A O L - am obersten Limit?

Neben der Spur

Normalerweise hat eine Firma ein Businessmodel, und deshalb gibt es sie. Dumm ist, wenn es anders herum läuft und ein Unternehmen einer Idee hinterher läuft. AOL kann da ein Lied davon singen.

Wir erinnern uns an die Goldenen 90er. Da kam neben CompuServe ein neuer Datendienst auf, der mehr Spass versprach als sein Konkurrent. Und Amerika Online gewann so an Fahrt, dass die Konkurrenz schnell alt aussah und flott treppab fiel.

Aber es ist eben so eine Sache mit Businessmodellen im Internet. Wenn die technische Entwicklung einen einholt, dann kann man sich noch so auf den Kopf stellen, man verliert an Fahrt. Das kennen Hufschmiede, die seit der Einführung des Automobils auch in der Glücksbringerbranche wenig Spass aufbauen konnten. Und das kennt eben auch ein Onlinedienst wie AOL, der in seinen Hochzeiten sogar die gute alte Medientante Warner kaufte. Mit Internetaktien, das ging auch schief, man gliederte AOL dann wieder aus dem Konzern aus, und dann hat sich 2009 Warner seinen ehemaligen Besitzer einfach ganz einverleibt. Denn Onlinedienste sind bereits seit etwa zehn Jahren die Pferdekutschen des Internets.

Seit ungefähr zehn Jahren sind die Schrumpfmeldungen über AOL so sicher wie die Nachricht vom bald auf den Markt kommenden elektronischen Papier.

Das soll aber nicht heissen, dass AOL nicht immer wieder versucht, eine neue Businessidee in die Tat umzusetzen. Schliesslich war man einmal Marktführer und hatte ein beträchtliches Volumen an Subscribern. Das erinnert ein wenig an einen Metzger, der sich Rennpferde anschaut und sagt Wenn ich da jetzt Schweinebraten draus machen kann, dann ist das doch immer noch Fleisch. Und Kunden rennen damit eben in Tüten rum, das kommt doch auch auf das Gleich raus. Oder so ähnlich.

Nun hat AOL die Huffington Post gekauft, für 315 Millionen USD. Das ist viel Geld für eine Blogsite, die angetreten war, nicht die üblichen Medieninhalte zu wiederholen. Und jetzt sucht man ein Businessmodell damit, denn die Huffington Post ist sehr erfolgreich und hat vermutlich mehr Leser, als AOL jemals Subscriber hatte. Gut, das schätzen wir jetzt einfach mal.

Allerdings schätzen nicht alle Mitarbeiter AOL als Eigentümer. Und die müssen nicht einmal bei der Huffington Post arbeiten. Denn AOL will Geld machen, und deshalb gibt es ein paar Regeln bei AOL, die es vor allem den Redakteuren schwer machen werden, die Meinungen verkaufen wollen. Was sich nicht rechnet, fliegt raus. Hochkannt. Und der neue Chefredakteur kommt von Fox News. Also das, was man eine Quotensau ohne Rücksicht auf Verluste nennen kann.

Apropos Verlust. 2003 hat AOL mit seinem operativen Verlust so manchen Rekord geschlagen. 38:02-aol-muss-im-zweiten-quartal-deutlichen-verlust-hinnehmen: 2010 sah es auch noch nicht so rosig aus. Es ist eben schwer, einen neuen Sinn für sein Business zu suchen, wenn andere deshalb gegründet und weitaus erfolgreicher sind. Aber jetzt wird die Huffington Post das schon alles richten. Oder AOL schwenkt auf Social Media um...hatten sie schon?...Bebo...bereits wieder verkauft?....ei ei ei...

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