An den Nasen könnt ihr sie erkennen

Die Nase wird zum nächsten Objekt der biometrischen Identifizierung, allmählich könnten Burkas als Kleidungsmittel im öffentlichen Raum attraktiv werden

Menschen lassen sich anhand ihres Genprofils, ihrer Stimme, ihrer Bewegungen, ihres Gesichts, ihrer Iris, ihrer Fingerabdrücke oder Nasen erkennen. Adrian Evans und Adrian Moorhouse vom Department of Electronic & Electrical Engineering der University of Bath haben die biometrischen Identifizierungsmöglichkeiten noch einmal erweitert und ein Programm entwickelt, um Menschen an ihren Nasen angeblich eindeutig erkennen zu können.

Nasen haben den Vorteil, dass sie ziemlich markante und deutliche Körpermerkmale sind, sagen die Wissenschaftler. Sie lassen sich nicht so leicht verbergen und verändern sich kaum durch Körpermimik, weswegen sie für heimliche Überwachung oder bei einer unkooperativen Person gut zur biometrischen Identifizierung geeignet seien.

Die Idee entstand aus einem u.a. vom Innenministerium finanzierten Projekt namens PhotoFace, aus einer stereofotometrischen Aufnahmetechnik exakt die dreidimensionalen Strukturen sich bewegender Gesichter herzustellen, um daraus ein Gesichtserkennungsprogramm zu entwickeln, das möglichst unter allen Lichtbedingungen und Aufnahmewinkeln funktioniert. Innerhalb von 20 ms werden dabei vier Aufnahmen mit vier verschiedenen Lichtquellen gemacht (was dann so geheim noch nicht funktionieren kann). Für die Nase wurde ein gesondertes Programm geschrieben, um deren 3D-Struktur zu analysieren, sie sechs grundlegenden Nasenformen (römisch, griechisch, nubisch, Adler-, Stups-, Himmelfahrtsnase) zuzuordnen und sie zu vermessen (Länge, Breite Nasenspitze und –sattel). Damit ließen sich, so die Wissenschaftler, Menschen gut und schneller als etwa durch Gesichtserkennung identifizieren. Getestet wurde das Programm allerdings nur an einer kleinen Gruppe von Versuchspersonen, weswegen die wirkliche Fehlerrate nicht bekannt ist.

Möglicherweise werden Burka-ähnliche Gewänder, die den ganzen Körper einschließlich Gesicht verhülle, allmählich zu einem Mittel, in öffentlichen Räumen die Erkennung zu umgehen, wenn das Vermummungsverbot nicht auf die Präsenz im gesamten öffentlichen Raum ausgedehnt werden sollte. Der Ganzkörperschleier könnte aus dem religiösen und sexuellen Kontext heraustreten und zur gebotenen Datenverhüllung für Bürger werden, die das urbane Recht auf Anonymität für sich reklamieren. Man könnte auch die Begründung des Verfassungsgerichts im Urteil zur Vorratsdatenspeicherung verwenden, nämlich dass "die Freiheitswahrnehmung der Bürger nicht total erfasst und registriert werden" darf und ein "diffus bedrohliches Gefühl des Beobachtetseins" entsteht.

Die mit immensen Geldern ausgestattete Forschung und Entwicklung von Sicherheitstechniken macht es möglich, Menschen anhand immer weiterer biometrischer Merkmale zu identifizieren und sie dann nicht nur beim Durchschreiten von Kontrollstationen, sondern mittels stationären oder mobilen (Fahrzeuge, Drohnen etc.) Überwachungskameras im öffentlichen Raum heimlich und aus der Ferne zu erkennen und zu verfolgen.

Kommentare lesen (65 Beiträge)
Anzeige