Ägypter haben die erste Prothese erfunden

Zwei künstliche Zehen, die 600 vor Christus in Ägypten hergestellt wurden, waren nach Tests funktionsfähige Prothesen

Die Ägypter könnten die Erfinder der ersten Prothesen in der Menschheitsgeschichte gewesen sein. Jacqueline Finch vom Zentrum für biomedizinische Ägyptologie der University of Manchester berichtet in der Zeitschrift The Lancet, dass zwei künstliche große Zehen, von denen eine am Fuß einer Mumie gefunden wurde, mindestens 2600 Jahre alt sind. Bislang galt das sogenannte römische Capua-Bein aus Bronze als die älteste Prothese, die 300 vor Christus entstanden sein soll.

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Zunächst war vermutet worden, dass es sich bei den Zehprothesen um Grabbeigaben handeln könnte. Finch hat mit Versuchen gezeigt, dass die aus Holz und Leder gefertigte Prothese aus dem Ägyptischen Museum in Kairo und der aus einer Art Pappmache hergestellte Greville Chester-Zeh aus dem British Museum tatsächlich Menschen, die die üblichen ägyptischen Sandalen tragen, beim Gehen helfen konnten. Dazu ließ sie die Prothesen exakt nachbauen und von zwei Versuchspersonen ausprobieren, die ihre großen Zehen verloren hatten.

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Der Greville Chester-Zeh aus Pappmache. Bild: J. Finch mit der Genehmigung des British Museum

Da der große Zeh immerhin 40 Prozent des Körpergewichts aushalten und wichtig für die Vorwärtsbewegung ist, mussten die Prothesen sehr stabil sein. Um als Prothesen zu fungieren, seien auch ihre Form und ihr Aussehen wichtig. Sie müssten einigermaßen "echt" aussehen, um von ihren Trägern und deren Umgebung akzeptiert zu werden. Zudem müssten sie abgenommen werden können, um sie zu säubern. Besonders gut konnten die Versuchspersonen mit der Zehprothese aus dem Museum in Kairo laufen. Nach den Tests geht Finch davon aus, dass beide Fundstücke tatsächlich als Prothesen gedient haben, womit die alten Ägypter die ersten wären, die Prothesen erfunden haben.

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