Anonymous kritisiert Berichterstattung über Servergate

Das Netzwerk betont, dass mit dem SSH-Schlüssel Angriffe auf Atomkraftwerke weder geplant noch theoretisch möglich waren

Am Freitag und Samstag hoben mehrere deutsche Medien in ihrer Berichterstattung über die Beschlagnahme von Servern der Piratenpartei hervor, dass der im Durchsuchungsbeschluss als Grund angeführte (und in einer frei zugänglichen Etherpad-Weiterentwicklung angeblich von Mitgliedern des Netzwerks Anonymous gepostete) SSH-Schlüssel zu einer Website des Unternehmens Électricité de France (EDF) gehörte, das zahlreiche Kernkraftwerke betreibt. Spiegel Online hatte solch eine Meldung sogar mit dem Bild eines Atomkraftwerks illustriert.

Damit, so Anonymous in einer Videobotschaft, werde suggeriert, dass durch Angriffe auf Websites wie die vom 18. April Atomkraftwerke zum Absturz gebracht werden könnten und sollten, was ausgesprochener Unsinn sei. In der auch als Text zugänglichen Botschaft bekennt sich Anonymous weiterhin zu den Distributed-Denial-of-Service-Attacken gegen die Website des BKA, dem sie vorwerfen, es habe mit seiner Serverbeschlagnahme unter anderem der Opposition in Spanien und im Iran Schaden zugefügt.

Mittlerweile kam auch heraus, dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt offenbar nicht, wie zuerst berichtet wurde, auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Paris handelte, sondern diese vielmehr um ein Rechtshilfeersuchen bat. Auch der Sinn und die Verhältnismäßigkeit der Suche stehen immer mehr in Frage: Die Piratenpartei wirbt sehr öffentlich damit, keine IP-Nummern zu speichern, weshalb eine Durchsuchung selbst bei oberflächlicher Betrachtung als ungeeignete Methode der Identitätsfeststellung ausscheiden hätte müssen. Dass man, wie manche Formulierungen nahe legen, die Eilbedürftigkeit der Maßnahme damit zu begründen versuchte, man müsse die flüchtigen Daten schnell wieder einfangen, lässt manche Beobachter inzwischen zweifeln, ob der Vorgang noch alleine mit technischem Unverständnis erklärbar ist.

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