AKW stillgelegt

Litauisches Atomkraftwerk ging zu Silvester endgültig vom Netz

Am Silvesterabend wurde in Litauen der zweite und letzte Block des AKW Ignalina abgeschaltet. Der 1320-Megawatt-Reaktor der sowjetischen RBMK-Baureihe war 1984 ans Netz gegangen und wegen fehlender Sicherheitsvorrichtungen höchst umstritten. Die EU hatte die Stilllegung der beiden Ignalina-Blöcke zur Bedingung für den Beitritt des baltischen Landes zur Gemeinschaft gemacht. Der erste Block war bereits Ende 2004 abgeschaltet worden, Block 3 blieb in der Endzeit der Sowjetunion unvollendet und Block 4 kam nie aus dem Planungsstadium heraus.

Das AKW hat bisher gut 80 Prozent des litauischen Bedarfs an elektrischer Energie gedeckt. Da sein Ende seit spätestens 2000 besiegelt war, hätte man meinen können, dass sich die politische Führung rechtzeitig um Ersatz bemüht. Dem ist aber, glaubt man einem Bericht des Neuen Deutschlands, nicht der Fall. Noch 2008 war versucht worden, per Volksabstimmung den Weiterbetrieb der Anlage durchzusetzen. Das Plebiszit scheiterte jedoch an mangelnder Beteiligung.

Eigentlich hat das Land gute Voraussetzung für den Ausbau erneuerbarer Energieträger, wie zum Beispiel Windkraftanlagen oder Biogasproduktion. Doch die sind reichlich unterentwickelt. Nach Informationen des Global Wind Energy Councils standen in Litauen Ende 2008 Windräder mit einer Kapazität von lediglich 54 Megawatt. Statt dessen träumt man weiter nukleare Träume. Mit Polen und den anderen baltischen Staaten soll in der Nachbarschaft der stillgelegten Anlagen ein neuer Druckwasserreaktor entstehen.

Allerdings steht das Projekt noch in den Sternen. Die Planung wurde mehrfach verschoben, eine etwaige Inbetriebnahme wird vor 2020 kaum noch möglich sein. Bis dahin wird das Land wohl von Stromimporten abhängig sein,die zudem auch noch aus dem ungeliebten Russland kommen. Vielleicht führt diese unangenehme Abhängigkeit ja doch noch zu einem Umdenken.

Die Internationale Atomenergieagentur IAEA führt die jüngste Stilllegung noch nicht in ihren Statistiken auf. Demnach sind derzeit noch 436 AKW im Betrieb. 2009 wurde außerdem zwei Blöcke des japanischen AKW Hamaoka endgültig vom Netz genommen. Gleichzeitig wurde allerdings mit dem Bau von zehn neuen Atommeilern begonnen, acht davon in China.

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