Abschaffung der Glühbirne 2012

... alles bloß ein hektischer Rechenfehler?

Zum endgültigen Abschied der Glühbirne in diesem Jahr haben die Autoren Thomas Worm und Claudia Karstedt die Entstehungsgeschichte des Verbots recherchiert. Ab September 2012 gehört die Glühbirne als "Leuchtmittel" definitiv zur Geschichte, die letzten Glühbirnen (mit mehr als 10 W Leistung) werden aus den Verkaufsregalen verschwinden, so will es die EU Energieverordnung 244/2009. In ihrem Buch "Lügendes Licht. Die dunklen Seiten der Energiesparlampe" kommen Worm und Karstedt zu dem Ergebnis, das Verbot beruhe auf hektischer Gruppendynamik der EU-Bürokratie und fehlerhaften, weil rudimentären Öko- und Energiebilanzen, auf deren Grundlage das Verbot durch die Gremien gewinkt worden sei.

Telepolis zitierte damals den Europaabgeordneten Peter Liese, der das Abstimmungsverhalten mit den Worten beschrieb: "...es passiert leider ... dass man Vorschlägen zustimmt, ohne sich überhaupt der Tragweite bewusst zu sein". Außerdem habe eine Art Zugzwang geherrscht, denn selbst das wegen seines hohen Pro-Kopf-Energieverbrauchs und der überwiegenden Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung als "Klimasünder" abgestempelte Australien hatte gerade ein (Alibi-)Glühlampenverbot bekommen. Dem habe man nicht nachstehen wollen. Worm und Karstedt kritisieren, dass die Mitglieder des Umweltausschusses der EU als Entscheidungsgrundlage für das Glühlampenverbot weder den gesamten Lebenszyklus der zu vergleichenden Leuchten, noch deren Klimawirkung unter Berücksichtigung unterschiedlicher und sich ändernder Strommixe beurteilen konnten, da die ihnen vorgelegten Ökobilanzen umfassende Fragestellungen nicht berücksichtigten.

Statt dessen sei ohne Betrachtung der Randbedingungen die Energieersparnis der Energiesparlampen pauschal auf 80 Prozent gegenüber der Glühbirne beziffert worden. Inzwischen gehe selbst die EU-Energiekommission davon aus, dass das Energiesparpotenzial der Energiesparlampe unter realen Bedingungen bei höchstens einem Viertel liegt. Eingehandelt habe man sich dafür neben der schlechteren Produktbilanz auch das Problem der Wiedereinführung des Quecksilbers in die Massenelektronik. Je Energiesparlampe sind das 3 bis 5 Milligramm Quecksilber, weshalb sie auch nicht in den Hausmüll oder Glascontainer gehören. Wie die TAZ berichtet, hätten Untersuchungen in Schweden, Norwegen und Finnland ergeben, dass die Hälfte der Energiesparlampen eben dort landet.

Die schwedische Umweltministerin Lena Ek will nun bis März zusammen mit den Herstellern eine Lösung finden. Im Gespräch sind Pfandsysteme, die Rücklaufquote soll mindestens auf vergleichbare Anteile wie bei Getränkeverpackungen steigen (in Schweden rund 87 Prozent). Eine norwegische Firma hat bereits einen Lampenpfandautomaten entwickelt, der im Prinzip wie bei Getränkedosen funktioniert, allerdings ohne die Lampen zu zerquetschen.

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