Absprung aus dem Dollar?

Widersprüchliche Nachrichten aus China

Die neuesten Horrornachrichten über faule Wertpapiere in den Büchern deutscher Banken lassen erahnen, dass wir erst am Anfang eines ziemlich großen Schlamassels stehen. Desto größer ist der Bedarf nach kleinen Hoffnungsschimmern. Gibt es nicht irgendwo schon einen schwachen Lichtschein, der das Ende des Tunnels markieren könnte? Vielleicht doch China?

Die Nachrichten der letzten Tage aus dem Land der Mitte sind weiter gemischt. Einerseits verbreitet ein Bericht des UN-Entwicklungsprogramm UNDP, über den die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua schreibt, Optimismus. 2009 werde die chinesische Wirtschaft 8,4 Prozent (7 bis 8,9 Prozent im schlechtesten und besten Fall) wachsen und Motor der Weltwirtschaft bleiben. Aber vielleicht sind die UNO-Fachleute auch ein wenig zu optimistisch. Immerhin hatte es erst vor wenigen Tagen aus der chinesischen Bankenkommission geheißen, es sei extrem schwierig, das von der Regierung für 2009 formulierte 8-Prozent-Wachstumsziel zu erreichen.

Andererseits verzeichneten Chinas Nachbarn Südkorea und Taiwan, wie Brad Setser in seinem Blog berichtet, gegen Ende 2008 extreme Rückgänge in ihrem Exportgeschäft. In Taiwan rauschten im Dezember die Ausfuhren mit -40 Prozent in den Keller, in Südkorea waren es im November und Dezember jeweils knapp -20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In beiden Ländern sind das historisch einmalige Rückgänge. Das bemerkenswerte dabei: Der Grund für die Einbrüche sind fast ausschließlich geringere Einfuhren nach China. Vermutlich handelt es sich überwiegend um Halbfertigprodukte wie Computerchips u.ä., die in Chinas Exportindustrie für europäische und nordamerikanische Märkte montiert wurden. Damit wären die plötzlich so stillen taiwanesischen und südkoreanischen Exporthäfen im letzten Quartal 2008 nur ein Zeichen für einen noch stärkeren Niedergang der chinesischen Exporte, der für das erste Quartal 2009 zu erwarten wäre.

Auch nicht gerade beruhigend sind die Nachrichten, die über den großen Teich von der US-amerikanischen Finanzministerium kommen. Nicht nur, dass man dort seine eigenen Schatzbriefe aufkauft, um die Kurse zu stützen, was einem anwerfen der Notenpresse gleich kommt. Darüber hinaus zeigen die Zahlen zwar, dass einerseits ausländische Staatsfonds und Zentralbanken weiter kräftig US-amerikanische Staatsanleihen kaufen, aber nur eher kurzfristige Papiere. Es findet sogar eine Umschichtung statt, das heißt, es werden langfristige Papiere abgestoßen und durch kurzfristige ersetzt.

Man könnte fast den Eindruck haben, dass sich da jemand für einen kurzfristigen Absprung aus dem Dollar wappnet. Aber ein Absturz der US-Währung würde natürlich enorme globale Turbulenzen auslösen, und man kann sich wohl sicher sein, dass die chinesische Führung die letzte wäre, die daran ein Interesse hätte. Vermutlich ist die Erklärung etwas weniger spektakulär: Die chinesische und einige andere Regierung wollen sich in unsicheren Zeiten mehr Flexibilität verschaffen.