Ägypten sperrt Internet und Handynetze

Die angekündigten Massenproteste werden sich dadurch wohl nicht verhindern lassen

Vor den Protesten, die heute stattfinden, hat die ägyptische Regierung das Land praktisch zum Schwarzen Loch gemacht. Neben dem Internet, auf das sich auch über Proxies nicht mehr zugreifen lässt, wurde nun auch die Handynetze gesperrt. "The revolution may not be televised/tweeted/reported", heißt es zornig in einem Tweet. Ägyptische Medien sind auch vom Ausland nicht mehr zu erreichen. Ein CNN-Journalist tweetet: Cairo in COMPLETE lockdown. Security everywhere, including special forces. Government once again warning protests BANNED." Es heißt, ausländische Journalisten dürften ihre Hotels nicht verlassen. Nach manchen Berichten scheint das Internet in Hotels nicht blockiert zu sein, auch über WLANs soll noch ein Zugang möglich sein.

Bild: Arbor Networks

Die ägyptische Regierung will so verhindern, dass das Ausland zuschauen kann, wie das noch in Tunesien der Fall war. Wenn die Proteste gewissermaßen auf der internationalen Bühne stattfinden, gerät die Staatsmacht in die Hinterhand, wenn sie nicht trotzdem mit aller Brutalität wie zuletzt in Weißrussland oder davor in Burma vorgehen will. Das vom Westen gestützte Regime Mubaraks in Ägypten verhält sich nicht anders als die Militärs in Burma oder der Diktator in Weißrussland. Selbst die US-Regierung drängt Mubarak zu Reformen, dafür könnte es aber bereits zu spät, zumal wenn heute die Sicherheitskräfte wieder mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen sollten.

U.S. Assistant Secretary of State for Public Affairs twitterte: "We are concerned that communication services, including the Internet, social media and even this #tweet, are being blocked in #Egypt."

Aufgerufen wurde zu den Protesten nach dem Freitagsgebet. Die lassen sich nicht verhindern und es steht zu erwarten, dass hier große Menschenmengen in den Städten demonstrieren werden. Zum Freitagsgebet versammeln sich in den Moscheen Millionen von Menschen. Das Kappen der Kommunikationsmedien dürfte in diesem Fall Massenproteste nicht verhindern, sofern die Menschen sich tatsächlich mobilisieren lassen. So heißt es in Tweets, die Muslimbruderschaft habe ein besseres soziales Netz als Twitter, nämlich die Moscheen.

Mit ElBaradei hat der Protest auch ein national und international bekanntes und anerkanntes Gesicht gefunden, der ehemalige Chef der UN-Atomenergiebehörde IAEA und Friedensnobelpreisträger bietet sich als Übergangspräsident nach dem geforderten Rücktritt von Mubarak an und hat es geschafft, ein breites Bündnis zu vereinen, dem auch die Islamisten angehören.

Die Hoffnung von Manchen ist groß: "Today is our Independence Day in Egypt! Tear down this firewall Pharaoh Mubarak! Democracy needs no permission." Das Regime hat nach Berichten massive Sicherheitskräfte in Kairo antreten lassen, in der Nacht wurden einige Führer der Muslimbruderschaft, der bislang größten Oppositionsbewegung, verhaftet.

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