Airbus wollte auch "technische Probleme" lösen

Der Absturz des A400M in Sevilla ist ein erneuter schwerer Rückschlag für eines der bedeutendsten europäischen Rüstungsprojekte

Nach dem Absturz eines Airbus A400M beim ersten Testflug in der Nähe von Sevilla am Samstag folgte am Montag der Absturz der Airbus-Aktie an den Börsen. Im Frankfurter Dax bildete sie das Schlusslicht und verlor 3,5%. Schlimmer sah es in Spanien aus, wo die Aktie des größten europäischen Flugzeugbauers nach dem Absturz der Militärmaschine am Montag in Madrid sogar um knapp 6% abstürzte. Die Sorge ist nach Verzögerungen und einer Kostenexplosion bei einem der bedeutendsten europäischen Rüstungsprojekte groß, dass der große Truppentransporter nun auch noch unsicher ist.

Dass Airbus schon heute mit den Testflügen am französischen Standort Toulouse fortfahren will, obwohl vier Menschen in der Nähe der südspanischen Stadt ihr Leben verloren, um damit für die Sicherheit der Maschine zu garantieren, überzeugt nicht. Der erst im Januar ernannte neue Chef der Militärflugzeugsparte Fernando Alonso will selbst am Testflug teilnehmen, damit die Airbus-Kunden und Luftstreitkräfte sehen, dass man "diesem großartigen Transportflugzeug voll und ganz" vertraue.

Damit versucht Airbus den Befreiungsschlag in einem von Pleiten, Pech und Pannen geplagten Projekt. Denn weiter ist unklar, weshalb die A400M abgestürzt ist. Immer lauter wird interne und externe Kritik. Es wird von Problemen auf allen Ebenen gesprochen. Nachdem schon Deutschland und Großbritannien zunächst Testflüge ausgesetzt haben, schloss sich auch die Türkei dem Schritt an. An dieses Nato-Land sollte die in Sevilla abgestürzte Maschine gehen.

Mit Bezug auf einen Überlebenden wird von "massiven technischen Problemen" berichtet. Schon kurz nach dem Start hätten die Triebwerke versagt, soll der Schwerverletzte erklärt haben. Spanische Experten meinen, die Ursachen ließen sich recht schnell klären, da die Daten der Maschine auch per Satellit in Echtzeit überwacht worden seien. Deshalb sind Berichte glaubhaft, obwohl die Flugschreiber noch nicht ausgewertet sind, dass gut eine Minute nach dem Start alle Werte in einer Höhe von gut 500 Metern abgesackt seien.

Klar ist, dass es auch im Konzern massive Kritik am Projekt gab. Da der erste Transporter mit vierjähriger Verspätung im vergangenen September und deutlich teurer ausgeliefert wurde, sollte nun die Montagekapazität in Sevilla auf 2,5 Maschinen im Monat verdoppelt werden. Die Situation sei nicht tragbar, erklärte Bernhard Gerwert, Chef der Rüstungssparte Airbus Defence and Space schon im Januar. Befürchtet wurde, dass weiter abgespeckt werden müsse, denn einst wurde mit den Bau von 400 Maschinen gerechnet. Zuletzt lagen 174 Bestellungen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Türkei und Malaysia vor.

Deshalb wurde nach sechs Jahren der damalige Chef der Militärflugzeugsparte Domingo Ureña-Ras durch Alonso ersetzt. Gerwert hoffte, "existierenden Mängel" so effizient wie möglich zu beseitigen. Und Alonso gab im März zu, dass darunter auch "technische Fehler" und "Fehler in der Lieferkette" seien, berichtete Infodefensa. Man erhalte in Sevilla nicht fertiggestellte Teile: "Das ist das Schlimmste, was passieren kann", sagte er. Wegen fehlender Kapazitäten und Know-how sollten nun 120 erfahrende Ingenieure und 40 erfahrene Flugzeugmonteure nach Sevilla verlegt werden.

Zeitungen, darunter auch die große "El País", verweisen auf den Druck aus Deutschland, die Produktion zu steigern. Das sei "entscheidend in den letzten Monaten gewesen", schreibt sie. Und "El Confidential" bezieht sich auf den Luftfahrt-Experten bei der Gewerkschaft UGT, der auch von Druck aus Frankreich spricht. Das habe zu "mehr Überstunden" und zur Einstellung von noch mehr Zeitarbeitskräften geführt. Manuel Ponce spricht vom "hohen Politisierungsgrad", weshalb auch über die Auslagerung eines Teils der Montage gesprochen worden sei. Verwiesen wird mit Bezug auf Airbus-Quellen auch darauf, dass bei Testflügen auch Elemente benutzt würden, die noch "aktualisiert" werden müssten, was die Risiken erhöhen kann.

Im ohnehin von einer extremen Arbeitslosigkeit (34%) geschlagenen Andalusien befürchtet man nun das Schlimmste. Der Absturz wirke verheerend, denn befürchtet wird, dass bis zur Klärung der Vorgänge die Montage neuer Maschinen gestoppt wird. Zahlreiche direkte und indirekte Arbeitsplätze hängen in der armen Region allein von diesem Projekt ab. Der Airbus-Chef Tom Enders schrieb in einem Brief in dem Mitarbeiter derweil: "Die Steigerung der Auslieferungszahlen und der Fähigkeiten des Flugzeugs geht weiter." Damit begründete er über alle Unklarheiten hinweg auch die Entscheidung, die Testflüge fortzusetzen.