Akten zur Iran-Contra-Affäre veröffentlicht

Zum 25. Jahrestag von Präsident Reagans gelogenem Dementi hat das National Security Archive freigegebene Dokumente online gestellt

Das der George Washington University angegliederte National Security Archive, das sich häufig um die Aufarbeitung amerikanischer Geheimdienstgeschichte etwa durch Klagen auf Archivierung oder Freigabe von Regierungsdokumenten verdient gemacht hatte, veröffentlichte nun Originaldokumente zum Iran-Contra-Skandal. Am 25.11.1986 hatte Präsident Ronald Reagan zunächst die heimliche Lieferung von Waffen an den verfeindeten Iran dementiert und später dann den Umfang der Lieferung als „höchstens eine Flugzeugladung“ kleingeredet, obwohl es sich um 1500 Panzer- und Luftabwehrraketen handelte. Der Deal beinhaltete u.a. die Aufschiebung der Freilassung der 52 US-Geiseln, was Präsident Carter den Wahlkampf sabotiert hatte. Der finanzielle Anteil der iranischen Gegenleistung wurde am Kongress vorbei zur Finanzierung der Contras in Nicaragua verwendet, um die dortige Regierung zu stürzen. Die Contras, ursprünglich Regierungstruppen einer gestürzten Diktatur, waren von der CIA ausgebildet und mit Waffen versorgt worden, mit denen sie zur Destabilisierung Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung verübten. Die CIA tolerierte sogar die Eigenfinanzierung der Contras durch Drogenschmuggel in die USA. Die Affäre war ruchbar geworden, als über Nicaragua ein verdecktes US-Flugzeug mit Waffenlieferung abgeschossen wurde.

Ursprünglich hatte man 1984 im Weißen Haus zur verdeckten Unterstützung der Contras darüber nachgedacht, diese über Drittländer finanzieren zu lassen, wie Bush es später mit Honduras vereinbarte. Wie die Untersuchung zeigt, war Reagan über jeden einzelnen Waffen-Deal informiert und die treibende Kraft, konnte jedoch 1992 nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden, weil seine Alzheimersche Krankheit bereits in ein unübersehbares Stadium gelangt war. Auch sein damaliger Vize George H.W. Bush, vormals selbst CIA-Chef, genoss als Präsident während seines Wahlkapmfs gegen Clinton Protektion, auch ihm wurde schließlich eine Anklage erspart. Der vormalige CIA-Chef William Casey, der etliche schmutzigen Operationen zu verantworten hatte, war zwar angeklagt worden, aber bereits 1987 verstorben. Schlüsselfigur Oliver North, der die Rolle des Sündenbocks annahm und sich seinem Präsidenten durch Vernichten von Unterlagen als treuer Soldat erwies, vermochte eine rechtskräftige Verurteilung abzuwenden und machte eine Karriere als konservativer Kommentator und Held für patriotisches US-Publikum. Die Militärs Collin Powell und Richard Armitage, die ebenfalls in die Planung des Iran-Contra-Deals involviert waren, leiteten unter George W. Bush das Außenministerium.

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