AKW überflüssig

Deutschland exportiert immer mehr Strom

Die deutsche Energiewirtschaft hat im ersten Halbjahr 2015 einen erneuten Exportrekord aufgestellt. Nach Daten, die von der Agora Energiewende zusammengetragen wurden, hat Deutschland in den ersten sechs Monaten 2015 unterm Strich rund 25 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie exportiert. Im ersten Halbjahr 2014 waren es noch 19 Milliarden gewesen, ein Jahr zuvor 15 Milliarden Kilowattstunden.

Zum Vergleich: Die deutschen Atomkraftwerke haben in den ersten sechs Monaten 48 Milliarden Kilowattstunden produziert. Wenn man also auf einen ausgeglichenen Austausch mit dem Ausland achten und außerdem die Gaskraftwerke ein wenig mehr produzieren lassen würde, dann könnten alle verbliebenen acht AKW sofort abgeschaltet werden. Auch dann würden die Gaskraftwerke nur etwas mehr als ein Drittel des Jahres mit voller Last laufen. Annähernd so stark waren sie zuletzt 2008 ausgelastet.

Agora Energiewende ist eine der Partei der Grünen nahe stehende Lobbyorganisation der Erneuerbaren, die unter maßgeblicher Mitwirkung des derzeitige Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium Rainer Baake gegründet wurde. Der Verein vertritt hauptsächlich markt-liberale Konzepte für die Einführung der neuen Energieträger und spricht sich zum Beispiel für eine Liberalisierung des europäischen Strommarktes und den Ausbau des grenzüberschreitenden Stromaustauschs aus.

Die Stromdatenplattform des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme zeigt online übrigens einen niedrigeren Wert von 22 Milliarden Kilowattstunden für den Nettostromexport im ersten Halbjahr 2015. Allerdings weichen die dort monatlich aufgeschlüsselten Daten sehr deutlich von denen des Bundesamtes für Statistik (destatis.de) ab. Diese reichen bis April einschließlich und kommen bereits für die ersten vier Monate 2015 auf einen Exportüberschuss von rund 19,5 Milliarden Kilowattstunden. In einer Foliensammlung des Fraunhofer-Instituts findet sich hingegen ebenfalls der Wert 25 Milliarden Kilowattstunden für das erste Halbjahr 2015.

Der übermäßige deutsche Export ist übrigens für die Versorgung in den Nachbarländern keinesfalls notwendig. Vielmehr verdrängen hiesige Braunkohlekraftwerke umweltfreundlichere Gaskraftwerke in den Niederlanden, die der größte Abnehmer deutschen Stroms sind.