Al-Jazeera: Instrument seiner katarischen Geldgeber?

Wikileaks-Dokumente deuten darauf hin, dass die Berichterstattung des arabischen Nachrichtensenders Teil von außenpolitischen Abmachungen war. Der Sender dementiert

Wie unabhängig ist die Berichterstattung von al-Jazeera? Laut Guardian widersprechen Gespräche zwischen den Machthabern in Katar und amerikanischen Diplomaten dem Anspruch des Senders auf unabhängige und freie Berichterstattung. Wikileaks-Dokumente zeichnen den Sender als „außenpolitisches Instrument“ unter der Kontrolle der katarischen Herrscher, der Geldgeber des Senders.

Nach Einschätzungen von US-Diplomaten hat die Führung des Golfstaates einen derart starken, unmittelbaren Einfluss auf den Sender, dass dessen Art der Berichterstattung „Thema bilateraler Deals“ wurde: Gegen bestimmte „größere Konzessionen“ boten Katars Landeschefs eine unkritischere bzw. wohlgesinnte Berichterstattung „ihres Senders“ an. Entsprechende Abmachungen habe es zwischen Katar und Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien gegeben.

Laut USA-Botschafter in Katar, Joseph Le Baron, ist Al-Jazeeras Einfluss auf die Öffentlichkeit im „Middle East“ ein „wichtiger politischer Schalthebel für Katar“, der beispielsweise bei der Versöhnung Katars mit Saudi-Arabien eine sehr große Rolle gespielt hat.

Der Sender hat umgehend mit einer Gegendarstellung reagiert. Die Behauptungen der US-Botschaft seien „weit von der Wahrheit entfernt“ heißt es darin. Trotz großem Druck, der auf al-Jazeera seitens regionaler und internationaler Regierungen ausgeübt werde, habe man „nie seine kühne Programmpolitik verändert, die von Prinzipien der freien Presse geleitet wird.“

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