Ackermanns selbstlose Verzichtserklärung auf Erfolgsbonus für 2008

Der Chef der Deutschen Bank wollte ein Zeichen setzen, das aber wohl daneben ging.

Gefordert sind derzeit die in Kritik stehenden Banker, sich zumindest für ihre Rettung aus dem selbst verschuldeten Fiasko kenntlich zu zeigen und an der Aufarbeitung des Schlamassels, das nun Staat und Steuerzahler mit beseitigen sollen, mitzuwirken. Von den Boni und Gewinnen, mit denen sich viele Banker in den letzten Jahren einen gehörigen persönlichen Reichtum durch das Zocken mit den "innovativen Finanzkonstrukten" verschafft haben, wird dabei nicht geredet, obwohl auch dies mit dazu beigetragen hat, die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrößern.

Als Zumutung wird schon empfunden, wenn Bankmanager, wenn sie staatliche Unterstützung annehmen, für das eine Jahr einmal nur weniger, nämlich maximal eine halbe Million Euro verdienen dürfen. Weil die Banker so egoistisch sind, werden sie auch eine nur vorübergehende Deckelung ihrer Einkommen nicht hinnehmen, warnte Kapitalismus-Ideologe und Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn. Er sagt wenigstens klar, dass der freie Markt nichts mit Ethik zu tun hat. Da mag er durchaus Recht haben, weswegen das Vorgehen der US-Regierung, die staatliche Hilfe und damit die Teilstaatverstaatlichung den wichtigsten Banken zu verordnen, vermutlich realistischer wäre.

Jetzt ist Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und für manchen Mediengag gut, für seine Kollegen in die Bresche gesprungen und hat in der Bild verkündet, dass er sowie die übrigen Vorstands- und Aufsichtsratmitglieder auf Bonus-Zahlungen für dieses Jahr großzügig "zugunsten verdienter Mitarbeiter" verzichten werden. Für Ackermann ist das "ein ganz persönliches Zeichen der Solidarität". Allein bei Ackermann gehe es dabei um Millionen.

Ob die Menschen, die nun alle möglicherweise für die Banken einspringen müssen, weil deren Gewinnstreben die gesamte Gesellschaft beeinträchtigt, von dieser Solidarität für die Bankmitarbeiter beeindruckt sind, darf bezweifelt werden. Wenn man dazu noch erfährt, dass allein die vier Vorstandsmitglieder 2007, als die Kreditkrise schon abgesehen werden konnte, insgesamt 33,2 Millionen Euro verdient haben, davon 28,8 Millionen Euro als "erfolgsbezogene Vergütungen", dann wird noch einmal deutlich, wie sich die Bankenverantwortlichen auch kräftig persönlich mit dem Handel mit faulen Krediten bereichert haben.

Wirtschaftsminister Glos (CSU), der in der Finanzkrise noch weiter untertauchte als zuvor schon, war einer der wenigen, die Ackermanns Geste begrüßte und sie als nachahmenswert huldigte. Renate Künast von den Grünen findet es hingegen frech, dass Ackermann überhaupt Anspruch auf Bonuszahlungen erhebt. SPD-Fraktionschef Peter Struck bezeichnete die Geste als peinlich. Andere Bankvorstände, auch die der Hypo Real Estate, die mit 50 Milliarden Euro vom Staat gestützt werden musste, wollten sich dazu bislang nicht äußern, berichtet die Welt.