Alles noch viel schlimmer

Im Golf von Mexiko zieht das Öl-Desaster immer größere Kreise

Die New York Times berichtet, dass offensichtlich lange nicht alles aus dem offenen Bohrloch im Golf von Mexiko austretende Öl bisher die Oberfläche erreicht hat. Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass sich in tiefem Wasser in mehreren Schichten zum Teil sehr große Öllinsen gebildet haben. Eine davon sei 16 Kilometer lang, 5,5 Kilometer breit und bis zu 100 Meter dick. Das Öl sei dabei, den in Wasser gelösten Sauerstoff zu binden. Vermutlich sind Bakterien, die das Öl zersetzen, dafür verantwortlich. An einigen Stellen sei der Sauerstoffgehalt bereits um 30 Prozent gefallen. Gehe es in diesem Tempo weiter, so bestünde erhebliche Gefahr für die Tierwelt unter Wasser.

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass aus dem Leck deutlich mehr Erdöl entweicht, als bisher von der Regierung und BP angegeben. Die Angaben von bis zu 5.000 Barrel pro Tag, so die Zeitung, beruhten jedoch auf Satellitenaufnahmen der Ölteppiche. Das nun unter der Oberfläche entdeckte Öl unterstützt die Schätzungen, wonach täglich 25.000 bis 80.000 Barrel austreten. BP verweigert den Wissenschaftlern jedoch direkte Messungen vor Ort am Bohrloch. Das sei für die Rettungsmaßnahmen nicht relevant und könnte sogar ablenken.

Weshalb das Öl nicht vollständig zur Oberfläche aufsteigt, ist unklar. Eine Erklärung könnten die Chemikalien sein, die von BP inzwischen direkt am Bohrloch in den Ölstrom injiziert werden, um das Öl aufzubrechen. Die Öllinsen scheinen jedenfalls nicht aus reinem Öl sondern aus sehr feinen Öltropfen zu bestehen, die ein Gemisch mit Wasser bilden.

Die eingesetzt Chemikalie Corexit 9500 ist nach Händlerangaben "leicht giftig" (low toxicity), der Guardian spricht von einem "moderate" human health hazard. Der Einsatz sei bisher nur an der Wasseroberfläche genehmigt, und mit dem jetzt verwendeten Verfahren gebe es keine Erfahrungen. Fischer, Wissenschaftler und die Behörden des an den Golf angrenzenden Bundesstaates Louisiana hätten daher gegen die Erlaubnis der Bundesbehörden protestiert. Neben der Giftigkeit des eingesetzten Mittels ist ein anderes Problem, dass die Öltropfen, die es erzeugt, so klein wie Plankton sind und so von Lebewesen aufgenommen werden können, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtern. Das Öl würde also in die Nahrungskette gelangen.

An anderer Stelle schreibt die britische Zeitung, dass Versicherungen den versicherten Gesamtschaden inzwischen auf bis 3,5 Milliarden US-Dollar schätzen. Die gesunkene Plattform war vom BP-Partner Transocean bei Lloyd's mit 560 Millionen US-Dollar versichert. Der Schaden sei bereits angemeldet und der Betrag beglichen. Ob die Fischer und kleinen Geschäftsleute an der Küste wohl auch so prompt entschädigt werden?

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