"Al-Assad muss weg, wenn nötig auch mit Hilfe von al-Qaida"

"Die größere Gefahr ist Iran" - Offene Worte des scheidenden israelischen US-Botschafters Michael Oren zu den Interessen der Regionalmacht im syrischen Konflikt

Die al-Qaida-Krieger, die bei Kämpfen gegen die syrische Regierung eine größere Rolle spielen, sind für Israel das kleinere Übel. In einer für das von Manövern und Geheimschubladen bestimmte Thema Syrienkrieg ungewöhnlichen Offenheit erklärt der israelische US-Botschafter Michael Oren in einem Interview, welche Gewichte Israel ansetzt, wenn es um Syrien geht. Müßig zu erwähnen, dass die US-Politik sich ähnlich ausrichtet.

Der sieht laut Oren, der als geradeheraus bekannt ist, seinen Posten verläßt und damit weitere Redefreiheit gewinnt, so aus, dass Israel "von Anfang der syrischen Krise an immer die Absetzung Baschar al-Assads wollte und immer die Übeltäter (i.O. 'bad guys'), die nicht von Iran unterstützt werden, denen vorzog, die vom Iran unterstützt werden".

Selbst wenn es sich, wie sich im Laufe der Kämpfe in Syrien herausgestellt hat, um bad guys handle, die mit al-Qaida verbunden sind, gilt nach den Worten Orens für Israel nachwievor die anfängliche strategische Grundmaxime:

"Noch immer stellt für Israel der große strategische Bogen, der von Teheran über Damaskus nach Beirut reicht, die größte Gefahr dar. Und wir sahen im Regime Assads einen Grundpfeiler in diesem Bogen. Wir hatten diese Position vor dem Ausbruch der Kriegshandlungen in Syrien. Und auch nach dem Ausbruch der Kriegshandlungen wollen wir weiter, dass Assad gehen muss."

Im Unterschied zu den USA habe Israel andere rote Linien, so Oren. Die israelische werde dort gezogen, wo Iran oder Syrien chemische oder kriegsentscheidende Waffen an die Hisbullah oder andere terroristische Organisationen liefern. Israel würde in so einem Fall nicht untätig bleiben.

Oren äußert sich auch zur Nähe Israels zu Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten, ohne dies herunterzuspielen. In den vergangenen 64 Jahren - also seit Ende des ersten arabisch-israelischen Krieges, nach der Gründung Israels - habe es niemals zuvor einen solchen "Zusammenfluss von Interessen zwischen uns und verschiedenen Golfstaaten" gegeben. Der Botschafter Israels spricht sogar von Vereinbarungen, die sein Land mit Golfstaaten zu Syrien, Ägypten und zur palästinensischen Sache getroffen habe.

Das könnte man als eigenen Friedensprozess verstehen, der auf einem anderen Gleis sich tatsächlich vorwärts bewegt, mit großer faktischer Relevanz im Gegensatz zu den offiziellen Verhandlungen oder Vorverhandlungen mit Palästinensern, deren Position durch solche agreements vermutlich nicht gestärkt wird.

"With these Gulf States we have agreements on Syria, on Egypt, on the Palestinian issue. We certainly have agreements on Iran. This is one of those opportunities presented by the Arab Spring."

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