive ausbreitet. Darunter liegende Etagen werden vor allem deshalb gerne von Firmen verlassen, weil die NSA-Elektronik den Empfang von Handys und UKW platt macht. Die Bauwerke mit exklusive Fahrstühlen, die Spione aus der Tiefgarage unters Dach befördern, getarnten unterirdischen Bunkern und riesige Antennenschüsseln, deren Fläche beheizt und trockengeföhnt wird, sind filmreif. Da Österreich eigentlich neutral ist, dürfte es die NSA-Aktivitäten und deren offensichtliche Duldung durch die Alpenrepublik eigentlich nicht geben. Im Gegenteil kooperiert man hinter den Kulissen. Update: Auch dieser Vortrag ist inzwischen online.