Angriffe auf Gothic-Fans können Hate Crimes sein

Die Polizei in Manchester erweitert ihre Definition besonders verfolgungswürdiger Gewaltverbrechen

Der aus den USA stammende Begriff "Hate Crimes" bezeichnet Gewaltverbrechen, die verübt werden, weil das Opfer einer bestimmten Gruppe angehört und zum Beispiel schwul, schwarz, weiß oder behindert ist. Kann die Motivation für die Tat vor Gericht bewiesen werden, dann wird eine Körperverletzung deutlich härter bestraft als eine, die etwa aus einem Streit um Ruhestörung resultiert. Was für Probleme dabei auftreten können, wird in dieser South-Park-Episode sehr anschaulich zusammengefasst.

Im nordenglischen Manchester weitete die Polizei die Anwendbarkeit dieses Begriffs nun auf Fälle aus, in denen die Täter nicht auf eine Hautfarbe, eine mutmaßliche sexuelle Orientierung oder ein körperliches Defizit reagieren, sondern auf Kleidungsstücke und Frisuren, die eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten "subkulturellen Identität" ausdrücken.

Als Beispiele dafür nennt man unter anderem Metal- und Gothic-Fans. Letztere beklagen sich auch in Deutschland immer wieder über Angriffe durch p2nS0HAekT8J:http://www.wave-gotik-treffen.de/forumwgt3/viewtopic.php%3Ff%3D21%26t%3D2357%26start%3D45%2BDeutschland+Autonome+bel%C3%A4stigen+pauschal+Gothic-+und+Neofolk-Fans&oe=utf-8&rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&client=firefox-a&hl=de&ct=clnk: Autonome und andere gewaltbereite Gruppen. Assistant Chief Constable Garry Shewan sagte der britischen Presse, wer sich optisch als Anhänger einer Subkultur zu erkennen geben möchte, der müsse dafür keine Gewaltverbrechen hinnehmen.

Wie das britische Justizsystem auf die neue Definition der Polizei reagieren wird, ist noch offen. Damit tatsächlich höhere Strafen verhängt werden können, muss möglicherweise erst das National Hate Crimes Register geändert werden, für das die liberaldemokratische Gleichbehandlungsministerin Lynne Featherstone zuständig ist.

Anlass für die Begriffserweiterung war der am 11. August 2007 verübte Gruppenmord am Gothic-Mädchen Sophie Lancaster. Als die damals 20-Jährige mit ihrem ebenfalls mit Gothic-Ornat ausgestatteten Freund Robert Maltby nachts durch einen Park in Rossendale ging, wurden die beiden von einer Gruppe Jugendlicher ohne Anlass angegriffen. Lancaster starb an schweren Kopfverletzungen und Maltby trug bleibende Hirnschäden davon.

Aus Zeugenaussagen, einem Notruf und späteren Prahlereien einzelner Täter ging klar hervor, dass die beiden aufgrund ihrer äußeren Erscheinung Opfer der Gruppe wurden. Nach dem Vorfall gründete sich eine Sophie Lancaster Foundation, die politischen Druck ausübte und dabei von Musikern wie Gary Numan und Courtney Love unterstützt wurde.